— Archiv für den Tag „Praktikum” —

— Donnerstag, 21. Juni 2012 —

“Wenn Sie keine Wohnung mehr haben, kommen Sie wieder…” [ 3 Kommentare ]

Ich möchte Euch mal von meinem Ausbildungsbeginn und den damit verbundenen “Schwierigkeiten” berichten.

Als erstes: ich war damals 24 Jahre, hatte/habe bereits fünf Kinder und wir bezogen aufstockend H4 (mein Mann ist sieben Jahre älter als ich und ging schon immer arbeiten…es reichte eben nur nicht).
Meine letzten beiden (Zwillinge) wurden 2009 gerade zwei Jahre alt und ich hatte nach wie vor im Kopf, eine Ausbildung zu machen. Da mir von meiner Schwester gesagt wurde, dass das Amt nur bis zum 25.Lj wirklich dabei behilflich ist, ging ich also Anfang des Jahres zu meinem Vermittler, schilderte ihm das alles, auch wie ich es mir mit der Betreuung vorstellte u.s.w….und bekam erstmal ein müdes Lächeln. “Einige Leute in ihrem Alter schaffen es nicht einmal. Und sie wollen es mit 5 Kindern machen? Warum bleiben sie nicht noch drei Jahre Zuhause und dann nehme ich sie erst in die Vermittlung?” Habe ich dankend abgelehnt und ihn noch mal versucht klar zu machen, dass ich eine Ausbildung beginnen möchte – noch in diesem Jahr!
Gut, nach langem hin und her sagte er mir zu, dass ich in den nächsten Wochen einen Termin zur Berufsberaterin bekommen würde, da solle ich alles weitere besprechen.
Die Wochen vergingen, ich hatte schon einige Absagen von Firmen, die ich mir selber rausgesucht hatte und es kam keine Post vom Amt.
Also wieder zu dem Herren hin. Meine Bewerbungsunterlagen mitgenommen und gesagt, dass ich bitt schnellstmöglich einen Termin haben möchte…die Zeit drängte nunmal. “Ach, sie wollten doch den Termin zur Beratung, nicht?” Jaaa, den wollte ich “Werde ich fertig mache. Sie bekommen bescheid!”
Als nach einer Woche wieder nichts im Briefkasten war, fuhr ich selber zur Alg1-Stelle, wo die Berufsberatung sitzt. Ich wurde sofort zu einer Dame geschickt, die wirklich nett war. Wir haben uns erstmal in Kurzfassung unterhalten, dann gab Sie mir einen Termin für die darauf folgende Woche mit.

Zu dem Termin hatte ich allerdings eine andere Dame vor mir sitzen, die komischerweise schon etwas von mir gehört hatte – nämlich von meinem Vermittler der Arge. Sie hätte sich schon mit ihm unterhalten, wurde mir gesagt. Gut, dann wusste Sie ja genau, warum ich da war. Fehlanzeige! Ihr wurde nämlich gesagt, dass ich lediglich den Gedanken hätte eine Ausbildung zu machen, aber mein Vermittler es sich nicht vorstellen könnte, wie ich das mit den Kindern unter einen Hut bekommen möchte und Sie sich eigentlich schon dafür entschieden hatte, es nicht darauf ankommen zu lassen mich in eine geförderte Ausblidung zu stecken.
Nach langen Gesprächen mit ihr (und im Nachhinein war sie wirklich super nett) konnte ich sie überzeugen, dass es keine 0-8-15 Idee war, sondern es mir wirklich ernst damit war und ich auch alles schon gut geplant hatte.

