— Archiv für den Tag „Fallmanager” —

— Montag, 3. August 2009 —

Mutter mit 2 Kindern ohne Geld [ Ein Kommentar ]

Heute ist der 03.August 2009 und das  ALG II für mich und meine beiden minderjährigen Kinder ist noch immer nicht auf dem Konto.

Bei meinem heutigen Besuch, beim zuständigen Sachbearbeiter, wurde mir lapidar mitgeteilt, das der Regelsatz pünktlich für den 31.07.2009 überwiesen wurde und der Fehler wohl bei der Bank liegt. ( die Bank kann mir natürlich nicht weiterhelfen, was nicht bei ihnen ankommt, kann auch nicht ausgezahlt werden )

Kein Wort darüber was nun zu tun sei, kein Hilfeangebot wie ich meinen Kindern das Essen auf den Tisch bringen soll, rein gar nichts!

Die Stelle des Dienstgruppenleiters ist in unserer Zweigstelle nicht besetzt, so das ich auch keine Möglichkeit hatte mich  an höherer Stelle über das weitere Vorgehen  zu informieren und auch über die Hauptstelle werde ich nur immer wieder an meinen Sachbearbeiter verwiesen

Ich hab keine Ahnung was ich jetzt außer warten noch tun kann oder wo da eventuell Rechtsmittel greifen, damit ich meinen Regelsatz für diesen Monat doch noch erhalte.

— Montag, 20. April 2009 —

Arbeit finden mit Hilfe der Arbeitsagentur – so einfach geht das nicht [ Keine Kommentare ]

Der Arbeitsagentur ist offenbar nicht bekannt, dass Frauen nach der Geburt ihres Kindes nicht die Qualifikationen verloren gehen, die sie sich mit vielen Anstrengungen, privater Initiative und einer Menge finanzieller Investitionen erworben haben, um auch nach der Familiengründung nicht aus dem Arbeitsleben scheiden zu müssen. Fachoberschulreife, Ausbildung, Abendgymnasium und zwei Zusatzausbildungen auf eigene Kosten – nebenberuflich und in Abendform – danach Kind, soweit meine Karriere. 

Der erste Job nach der Geburt des Kindes fand statt in einem Call-Center, da die Geschäftsführungsassistenz mit Kind einfach nicht mehr realisierbar war. Kündigung seitens des Arbeitgebers wegen Erkrankung des Kindes – offiziell ohne Pflicht der Begründung, da noch in der Probezeit ausgesprochen. Mein – rechtzeitiges – Vorsprechen bei der Arbeitsagentur ergab die wenig qualifizierte Aussage des Mitarbeiters, dass es wohl klar sei, dass eine „Vermehrung“ die Karriere und die Vermittelbarkeit erheblich reduziere. Meine Aussage, dass hierzu eine Beschwerde an die Führungsetage gehe, wurde mit hochgezogenen Augenbrauen und der Frage „Haben Sie etwa Zeugen?“ quittiert.

Nun denn, drei Monate dauerte die Aktenverschiebung, in der die Entscheidung zwischen ALGI aufgrund ALGII erwogen wurde, weil einerseits die letzte Berufstätigkeit noch kurz genug zurücklag, um ALGI zu beziehen, andererseits mein Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt – trotz vorhandener Kinderbetreuung – in Zweifel gestellt wurde. Das hieß erst einmal eine Finanzierung des Lebens von Ersparnissen, Kindergeld und Erziehungsgeld. Und meine Anmahnung bei der Arbeitsagentur brachten genau die Aussage „Sie haben schließlich etwas Geld zum Leben oder haben sie nichts mehr zu essen für ihren Säugling?“ So weit so gut – die Entscheidung fiel in Richtung ALGII mit den Hinweis „Ihnen steht der Klageweg offen“ – sehr sinnvoll mit einem Säugling und auf Arbeitssuche.

