— Archiv für den Tag „Hartz IV” —
— Freitag, 4. Dezember 2009 —
"Alle Jahre wieder…" – so auch jetzt steht sie wieder einmal bevor, die Zeit der "akuten Geldnot". Weihnachten, das Fest der Liebe und der Geschenke ist aus diesem Grund leider für sehr viele Menschen eine Zeit, die nach Möglichkeit ersatzlos aus dem Kalender gestrichen werden könnte. Eine wahrlich sehr harte Aussage, aber nichtsdestotrotz auch zutreffend. Denn es ist in der Tat kein "Zuckerschlecken" mit den ohnehin sehr niedrigen Hartz-IV-Bezügen auszukommen; erst recht nicht, wenn von den ohnehin sehr bescheidenen Mitteln auch noch Geschenke, Lebensmittel oder vielleicht sogar noch ein bisschen Weihnachtsdekoration gekauft werden müssen…. Alle reden von der "besinnlichen Vorweihnachtszeit", von den angeblich "schönsten Tagen des Jahres", von "trauter Idylle im Familienkreis, von "Friede, Freude, Eierkuchen". Schön wär's.
Wie Hartz-IV-Empfänger die Monate von Oktober bis Dezember oftmals empfinden, wenn sie beispielsweise nur vorbeigehen an all' den herrlich geschmückten Schaufenstern, aber dennoch die oft sündhaft teuren Waren nur von draußen bestaunen dürfen, können diejenigen, die vom Schicksal nicht so hart getroffen sind, wohl nur schwerlich nachvollziehen. Ein hartes Los, wenn die staatlichen Bezüge häufig genug vorne und hinten nicht ausreichen. Oft nicht einmal dazu, um das Nötigste zum Leben zu kaufen. Wie soll es da noch möglich sein, Geschenke für die Liebsten zu kaufen?
Ist es überhaupt realisierbar, von einem durchschnittlichen Monatseinkommen in Höhe von nurmehr 347 Euro zu leben? Wohl kaum. Da ist es natürlich nicht weiter verwunderlich, dass für viele arbeitslose Menschen die (Vor-)Weihnachtszeit zu einem echten Stapellauf wird. Gerade zu den Feiertagen besteht doch die Möglichkeit, liebe Verwandte zu besuchen, mit netten Freunden eine schöne, gemeinsame Zeit zu verbringen oder den Partner auf eine ganz besondere Weise zu überraschen. Aber all' diese nett gemeinten Vorhaben kosten Geld. Folglich sind Einfallsreichtum, Kreativität und eine Menge Phantasie gefragt…. Aber auch Sparsamkeit, ein hervorragendes Organisationstalent und viel, viel Disziplin.
Viele (Langzeit-)Arbeitslose versuchen oft das ganze Jahr hindurch, den einen oder anderen Euro beiseite zu legen, um so zumindest den Kindern oder dem Partner zum Fest ein (kleines) Geschenk überreichen zu können. Denke man in diesem Zusammenhang allerdings nur mal an die Kinder und Jugendlichen aus Hartz-IV-Familien, wenn es nach den Winterferien wieder in die Schule geht: alle Freunde und Klassenkameraden haben gerade in der ersten Zeit nichts anderes im Sinn, als von all' den Geschenken zu berichten, die unter'm Weihnachtsbaum lagen. Nicht selten wird in solchen Momenten das eine oder andere Kind einfach nur still, traurig und bedrückt. Natürlich verstehen die meisten jungen Menschen die Situation, in der sie bzw. ihre Familien sich befinden. Aber dennoch wäre es schön, auch mal "mithalten" zu können und von tollen Weihnachtsgeschenken zu berichten.
Wie schön wäre es, wenn Weihnachten für alle ein Fest der Liebe und der Besinnlichkeit werden könnte – und das Glück nicht nur vom zur Verfügung stehenden Einkommen abhängig wäre…
— Mittwoch, 2. Dezember 2009 —
Ist es womöglich wieder eine Taktik der Arbeitsagenturen, mit denen die deutschen Bürger mit "geschönten" Zahlen "ins Bockshorn gejagt" werden sollen? Dieses Mal ist es offenbar doch ein wenig anders, denn in der Tat sieht alles danach aus, als ob sich die allgemeine Situation am Arbeitsmarkt endlich ein wenig erholt hätte. Und das, obwohl üblicherweise gerade in der jetzigen, "düsteren" Jahreszeit mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu rechnen gewesen wäre.
