— Archiv für den Tag „Kinder” —

— Mittwoch, 15. Juli 2009 —

Kann ein Kind von dem Hartz IV – Regelsatz ernährt werden? [ Keine Kommentare ]

OK, OK, die Regelsätze bei Hartz IV wurden erhöht und man soll sich ja nicht beklagen, nicht wahr? Man soll Hartz IV – Empfängern ja nicht nachsagen, sie wären irgendwie unverschämt und würden gerne in Saus und Braus auf Kosten des Staates leben. Aber vielleicht muss man doch noch einmal über Hartz IV, Kinder und Ernährung sprechen? Zum Thema „Ernährung für Hartz IV – Empfänger“ hatte ja bereits der damalige Finanzsenator Berlins Thilo Sarrazin ganz hervorragende Ideen (für die, die es gerade nicht merken, ich neige bisweilen zur Ironie!). Der Mann bastelte 2008 einen Speiseplan für Hartz IV – Empfänger, mit dem die bestens genährt durch den Tag kommen sollten. Die Zeitung „Welt“ war damals so frei, den Speiseplan des Herrn Sarrazin zu testen. Sie kam letztlich zur Überzeugung, dass die Sache doch nicht so ganz funktioniert, wie Herr Sarrazin es gerne gehabt hätte. Nein, ich plädiere hier keineswegs für „Kaviar für alle“. Es geht einfach um eine halbwegs vernünftige Ernährung!

Hartz IV – Kinder und das tägliche Brot

Die Sache wird noch etwas extremer, wenn es um Kinder geht. Für Kinder gibt’s weniger Geld. Klar: Kinder essen meistens auch weniger. Aber sie sollten die richtigen Sachen essen, sie sind die Zukunft des Landes, sie sollen einmal eure Rente bezahlen, wenn es dann noch Rente gibt. Zur möglichen Ernährung von Kindern bei Bezug von Hartz IV – Geld gab es 2007 eine nette Studie der Bonner Universität. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) kam laut eines Focus-Artikels zum Schluss, dass Kinder von Hartz IV-Empfängern nicht an Hunger leiden müssen. Das ist doch schon einmal etwas! Für eine gesunde Ernährung reiche das Geld aber auch nicht. Gesunde Ernährung? Was denn noch alles? Anderswo sterben Kinder an Unterernährung. Stimmt! Aber ich darf nochmals wiederholen, dass ich von solchen „Argumenten“ wenig halte. Wie wenig ein Kind auch zum Essen haben mag, wie schädlich das Zeug auch eventuell ist, was es isst: Es wird sich immer ein Kind finden, dem es noch schlechter geht. Da stets mit dem Finger hinzuzeigen und auszurufen „Hey, deinen Kindern geht es doch gut, schau dir diese oder jene Kinder an“, halte ich für leicht bis mittelschwer zynisch.

Erhöhte Regelsätze und alles ist gut?

Und nun haben wir also die Erhöhung der Regelsätze. Jetzt ist alles gut? Den Erwachsenen geht’s gut, den Kindern auch! Wirklich? Das Deutsche Kinderhilfswerk sah das im Februar 2009 anders. Da bleibt wohl noch etwas Diskussionsbedarf.
 

— Mittwoch, 10. Juni 2009 —

Ein paar Worte an einen Bundesbankvorstand [ Keine Kommentare ]

Wenn man irgendwo neu anfängt, muss man sich erst einmal profilieren. Man kennt das ja. Man grinst freundlich, hält dem Chef die Türe auf oder bringt ein paar forsche Thesen. Thilo Sarrazin ist jüngst Bundesbank-Vorstand geworden, war zuvor Finanzsenator in Berlin und findet, dass Hartz IV – Empfänger es gerne warm haben. Das ist solch eine forsche These. Und das ist ja erst einmal in Ordnung so! Viele Menschen haben es gerne warm. Südsee oder Südpol? Wählen Sie jetzt! Ich ganz persönlich würde mich für die etwas wärmere Region entscheiden. Sie auch? Thilo Sarrazin findet allerdings auch, dass es Hartz IV – Empfänger gerne zu warm haben. Sie würden, so sagt er, oftmals zuviel Energie verbrauchen, weil sie die Temperatur mit dem Fenster regeln und oft Zuhause seien. Genau! Dann nehmen wir die Mißfelder-Äußerungen noch dazu, dass höhere Hartz IV – Leistungen ein Anschub für die Tabak und die Alkoholindustrie bedeuten und was haben wir dann? Einen Hartz IV – Empfänger, der bei voll aufgedrehter Heizung und weit geöffneten Fenstern 24 Stunden am Tag daheim herumsitzt, um Zigaretten zu rauchen und Bier zu saufen. Ist das ein nettes Bild? Nein! Ist das ein realistisches Bild? Auch nein! Wie nannte Ver.di-Landeschef Wolfgang Rose die Worte von Herrn Sarrazin? „Asoziales Gequatsche!“ (Ich hab’s nicht gesagt!) Lassen wir das doch einfach unkommentiert stehen.

Kinder machen reich!?

