— Archiv für den Tag „Menschen zweiter Klasse” —

— Freitag, 14. Oktober 2011 —

Mal schauen ob Sie wiederkommen… [ Keine Kommentare ]

Seit mein Mann aus gesundheitlichen Gründen seinen Job aufgeben musste, erfuhren wir, was das heißt, Hartz4 Empfänger zu sein. Angefangen hat es schon bei der Antragstellung. Im Arbeitsamt angekommen, wandte er sich an seine Sachbearbeiterin. Diese überreichte ihm die Antragsformulare mit Worten: „ Mal schauen ob Sie wiederkommen. Die Anträge, samt den Forderungen und Auflagen seien schon so gestrickt, dass die meisten aufgeben, sie müssen schließlich schauen, dass viele die Anträge schon gar nicht einreichen.“

Nun ja, das Antragsformular, welches das gesamte Leben eines Menschen zum Vorschein brachte, einschließlich sämtlicher Ersparnissen, die nachweislich aufgebraucht werden mussten – bevor der Antrag überhaupt gestellt werden kann, enthielt auch zusätzliche Voraussetzungen, die zu erfüllen galten.

Zum einen, was mich persönlich hart traf, musste, neben den Kontoauszügen und Sparverträgen meines Mannes und das über Jahre rückwirkend, auch mein finanzielles Dasein – unabhängig davon ob ich Antrag stelle oder nicht, offenlegen. Auch die Sparbücher unserer Kinder mussten dran glauben. Zudem mussten wir uns verpflichten, auch ich, über jegliche Änderungen in unserem Leben die Agentur für Arbeit unverzüglich in Kenntnis zu setzen. Ob es nun ein Ausflug, welches sich über mehrere Tage erstreckt, Krankheit oder Urlaub ist – wobei Urlaub von der Agentur für Arbeit genehmigt werden muss, sonst drohen Sanktionen.

Also gegen gewisse Anforderungen und Forderungen habe ich nichts, doch bei der Agentur für Arbeit, könnte sich ein Gefühl „Menschen zweiter Klasse“ entwickeln. Da glaube ich, dass es im Gefängnis lockerer zugeht, was Auflagen angeht.

Nun ja, das Ende vom Lied war, dass wir den Antrag nicht abgegeben haben, denn ein bisschen Anspruch auf Entscheidungsfreiheit haben wir doch.