— Archiv für den Tag „Nachbarn” —

— Dienstag, 27. Oktober 2009 —

Selbstbewusstsein, Suppenküche – und Sozialschmarotzer [ Keine Kommentare ]

Soziale Integration? Wohl kaum. Wer am Hartz-IV-Limit lebt, kann bekanntlich kaum sonderlich “große Sprünge” machen. Und gerät deshalb auf die Dauer auch im eigenen sozialen Umfeld nicht selten immer mehr ins Abseits. Nur ein Beispiel von vielen: die “klassische” Durchschnittsfamilie mit zwei Kindern unternimmt – so kennt man es zumindest aus der umliegenden Nachbarschaft – sonntags in der Regel etwas Schönes. Soll ja den familiären Zusammenhalt stärken. Und man will den Kindern schließlich etwas bieten. So ein Tag im Schwimmbad ist in der Tat immer wieder etwas ganz Besonderes. Oder ein Nachmittag im Zoo. Oder auf dem Ponyhof. Häufig unternimmt man solche Aktionen auch mit den Verwandten, lieben Freunden oder netten Bekannten. Sicherlich: den einen oder anderen Euro wird man im Rahmen dieser “Familien-Zusammenhalt-Aktionen” immer los, aber das “gehört ja auch dazu”. Stimmt. Das tut es. Zumindest in der gesellschaftlichen Schicht, die dem “gängigen Normalbild” entspricht….

Familien, in denen der “Hauptverdiener” hingegen Hartz-IV-Empfänger ist, gehören wohl eher nicht dazu. Sie können es sich wohl kaum leisten, mit einer befreundeten Familie einen netten, erlebnisreichen und vor allem abwechslungsreichen Sonntagnachmittag zu organisieren. Wie auch? Von einem Tagesbudget von rund drei Euro fuffzig?? Für die meisten ALG-II-Bezieher eine wahrlich sehr belastende Situation. Dabei ist in diesem Zusammenhang allerdings keineswegs die Rede von den Hartz-IV-Empfängern, die ohnehin das “Arbeiten nicht gerade erfunden haben” und die sich mit ihrer Situation “nur allzu gerne abgefunden” haben. Ist ja schließlich auch ganz nett, den ganzen Tag – natürlich nur hinter vorgehaltener Hand (!) – über diejenigen zu lachen, die liebend gern einen Job finden würden. Leben wie die “Made im Speck” und irgendwie immer noch weitere Wege und “Schlupflöcher” finden, bei denen es von staatlicher Seite her “was zu holen gibt”… Dabei denkt diese “Spezies” ganz einfach nicht darüber nach, dass auf diese Weise das Budget des deutschen Staates kontinuierlich weiter geschmälert wird, welches eigentlich ja für die wirklich Bedürftigen zur Verfügung stehen sollte. So haben eben alle ein bisschen weniger. Na und?! Wirklich eine äußerst “unkonventionelle” Denkweise, die an dieser Stelle wohl keinerlei Kommentierung mehr bedarf.

Aber lieber zurück zu den “wahren” Bedürftigen. Ist es nicht schon erniedrigend genug, überhaupt auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen zu sein? Geht es oftmals sogar schon soweit, dass die bereitgestellten Gelder nicht einmal mehr für das Nötigste zum Leben reichen; ist man letztlich vielleicht sogar noch aus lauter Not dazu gezwungen, noch einen Schritt weiter zu gehen…. Das Selbstwertgefühl lässt sich zwar nicht gänzlich ausschalten, aber irgendwie wird man den Gang zur Suppenküche (seelisch) dennoch auch noch verkraften, oder? Am besten, man geht dann dorthin, um die dringend benötigten Lebensmittel zu besorgen, während die netten Nachbarn von nebenan mit ihren Kindern im Zirkus den Affen, den Löwen oder den lustigen Clowns Beifall klatschen….

— Samstag, 23. Mai 2009 —

Denunziantentum [ Keine Kommentare ]

In der Stadt, in der ich lebe, da läuft so ein Kerl herum, der schreibt Falschparker auf. Es ist nicht sein Job, niemand bezahlt ihn dafür. Er tut es einfach so. Und da frage ich mich dann: Kann dieser Mann nicht Fußball spielen, Kreuzworträtsel lösen, in den Zoo marschieren, von mir aus auch 24 Stunden am Tag TV gucken? Muss er machen, was er macht? Falschparker aufschreiben? Er muss es wohl! Manche Menschen scheinen so gepolt zu sein, die können gar nicht anders. Auch als Hartz IV – Empfänger hat man es bisweilen mit solchen Menschen zu tun. Manchmal erkennt man sie sofort an ihrem argwöhnischen Blick, wenn man etwa von Hartz IV lebt und ein Päckchen bekommt. Ich kann mir gut die Fragen vorstellen, die da im Kopf herumschwirren: Was mag da drin sein? Hat er vielleicht etwas bei Neckermann, Otto, Wenz bestellt? Wovon bezahlt er das?

Belohnung fürs Denunzieren

Solche Menschen haben die feste Überzeugung, für die Gemeinschaft zu arbeiten, wenn sie Hartz IV – Empfänger denunzieren, die sie für Sozialschmarotzer halten. Im Oktober 2008 wurde über einen Verein in Brandenburg berichtet, der 1000€ Belohnung für alle Denunzianten ausgesetzt haben soll, falls durch deren Hinweise „Sozialbetrüger“ verurteilt werden. Gleichzeitig sollen Menschen dazu aufgefordert worden sein, Sozialbetrüger in einem Internetforum zu benennen. Da können dann also Hinz und Kunz angeben, dass ihre Nachbarn Hartz IV beziehen und den Staat betrügen. Einfach einmal so! Geht’s noch? Ich bin nicht grundsätzlich dagegen, dass gegen Menschen vorgegangen wird, die vielleicht Hartz IV beziehen, während sie sich ein Leben in Saus und Braus gönnen. Aber glaubt mir, Leute, diese Menschen, die so medienwirksam in Szene gesetzt werden, sind eine Minderheit. Im Allgemeinen schließen sich die Worte „Saus und Braus“ und „Hartz IV“ nämlich aus.

Ein Volk der Spione?

Die eigentliche Frage ist ja nicht, ob gegen Menschen vorgegangen werden soll, die wirklich Hartz IV beziehen, ohne berechtigt dazu zu sein. Die eigentliche Frage heißt: Möchten wir wirklich ein Volk der Spione und Denunzianten sein? Sollen wirklich Tausende von Hilfssheriffs ihre Nachbarn bespitzeln? Und schüren solche Aufrufe wie der des erwähnten Brandenburger Vereins nicht den Pauschalverdacht gegen alle Hartz IV – Empfänger? Wenn sie mich fragen: Ich glaube, das tun sie!