O.k., also wurde es wieder meinem Vermittler mitgeteilt, dass ich mich jetzt bei zwei Bildungsträgern bewerben sollte und er mir die Adressen geben soll.
Also gleich nach dem Gespräch zu dem Herren gefahren, wo die Adressen schon bereit lagen. Beim überreichen fragte ich Ihn: “Haben Sie mit einem der Beiden bessere Erfahrungen gemacht?” Von ihm kam: “Na erstmal bewerben Sie sich und sollten Sie wirklich ein Vorstellungsgespräch bekommen, müssen Sie die Leute auch überzeugen!” Sehr motivierend!
Bewerbungen losgeschickt, erste Einladung nach zwei Wochen im Kasten gehabt. Dort also hin, mich mit zwei Herren unterhalten und sofort eine Zusage bekommen. Eine Woche später die Einladung vom zweiten Bildungsträger, dort also auch hin und mich mit einer jüngeren Dame unterhalten, zwei Tage später eine Zusage per Telefon. Vielleicht war es kindisch, aber ich war so glücklich, dass ich mit diesen Antworten zu meinem Vermittler gefahren bin, hoch zu ihm und dann: “So, ich kann mich jetzt zwischen den Beiden enscheiden. Welchen würden Sie bevorzugen?” Für sein Gesicht bin ich gerne die Stunde gefahren =)
Antworten bekam ich natürlich keine,aber egal.
Die suche nach einem Praktikumsbetrieb für die drei Jahre war schwerer als gedacht, da die meisten Firmen schon ihre Azubis hatten und somit kein Platz mehr war (Bürokauffrau). Nach wochenlangen suchen fand sich nichts und ich musste mich entscheiden zwischen keine Ausbildung, oder der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau. Na ja, hab mich natürlich für die Ausbildung entschieden.

So, jetzt gehts eigentlich erst los mit dem, was für mich irgendwie immer noch unbegreiflich ist.
Es war ja alles sehr kurzfristig, also konnte ich mir den Antrag auf BAB erst zwei Wochen vor Beginn der Ausbildung holen. Ich habe alle Formulare sofort abgeschickt und bei Beginn der Ausbildung alles zusammen gehabt und sofort eingereicht.
Was mir niemand sagte: mit Ausbildungsbeginn hatte ich keinen Anspruch mehr auf Alg2 (ich dachte zumindest, dass es noch einen Monat gezahlt wird, um den irgendwie zu überbrücken). Ich bekam lediglich noch ein paar Euro für die Kinder. Gleichzeitig fielen die Kita-Gebühren vom Jugendamt weg, weil ich das ja übers BAB bekommen würde.
O.k….der Monat war hart, aber wie bekamen es hin. Ich hatte ja nun auch noch Fahrtkosten zur Arbeit, eine höhere Summe für die Betreuung der Kids+Hort für den Großen. Ich dachte nicht, dass sich das mit dem BAB so ewig lange ziehen würde, aber so kam es. Im Oktober begann ich die Ausbildung, im Dezember hatte ich noch keinen Bescheid. Ich rief mehrmals an, wurde immer wieder abgespeist und bekam ständig Post, dass etwas fehlen würde. Was Quatsch war und ich somit einiges doppelt und dreifach einreichte.
Mit unserem Vermieter vereinbarte ich schon im November, dass wir die Miete für drei Monate aussetzen können, bis der Beischeid da ist (würde ja nachgezahlt werden)….alles andere konnten wir gerade noch so zahlen, einiges nur noch zum Teil und mehr als Nahrung war nicht drin…und das über Monate.
Ich rief unzählige Male dort an, fuhr hin und wurde nur zu irgendeiner Sachbearbeiterin geschickt, die mir dann wieder sagte “ist noch nicht bearbeitet”…toll. Mitlerweile ging es auch schon um den Kindergarten, weil wir da nur dreiviertel der Beiträge zahlen konnten. Aber dann kam der Hammer:
Auf Abeit brachte mir unser Vermieter die fristlose Kündigung der Wohnung, weil wir mitlerweile schon Mitte Februar hatten und er nicht mehr warten konnte. Nachvollziehbar….
Heulend hab ich mich mit dem Brief in der Hand sofort zur Arge aufgemacht. Es ging nicht nur um meine Ausbildung, sondern vorallem um unsere Wohnung.
Ich kam nach langer Diskussion, dass man einen Termin bräuchte, doch zu einer Fallmanagerin. Ich erklärte ihr alles, rechnete ihr vor, wie wir unser Geld verwenden und uns so viel fehlt, dass es nicht für die Miete reichen würde. Sie hat das eingesehen und konnte es nachvollziehen. Ich bat lediglich um eine vorrübergehende Kostenübernahme, damit wir nicht auf der Straße sitzen…sie könne es nicht entscheiden, also bei der Chefin angerufen. Mit der Dame bin ich schon mal aneinander geraten, weil sie wirklich unverschämt wurde (und ich bin niemand mit dem man nicht vernünftig reden kann!!!)
“Nein, wir übernehmen nichts! Dann muss Frau X eben lernen, besser mit ihrem Geld zu haushalten. Alle anderen müssen das auch! Wenn sie keine Wohnung mehr hat, muss sie eben wieder kommen und dann müssen wir ihr eben bei der Suche helfen!” Ich war völlig vor den Kopf gestoßen. Ich ging nun schon seit fünf!!! Monaten für 160€ im Monat arbeiten, wollte arbeiten und bekam keine Hilfe? Ich würde Hilfe bekommen, wenn ich auf der Straße sitze, aber nicht jetzt, wo man es verhindern konnte???
Die Dame telefonierte noch mit unserem Vermieter, was nichts ergab und mit der BAB Stelle, kam da genau so weit wie ich.
Die Dame erzähle noch, dass sie wohl viele Lehrlinge hätten, die genau aus diesem Grund ihre Lehre schmeißen würden und wieder beim Amt antanzen, weil sie kein Geld mehr hätten. Die Arge könnte Problemlos mit der Bab Stelle zusammen arbeiten, aber das wird aus Gründen, die sie selber nicht wusste, wohl auch in naher Zukunft nicht passieren. Sie hat mir noch viel Glück gewünscht und das war es dann!
Ich hatte also endlich meine Ausbildung, aber bald kein Dach mehr über den Kopf und einen haufen Schulden.