So angespannt die allgemeine Wirtschaftslage auch noch immer sein mag, hierzulande konnte dennoch eine leichte Erholung am Arbeitsmarkt verzeichnet werden. Wie die neue Arbeitsministerin Ursula von der Leyen aktuell erklärte, seien im Monat November "lediglich" 3,215 Millionen Menschen ohne festen Job, was einer Quote von 7,6 Prozent entspricht. Anders ausgedrückt sind es etwa 13.000 Jobsuchende weniger, als noch im Monat Oktober.
Diese leichte Verbesserung sollte allerdings keineswegs als "Licht am Ende des Tunnels" bewertet werden, denn noch immer ist das "Tal der Tränen" nicht vollends durchschritten. Betrachtet man in diesem Zusammenhang zum Beispiel die Zahlen aus November 2008, so wird direkt deutlich, dass der "schöne Schein" wohl doch eher trügerisch scheint. Sage und schreibe 227.000 arbeitsuchende Menschen mehr, als dies noch im Vorjahr der Fall war. Ist das nicht vielleicht doch ein Grund zur Besorgnis?
Nichtsdestotrotz kann man durchaus schon jetzt die Behauptung aufstellen, dass die möglicherweise bevorstehenden Entlassungen bzw. die derzeit noch sehr "undurchsichtigen", wirtschaftlichen Gegebenheiten bei Karstadt, Quelle, Opel & Co. nicht gerade Mut machen. Insbesondere im Hinblick auf die folgenden Arbeitslosenstatistiken müssen sich die Damen und Herren Sachbearbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit wieder einmal eine ganze Menge einfallen lassen, um die nächsten Zahlen so "attraktiv" wie möglich erscheinen zu lassen. Schließlich soll doch zu keiner Zeit der Eindruck entstehen, bei der Bundesagentur für Arbeit würde nicht auch gearbeitet…!
http://de.news.yahoo.com/2/20091201/tbs-arbeitslosenzahl-im-november-erneut-f41e315.html
— Mittwoch, 25. November 2009 —
Wenn das Geld im Alter vorn und hinten nicht ausreicht, was dann? Nicht nur Hartz-IV-Empfänger können "ein Lied davon singen", sondern oftmals auch diejenigen, die in Lohn und Brot stehen. Unbekümmertheit, frei nach dem Motto: "Bis zu meiner Rente ist's eh' noch lang hin…" ist diesbezüglich der eine relevante Aspekt, die so genannte Lohnarmut der andere….
Fakt ist, dass Dumpinglöhne, so wie sie in zahlreichen deutschen Unternehmen leider noch immer gezahlt werden, in entscheidendem Maße zur Lohnarmut beitragen sowie in der Konsequenz über kurz oder lang auch zur Altersarmut führen. Denn wie sollte es Arbeitnehmern beispielsweise möglich sein, von Mini-Löhnen noch in die private Altersvorsorge zu investieren?
Wenn man den Statistiken Glauben schenkt, so hat sich die Zahl derer, die infolge all' der vorgenannten Missstände auch noch im Alter einen Job ausüben müssen, rapide erhöht. Tendenz weiterhin steigend. Überhaupt prognostizieren Experten in diesem Zusammenhang nichts Gutes, denn eines scheint bereits zum jetzigen Zeitpunkt sicher: es besteht durchaus die Gefahr, dass die so genannte Altersarmut hierzulande schon in wenigen Jahren zu einem umfassenden, sehr bedrohlichen Thema wird.
Noch bis vor kurzem waren zum größten Teil Frauen von der Altersarmut betroffen. Die Aspekte "Kindererziehung", "Haushalt" et cetera tragen natürlich in entscheidender Weise zu den häufig (starken) Einschnitten der Rentenbezüge bei. Mittlerweile allerdings scheint sich das Blatt zu wenden, denn auch immer mehr männliche Senioren arbeiten als Taxifahrer, als Aushilfen im Garten- und Landschaftsbau, als Zeitungsträger usw.
In jedem Fall bleibt einer derartig gravierenden Situation nur zu hoffen, dass man möglichst lange körperlich "fit" bleibt, um auch noch nach dem "offiziellen" Arbeitsleben einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Denn nur so ist es in vollem Umfang möglich, zumindest ansatzwese für einen adäquaten Lebensunterhalt Sorge zu tragen.
Armes Deutschland!
http://bertjensen.ch/erschreckende-entwicklung-immer-mehr-rentner-muessen-mini-jobs-annehmen/
— Montag, 23. November 2009 —
Noch vor wenigen Wochen waren im Zusammenhang mit dem geplanten Betreuungsgeld für Hartz-IV-Familien noch gänzlich andere Töne zu hören. Denn wie aktuell aus Berlin bekannt wurde, soll auf Wunsch von Bundeskanzlerin Merkel nun doch das Gutscheinsystem nicht eingeführt werden. Sicher ist in diesem Zusammenhang eines schon jetzt in jedem Fall: in Anbetracht der mehr als 320.000 zu betreuenden Kinder, die das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und für die das Betreuungsgeld gedacht ist, wäre durchaus – umgehend – Handlungsbedarf gefragt.
