— Archiv für den Tag „Empfänger” —

— Montag, 4. Mai 2009 —

Viele nette Menschen [ Ein Kommentar ]

Hartz IV Empfänger haben es in vielerlei Hinsicht schwer. Sie werden in fast allen Bereichen des Lebens auf ein Minimum reduziert und müssen Demütigungen, Bevormundung und Beleidigungen wegzustecken. In ihrem Leben geht es um nackte Zahlen, Bedarfsgemeinschaften und vor allem um Faulheit.

Jeder Hartz IV Empfänger ist grundsätzlich zu faul zum Arbeiten

Wäre er nicht so faul, würde er jetzt arbeiten und nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, eine sehr einfache Logik. Nach Ansicht der Mitarbeiter der ARGE sind Hartz IV Empfänger nicht nur faul, sie sind auch dumm. Dumme Menschen haben keine Ahnung von Gesetzen und deshalb kann man sie auch bei jeder Gelegenheit bedrohen. Eine Drohung klingt ungefähr so: „Wenn Sie hier falsche Angaben machen, dann kommt jemand zu Ihnen nach Hause und stellt Ihnen die Bude auf den Kopf. Dann werden wir ja sehen, ob Sie wirklich so bedürftig sind, wie Sie hier angeben!“

Weiterführende Schulen? Nein, danke!

Besonders schlimm wird die Situation für Hartz IV-Empfänger, die Kinder haben, denn Kinder gehören zu einer Bedarfsgemeinschaft und kosten somit vor allem Geld. Steht ein Kind beispielsweise kurz vor dem Abschluss der Hauptschule, dann steht für die Mitarbeiter der ARGE schon mal fest: das Kind geht in die Lehre, um die Haushaltskasse der Familie aufzufüllen. Der Einwand, das Kind habe aber eine Empfehlung für eine höhere Schule, wird vom Tisch gewischt. Nichts da, der Nachwuchs von Hartz IV-Empfängern gehört nicht aufs Gymnasium, der hat gefälligst arbeiten zu gehen.

Eltern die sich nicht einschüchtern lassen und darauf bestehen, dass ihr Kind das Abitur machen soll, müssen Zeugnisse vorlegen und jedes „ausreichend“ darin wird genüsslich kommentiert. Die Eltern, die kämpfen können und ihr Kind doch auf eine höhere Schule schicken, müssen nicht nur jede Drohung der Sachbearbeiter wegstecken können („Sie werden schon sehen, was Sie davon haben“), sondern auch viel Rückgrat beweisen.

— Freitag, 1. Mai 2009 —

Der alltägliche Wahnsinn mit den Formularen [ Keine Kommentare ]

Wie jede Behörde hat auch die ARGE eine Vorliebe für Formulare und Bescheide jeglicher Art. Es gibt Formulare in allen Farben, Formen und Variationen. Die meisten sind, wie zum Beispiel ein Formular des Finanzamtes, völlig verwirrend und unverständlich.

Die verzwackte Mitwirkungspflicht

Ausfüllen muss man diese Formulare aber immer, denn das fällt unter die so genannte „Mitwirkungspflicht“. Damit sich ein Hartz IV Empfänger nicht völlig nutzlos vorkommt, hat er die Pflicht, an seinem eigenen Schicksal aktiv mitzuwirken. Wenn alle Formulare nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt und unterschrieben sind, werden sie bei der ARGE eingereicht und dann geht es los. Beinahe täglich schickt die ARGE Korrekturwünsche und neue Bescheide, immer wieder landen neue Formulare mit neuen Forderungen im Briefkasten, irgendetwas ist immer falsch ausgefüllt.

Wenn dem ALG II-Empfänger irgendwann dann (verständlicherweise) der Kragen platzt und er sich die Frechheit erlaubt bei der ARGE anzurufen, wird ihm gesagt, dass der betreffende Mitarbeiter Herr X den Fall gar nicht mehr bearbeitet, sondern dies jetzt Herr Y mache und der sei gerade nicht im Hause. Kurz: Die linke Hand weiß nicht was die rechte gerade tut.

Bei fehlender Mitwirkung – Kürzung der Leistungen

Am nächsten Tag kommt wieder ein neuer Bescheid, diesmal von Frau Z. Wer nicht prompt reagiert, der wird auf seine „Mitwirkungspflicht“ hingewiesen und ihm wird eine Kürzung der Leistungen in Aussicht gestellt. Auch dem Geduldigsten und Ruhigsten geht bei diesem ewigen hin und her nach einer gewissen Zeit mal der Hut hoch und er marschiert mit viel Wut im Bauch zu seiner ARGE, um endlich mal für Klarheit zu sorgen. Von den zumeist unprofessionellen, inkompetenten und oft auch sehr frechen Sachbearbeitern und besonders Sachbearbeiterinnen, bekommt der hilflose Hartz IV Empfänger nur einen einzigen Rat: „Legen Sie doch Widerspruch ein.“ Diese werden in der Regel als „unbegründet“ zurückgewiesen. Laut zynischer Aussage der ARGE bleibt ja immer noch: „der Gang zum Sozialgericht“.

Auch hier gilt der Spruch: "Recht haben und recht bekommen sind zweierlei."