Einen Tag später bin ich wieder zur Bab Stelle, bin dort sitzen geblieben, bis ich mit jemandem vernünftigen sprechen konnte. Dort wurde mir mitgeteilt, dass scheinbar immer noch etwas fehlen würde, was nach langen Diskussionen und akteneinsicht wieder auffindbar war.
Eine Woche später bekam ich endlich meinen Bescheid….

Viele werden sich fragen, warum ich so lange gewartet habe. Hab ich nicht! Ich weiß nicht wie oft ich angerufen habe, dort war und nie jemanden zu Gesicht bekam, der mir helfen wollte/konnte.

Zu unserer Arge: Das ist der letzte Haufen! An der Abmeldung sitzt eine Dame, die dich erstmal von oben bis unten “scannt” und genau so ansieht…dann bekommst du sofort den “Assi”-Stempel auf die Stirn. Unfreundlich ist für diese ältere Person weit untertrieben. In der Leistungsabteilung weiß der eine nichts vom anderen! Niemand kann dir genau sagen, wie etwas berechnet wird, oder wie diese Berechnungen zustande kommen….! Ich habe vollstes Verständnis, dass einige Fälle vielleicht schwierig sind, oder einige Bezieher nicht einfach, aber wie man dort mit den Menschen umgeht, ist einfach eine Sauerei! Unverschämt, arrogant und von Oben herab.

In einigen Monaten bin ich mit meiner Ausbildung fertig in einem Beruf, in dem ich keine Chancen habe…aber ich habe wenigstens was in der Tasche!
Ich hoffe wirklich, dass ich nichts mehr mit diesen Leuten zu tun bekommen!!!
Sowas ist menschenunwürdig!