Eine entsprechende, finanzielle Unterstützung für betroffene Familien, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, sei zwar unbedingt gerechtfertigt, allerdings soll jeder individuell bestimmen können, wie die staatlichen Subventionen tatsächlich verwendet werden. Würden wie geplant die Betreuungsgutscheine eingeführt, so wäre es unter Umständen möglich, dass seitens der Familien der Eindruck erweckt werde, man wolle sie "kontrollieren" oder man würde ihnen den verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld nicht in vollem Umfang zutrauen. Und das sei natürlich in keiner Weise beabsichtigt.
Grundsätzlich steht jedoch schon jetzt fest, dass sich die Höhe des Betreuungsgeldes auf eine monatliche Summe von 150 Euro belaufen und ab dem Jahr 2013 ausgezahlt wird. All' jene Hartz-IV-Familien, die ihre unter dreijährigen Kinder zu Hause betreuen, dürfen mit dieser Zuwendung rechnen.
Immer wieder werden jedoch Stimmen laut, die eine verschärfte, diesbezügliche Kontrolle der Eltern fordern. Immer wieder sei schließlich in den Medien von vernachlässigten oder nur unzureichend versorgten Kindern zu hören. Auch das Klischee, Hartz-IV-Betroffene zögen es somit gegebenenfalls vor, von dem Geld Alkohol und Zigaretten zu erwerben, statt ihre Kinder in adäquater Weise zu versorgen und zu fördern, bekommt in diesem Zusammenhang wieder neue Nahrung….
— Montag, 16. November 2009 —
Was wohl die Regierung zu den neuen Plänen der Ifo sagt. Oder sollte man vielleicht schon jetzt die Frage stellen, wann die neuen Hartz-IV-Sparpläne denn tatsächlich in die Tat umgesetzt werden? Denn das Einsparen finanzieller Mittel auf Kosten Bedürftiger ist ja hierzulande recht beliebt….
Wie Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Institutes in München, aktuell in der "Financial Times Deutschland" bekanntgab, sei im Hinblick auf die derzeit geltenden Hartz-IV-Regelungen dringender Handlungsbedarf gefragt. Von einer Ost-West-Anpassung war in diesem Zusammenhang sogar die Rede. Grund für seinen Vorschlag war unter anderem die Tatsache, dass die Lebenshaltungskosten in Berlin in der Regel um ein Vielfaches höher seien, als die finanziellen Aufwendungen für Miete und Lebensmittel im Raum Hoyerswerda & Co.
Selbst auf die Frage, wie denn die eventuell "im Raum stehenden" Leistungseinschränkungen für Hartz-IV-Empfänger im Bereich "Ost" überhaupt noch kompensiert werden könnten, hatte Sinn prompt eine Antwort parat. Die Betroffenen hätten ihren "Lebensstil" zwar ihren bisherigen Hartz-IV-Einkünften angepasst und kämen unter anderem deshalb wohl auch kaum mit noch weniger Geld aus, aber in diesem Zusammenhang sollen – man höre und staune – verbesserte Hinuverdienstmöglichkeiten gewährleistet werden. Das Minus in der Haushaltskasse könne de facto am besten durch einen Job ausgeglichen werden.
Überhaupt schlage man auf diese Weise "zwei Fliegen mit einer Klappe": zum einen lasse sich die angestrebte Wiedereingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt viel leichter in die Tat umsetzen, wenn man einen solchen Schritt gehe, andererseits erreiche man dadurch gleichzeitig den erhofften Ausgleich der regionalen Lohnunterschiede.
Stellt sich allerdings noch eine Frage. Und zwar die, ob Herr Sinn bei seinen ehrgeizigen Plänen auch an die Alleinerziehenden oder an all' jene gedacht hat, denen es – aus welchen Gründen auch immer – nachweislich nicht möglich ist, zum gegenwärtigen Zeitpunkt einer geregelten Tätigkeit nachzugehen? Sollen diese Menschen künftig tatsächlich am Hungertuch nagen, nur weil die "regionalen Unterschiede" kompensiert werden müssen? Fakt ist doch, dass diese Betroffenen wohl kaum eine Chance haben, die "ach so attraktiv gestalteten Hinzuverdienstmöglichkeiten" ausschöpfen zu können. Armes Deutschland.
http://www.nealine.de/news/Soziales/sinn-fordert-regional-gestaffelte-hartz-iv-saetze-1937828686.html
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