Mehrfache Anrufe, Vorsprachen und Briefe an die Arbeitsagentur mit der Frage, wie es mit meiner weiteren Vermittlung ausschaue, wurden mit Antworten in folgender Richtung „Seien Sie doch froh, dass Sie Geld bekommen“ quittiert. „Andere würden uns nicht die Büros einrennen wegen Arbeit“ fand ich diskriminierend.

Nach langem Drängen durfte ich dann doch bis zu meiner Fallmanagerin vordringen, die meine Daten zum x-ten Male aufnahm und mit meinen drei Berufsausbildungen hinsichtlich der Eingabemaske völlig überfordert war. Zudem die Frage, wie viele „Anschläge“ ich denn als Geschäftsführungsassistentin aufweisen könne. Mein Hinweis, dass meine Tätigkeit in der Hauptsache in der Organisation, der Erstellung von Berichten für den Vorstand und der Mittlerarbeit zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung bestand, wurde mit Verwunderung aufgenommen und der Aussage „schließlich wisse man nicht so genau, was die Tätigkeit in der Geschäftsführungsassistenz für Tätigkeiten umfasse“. Sehr schön, soweit die Profile der Berufsbilder bei der Arbeitsagentur.

Nun gut, meine Vermittelbarkeit wurde nun neu bedingt durch eine „Überqualifizierung“ in Kombination mit einem Kind als Alleinerziehender gleich Null bewertet. Ich entschloss mich, ein Call-Center als Ein-Personen-Firma und auf selbständiger Basis aufzubauen. Die großen „Oh“ und „Ah“ der Arbeitsagentur irritierten mich inzwischen schon nicht mehr. Aber ob ich Fördergelder erhalte, darüber wollte man sich nicht so genau auslassen. „Fangen Sie erst einmal an, dann sehen wir mal weiter“ waren übliche Aussagen ohne Aussagekraft.

Meine weitere Frage ging in Richtung Krankenversicherung: Noch pflichtversichert über die Arbeitsagentur als finanziellem Leister oder aufgrund der Gewerbegründung freiwillig gesetzlich bzw. privat versichert? Und die Antwort der Arbeitsagentur wieder unqualifiziert: „Informieren Sie Ihre Krankenkasse doch einfach nicht. Meinen Sie, die bekommen das so schnell raus?“ war dann die letzte sachdienliche Information, die ich von meiner Fallmanagerin abholte.

Ich informierte die Arbeitsagentur mit dem Start des Call-Centers über diese Geschäftseröffnung, bekam sofort ab dem nächsten Monat keine Leistungen mehr, lediglich noch eine mehr oder weniger freundliche E-Mail meiner Fallmanagerin, man hätte diese Existenzgründung sicherlich auch gemeinsam qualifiziert vorbereiten können.

Aber: Es läuft auch ohne Arbeitsagentur!

— Donnerstag, 2. April 2009 —

Göttinger Sachbearbeiter spioniert Bettler aus und kürzt den Hartz 4 Bezug [ 2 Kommentare ]

BettlerGöttingen muss eine ziemlich langweilige Stadt sein. Ein Sachbearbeiter des Sozialamtes kann mit seiner Freizeit nichts besseres anfangen, als einen Hartz 4 Bezieher auszuspionieren. Der Hartz 4 Empfänger wurde von dem Sachbearbeiter im Januar 2009 zweimal bettelnd gesehen. Der korrekte Mitarbeiter zählte flugs das Geld in der Bettelschale und rechnete es auf den Monat hoch. Auf Grundlage dieser Schätzung erfolgte ein neuer Bescheid, welcher den Harzt 4 Bezug in den Folgemonaten um 120,- EUR kürzte. Nach erfolgtem Widerspruch lag die Kürzung noch bei monatlich 50,- EUR. Erst mit dem Eingreifen von Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) wurde der Bescheid aufgehoben und entsprechend korrigiert.

Den ausführlichen Bericht lesen!

Quelle: TAZ – Wegen Bettelns Stütze gekürzt
Foto: wrangler – Fotolia.com

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