— Donnerstag, 10. November 2011 —

Frechheit: ARGE entscheidet über Zeiten der eigenen Kinder im Kiga [ Ein Kommentar ]

Ich begab mich zur ARGE, auf die Einladung hin, die mir geschickt worden ist. Meine Sachbearbeiterin saß vor mir und hatte eine Maßnahme für mich rausgesucht. Zu der Zeit war meine Tochter noch im Kindergarten und hatte keine Vollzeitbetreuung, da alle Plätze besetzt waren. Ich ging zur Maßnahme hin und die erste Frechheit, die ich von unserer Maßnahmeleitung erfahren habe, war: Es gibt kein Urlaub für Maßnahmeteilnehmer.
Schon war ich am überlegen, wie ich die Weihnachtsferien und die Sommerferien in der Kita überbrücke. Nachdem ich keine Anlaufstelle für meine Tochter hatte, da auch Tagesmütter für das Jahr schon ausgebucht waren, ging ich das erste Mal mit dem Anwalt gegen die ARGE und der Maßnahmeleitung vor. Gebracht hat es leider nicht viel. Wir wurden dann alle in Praktikums gesteckt, egal ob wir dieses Praktikum absolvieren wollten oder nicht. Jeden Dienstag war Praktikantentreffen von der Maßnahme aus. Genau die Zeit, wo ich meine Tochter gerade in die Kita hinbringen konnte und abholen musste. Denn der Weg zur Maßnahme, dauerte eine halbe Stunde lang.

Die Dreistigkeit

Während meiner Praktikumszeit hat die ARGE in der Kita angerufen und die Stunden für meine Tochter einfach bis nachmittags gesetzt. Sie sollte ab sofort bis 14:15 in die Kita gehen. Nachdem ich das zurückgesetzt hatte, habe ich zu Hause meinen Anwalt konsultiert. Am nächsten Tag bin ich in die Kita gegangen und habe der Leitung offiziell gesagt: Sämtliche Informationen über meine Tochter nicht an die ARGE weitergeleitet werden.

Die Konsequenzen

Mir wurde eine 100-%-Kürzung vom ALG II eingereicht, wobei sie das Geld meiner Tochter mitberechneten. Drei Monate lang habe ich nur noch 160 Euro bekommen für mich und meine Tochter. Dass dies reine Schikane und vor allem Willkür war, war dem Sozialgericht zum Glück offenkundig und habe somit mein Geld als Nachzahlung wieder bekommen.

— Freitag, 6. November 2009 —

Dank Praktikum verbesserte Chancen am allgemeinen Arbeitsmarkt für Hartz-IV-Empfänger? [ 2 Kommentare ]

Einsatz zeigen und auch mal die Initiative ergreifen. Dies und natürlich noch vieles mehr fordert bekanntlich die Bundesagentur für Arbeit von ihren "Kunden". Dabei ist in diesem Zusammenhang insbesondere von den Langzeitarbeitslosen die Rede. Ein Betriebspraktikum beispielsweise bietet sich da doch geradezu an. Untersuchungen zufolge sollen sie die Chancen auf einen beruflichen Neustart gravierend erhöhen. Oder ist eine solche Verfahrensweise womöglich einfach auch nur ein "Mittel zum Zweck" für die Jobcenter und all' die Arbeitsagenturen hierzulande, um die Statistiken auf findige, aber möglichst unauffällige Weise zu beschönigen? Nein. Niemals. Ganz bestimmt nicht.

 

Wie erst kürzlich das IAB, das renommierte Institut für Arbeitsmarktforschung anhand einer Studie ermittelt hatte, steigen mithilfe solcher Praktika die Chancen für Arbeitslose um mehr als 21 Prozent. Im Gegensatz dazu erhöhen die angebotenen Weiterbildungs- und Förderungsmaßnahmen schulischer Art die Möglichkeiten, einen festen Arbeitsplatz zu erhalten, nurmehr um schlappe vier Prozent. Eine weitere Erkenntnis gewannen die Experten, die sich mit dieser Untersuchung befassten, übrigens ebenfalls.

 

Wer hätte das gedacht: Bewerbungstrainings, wie sie seitens der Arbeitsagenturen èn masse angeboten würden, seien mehr als ineffektiv. Ach?!


http://www.welt.de/wirtschaft/article5059094/Bewerbungstraining-fuer-Arbeitslose-bringt-nichts.html

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