Wo Herr Sarrazin einmal dabei war, machte er gleich weiter. Das Sozialsystem müsse so geändert werden, dass sich durch Kinder nicht der Lebensstandard verbessern lässt. Das Ganze würde seiner Meinung nach dazu dienen, dass Frauen, die "nicht das Umfeld" oder "die persönlichen Eigenschaften"  besitzen, um Kinder zu bekommen, keine Kinder bekommen. Nun gibt es mit Sicherheit Eltern, die besser keine Kinder bekommen hätten, die findet man aber durchaus auch in wohlhabenden Schichten! Und das mit dem verbesserten Lebensstandard? Mal ehrlich, Herr Sarrazin, das ist doch ein Witz oder? Man verbessert also mit Kindern seinen Lebensstandard, ja? Klasse, dann werde ich ab jetzt keine Arbeit mehr suchen. Ich werde mich nur noch um die Produktion von Nachwuchs kümmern, bis ich reich bin. Kinder sind klasse, ganz ehrlich, aber Kinder kosten! Und sie kosten weitaus mehr, als man bekommt. Um noch eins draufzusetzen, sprach sich Sarrazin übrigens jüngst dann auch gleich noch gegen die Rentenerhöhung zum ersten Juli aus. Die Renten müssen sinken, sagt der Mann. Seine vielleicht?
 

— Samstag, 30. Mai 2009 —

Vollzeitjob statt Mutterpflichten? [ Keine Kommentare ]

Wenn man hier und da mit der ARGE zu tun hat, weil man sich nun einmal zwar bemüht um Arbeit, allerdings keine findet, dann trifft man häufiger auf andere Leute, die ebenfalls mit der ARGE zu tun haben, und bekommt so manche Geschichte präsentiert. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gehöre ich zu den Menschen, denen nachgesagt wird, gut zuhören zu können. Vielleicht erzählen mir ja gerade deshalb auch Menschen, die ich kaum kenne, die ich auf den Fluren der ARGE treffe, ihre Geschichte? Gleichzeitig schaue ich mir Berichte in den Hartz IV – Foren an, lese aufmerksam und bin teilweise entsetzt. Wahrscheinlich könnte ich bereits ein Buch veröffentlichen und es wäre wohl ein Buch voller trauriger und teilweise absurder Geschichten, über die man lachen könnte, wenn sie nicht menschliche Schicksale berühren würden.

Druck auf Alleinerziehende

Ich habe von einer Frau mit einem schwer behinderten Kind gelesen, die zu einem Ein-Euro-Job verdonnert werden sollte. Und von einer anderen Frau, ebenfalls mit einem schwer behindertem Kind, der die finanziellen Leistungen wegen Arbeitsverweigerung um 30% gekürzt wurden, obwohl die Frau bereits einen Zusammenbruch aufgrund von Überlastung erlebt hatte. Ich glaube ja nach wie vor, dass manch ein ARGE-Mitarbeiter in einer Welt aus Zuckerguss lebt, in der nur wirklich Faule keinen Job bekommen und die Welt für alle anderen eine Quelle ewiger Freude ist. Warum lässt man oben beschriebene Frauen nicht einfach in Ruhe? Ist es wirklich so unverständlich, dass die Betreuung eines behinderten Kindes Arbeit bedeutet, die einen an den Rand der Erschöpfung oder darüber hinaus bringen kann? Leistet solch eine Frau nicht bereits genug, nicht nur für sich selbst und ihr Umfeld, sondern auch für die Gemeinschaft? Die hier geschilderten Fälle mögen Extremfälle sein und man sollte sich nicht darauf versteifen, anhand dieser Fälle pauschal Mitarbeiter der ARGE abzuurteilen. Aber bei einigen hat man schon irgendwie das Gefühl, sie können sich nur schlecht bis gar nicht in die Lebensumstände anderer Menschen hineinversetzen, beispielsweise in die von Alleinerziehenden. Und dann fragt man sich, ob nicht genau das eins der Auswahlkriterien bei ARGE-Mitarbeitern sein sollte: sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. Man gewinnt das Gefühl, hier schiele jemand einzig nach erfolgreicher Vermittlerquote, nicht nach den Personen, die hinter den nüchternen Zahlen stehen. Vollzeitjob statt Mutterpflichten, damit die Quote stimmt?

Alleinerziehend, abhängig von Hartz IV, keine Perspektive

Wer sich dafür interessiert, wie der Alltag einer allein erziehenden und von Hartz IV lebenden Frau ausschaut, mag sich den hier verlinkten Artikel auf dem Infoportal „Der Westen“ ansehen. Die Aussichten, irgendwann auf Hartz IV verzichten zu können, sind im dargestellten Fall gering. Mit ihrer Lehre im Einzelhandel bekäme die Frau den Unterhalt für sich und ihre Kinder selbst dann nicht zusammen, wenn sie in Vollzeit arbeiten würde. Der leibliche Vater kann aufgrund seiner eigenen finanziellen Lage nur mit einem relativ geringen Betrag einspringen. Umschulungen für die Frau wären wiederum nur in Vollzeit möglich, was sich derzeit für die alleinerziehende Mutter nicht realisieren ließe. Eine Falle? Irgendwie schon.
 

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