— Archiv für den Tag „Hartz IV” —
— Sonntag, 26. Dezember 2010 —
Was muss es für ein Gefühl sein, in diesem Jahr Weihnachten zu feiern? Auf Hartz-IV-Niveau, so ganz ohne finanziellen Rückhalt? Wie schwer muss es für die Betroffenen schon vor Wochen gewesen sein, zu spüren, dass die Zeit der angeblichen Fröhlichkeit und Besinnlichkeit immer näher rückt? Und dabei schon im Vorfeld ganz genau zu wissen, dass man Freunden und Angehörigen in diesem Jahr wohl kaum etwas Schönes schenken können wird. Weil es die finanzielle Situation schlicht und einfach nicht zulässt. Ein Gefühl, das einem nicht nur gehörig die vorweihnachtliche Stimmung verderben kann, sondern darüber hinaus zugleich ein Aspekt, der einen unmerklich, aber dennoch "still und leise" mehr und mehr aufs gesellschaftliche Abstellgleis manövriert. Oh, du traurige Weihnachtszeit. Für viele Menschen aber die nackte Realität.
"Morgen, Kinder, wird's was geben" – hoffentlich!
Es heißt, die Zahl der Obdachlosen sei in diesem Jahr stark angestiegen. Vor allem junge Menschen sind von dieser Misere betroffen. Wie mag sich Weihnachten für all' diese Menschen anfühlen? Unter einer Brücke oder bestenfalls in einer kleinen Absteige eines Wohlfahrtsverbandes die Zeit zu verbringen, während man nicht weiß, wie der nächste Tag werden wird, ist wohl kaum das, was man sich im Allgemeinen unter einer fröhlichen Weihnacht vorstellt. Egal, ob man als Hartz-IV-Empfänger ein Dasein fristet oder ob man vielleicht sogar obdachlos ist: das Schlimme daran ist für viele Betroffene vor allem die Tatsache, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die sich Gedanken über diejenigen machen, die in solcher Armut leben müssen.
Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht…?
Ein armseliger Gedanke! Wenn man sich aber einmal umschaut, so hat das Weihnachtsfest für viele nur noch sehr wenig mit dem ursprünglichen Weihnachtszauber zu tun, den viele vielleicht noch aus Kindertagen kennen. Worin aber liegt der Sinn dieses angeblichen Festes der Liebe? Die Hauptsache ist oftmals, die Geschenke sind groß genug. Und genau da beginnt wiederum das Leid für die Armen und Bedürftigen. Alle Jahre wieder….
— Samstag, 18. Dezember 2010 —
Auf Hartz-IV-Niveau leben zu müssen ist für die meisten Menschen nicht selten gleichzusetzen mit einem schier unaufhaltsamen Weg in Richtung Isolation. Fakt ist, dass diese, unsere Gesellschaft immer härter und rücksichtsloser wird und armen, bedürftigen Menschen nur noch selten eine echte Chance auf ein "soziales" Leben bietet. Traurig, aber wahr. Besonders tragisch ist dies, zumal gerade in schlechten Zeiten das Bedürfnis an sozialer oder moralischer Unterstützung sehr groß ist. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass viele Hartz-IV-Empfänger, Obdachlose und andere bedürftige Menschen "auf den Hund kommen". Denn der ist bekanntlich der beste Freund des Menschen….
Ein "tierischer" Lebensinhalt
Eben dies ruft allerdings nicht selten auch den Unmut vieler Menschen hervor. Ein Hund bzw. ein Haustier im Allgemeinen kostet schließlich Geld. Es benötigt gegebenenfalls medizinische Hilfe und es will gehegt und gepflegt sein. Natürlich stellt sich somit die Frage, wie all' die damit verbundenen Kosten von den Hartz-IV-Zuwendungen gezahlt werden können. Eine Frage, die aber auch die Betroffenen selbst nur selten beantworten können. Fakt ist jedoch, dass ein Hund oft der einzige Bezugspunkt ist, den diese Menschen noch haben. Ohne diesen "tierischen" Lebensinhalt fällt das Bestehen im Alltag meist noch schwerer. Darum ist es fürwahr eine Zumutung, von ihnen zu verlangen, das geliebte Tier ins Tierheim zu geben….
Ein Herz für Mensch und Tier…
Wie gut, dass es Menschen gibt, die nicht so herzlos sind, wie all' diejenigen, die die finanziell weniger gut gestellten Menschen von Vornherein aufs gesellschaftliche Abstellgleis positionieren. Die Rede ist unter anderem auch von den Initiatoren so genannter Tier-Tafeln. Sie sammeln Futter- oder Geldspenden oder nehmen (tier-)medizinische Almosen entgegen. So haben bedürftige Tierhalter die Chance, ihrem vierbeinigen Begleiter ein würdigeres Dasein zu ermöglichen. Ein Beispiel, das Schule macht. Nicht nur in Berlin, sondern auch in Frankfurt, Bremen oder Mainz gibt es schon Tiertafeln oder ähnliche Organisationen. Wie heißt es schließlich in etwa in der Werbung: "Ist das Tier gesund, freut sich der Mensch…!"
— Sonntag, 5. Dezember 2010 —
Auf den ersten Blick scheinen Fastfood-Ketten und Hartz IV-Leistungsempfänger nur bedingt etwas miteinander zu tun zu haben. Schaut man aber einmal genauer hin, so verhält sich das Ganze doch ein wenig anders. Natürlich geht man immer mal wieder gern dorthin, um einen Burger, eine Pommes und eine Cola oder andere leckere Dinge zu essen. Aber dennoch würde sich der eine oder andere Hartz-IV-Empfänger wünschen, mit McDonald's und co. überhaupt nichts zu "tun" zu haben. Richtig, die Betonung liegt auf "tun"; die Rede ist also vom Arbeiten. Und genau da liegt – wieder einmal – das Problem….
Bleibt das Hartz-IV-Klischee auch weiterhin bestehen…?
Denn dass die renommierte Fastfood-Kette bereits seit mehreren Wochen mithilfe der Medien ein sehr intensives und zugleich auch höchst werbewirksames Job-Marketing betreibt, ist nicht zu übersehen. Im Zuge dessen erscheinen fast täglich immer neue Werbespots, in denen man freundliche, motivierte Mitarbeiter mit hohen Zielsetzungen sucht, und die im Gegenzug durchaus sogar mit attraktiven, beruflichen Perspektiven rechnen dürfen.
Arbeit? Nein, danke!
Die Macher von stern-TV schauten angesichts all' dessen einmal genauer hin. Soll heißen, es wurden unlängst (in enger Zusammenarbeit mit McDonald's) mit einhundert arbeitssuchenden Personen, die man vor der Agentur für Arbeit in Frankfurt am Main angetroffen hatte, Gespräche geführt. In diesem Zusammenhang wurde den Jobsuchenden einer von drei ausgeschriebenen, vielversprechenden Arbeitsplätzen in der Systemgastronomie angeboten, mit einem Stundenlohn von immerhin 7,35 Euro. Aber wie sollte es anders sein: nur eine einzige (!) der 100 Jobsuchenden war auch tatsächlich dazu bereit, diesen Job anzunehmen.
Wen wundert es da, dass es wohl auch in Zukunft nur schwerlich möglich sein wird, das Negativ-Image, das den meisten Langzeitarbeitslosen ja bekanntlich seit jeher anzuhaften scheint, auszumerzen und ein neues, besseres "Bild" zu "kreieren"? Da ist Eigeninitiative gefragt. Diesmal von Seiten der "Betroffenen" selbst. Denn nicht immer sind nur die "anderen" Schuld….
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