— Archiv für den Tag „DGB” —

— Donnerstag, 12. November 2009 —

DGB Studie klärt auf: Hartz IV Empfänger sind nicht dumm! [ Keine Kommentare ]

Womit der DGB seine Daseinsberechtigung noch begründet, fragen sich nicht nur viele Arbeitslosengeld zwei Empfänger. Seit Jahren sinkende Einkommen, Tarifverträge, die nichts mehr wert sind, Kündigungsschutz, der keiner mehr ist. Ein sogenannter DGB Arbeitsmarktexperte namens Wilhelm Adamy mahnt davor, die Hartz IV Empfänger alle über einen Kamm zu scheren. Man dürfe Hartz IV Empfänger „keinesfalls immer mit geringqualifizierten Langzeitarbeitslosen“ gleichsetzten. So Herr Adamy bei seiner „DGB-Sonderauswertung“ (Download der Statistik im PDF) der aktuellen Arbeitsmarktstatistik. Adamy, so macht es den Anschein, hat bisher wohl angenommen, Hartz IV Empfänger kommen in der Regel aus der Gosse – und verbleiben auch da. Eine ganz eigene Spezies also, nichts hoch gebildetes. Andererseits: Es gibt genügend Studien, die man sich einfach sparen kann. Diese gehört zweifelsohne dazu.

 

Die Diskriminierungsphase, dass man Menschen, die von Arbeitslosengeld oder Leistungen vom Sozialamt leben müssen, als arbeitsfaul oder asozial abstempelt, glaubte man doch endlich überwunden zu haben. Nun kommt so ein ganz Schlauer ausgerechnet vom DGB daher und macht Kaffeesatz-Lesungen aus Arbeitsmarktstatistiken. Jeder Hartz IV Empfänger hätte einem Vertreter der Gewerkschaft noch vor einigen Jahren mehr zugetraut als derartig niveauloses Palaver. Irgendwie muss wohl auch der Herr Adamy seine garantiert gut bezahlte Arbeitszeit beim DGB mit irgendwelchen Tätigkeiten ausfüllen. Vielleicht plagt ihn ansonsten das schlechte Gewissen? Denn viel zu tun scheint die Gewerkschaft zurzeit nicht zu haben. Ein bisschen Gemecker auf die neue Regierung hier, ein bisschen Statistiken studieren da – fertig ist der DGB.

 

Arbeitgeber sagen, wer als nächster Hartz IV bekommt, ohne wenn und aber. Wer nicht hören will, wird es spüren. Spätestens wenn man bereits ab 13. Monat von Arbeitslosengeld zwei lebt. Herr Adamy stellte jedenfalls fest, dass es von durchschnittlich 3,5 Millionen Arbeitslosen tatsächlich gut 200.000 Hartz IV Empfänger mit Abitur gibt. Über Sinn und Unsinn dieser Studie lässt sich also kräftig streiten – Fakt ist doch: Hier muss angesetzt werden, wozu auch der DGB aufgerufen ist! Neue Chancen am Arbeitsmarkt schaffen – das sollte die Folge solcher Studien sein; nicht die Verwunderung, dass sogar Abiturienten arbeitslos sind.

 

Quelle: http://bildungsklick.de/a/70358/gute-ausbildung-doch-kein-schutz-vor-arbeitslosigkeit/

 

— Montag, 30. März 2009 —

Hartz IV und Arbeitnehmer [ Keine Kommentare ]

Auch in Deutschland ist der Begriff "working poor" mittlerweile bekannt. Gemeint sind damit Arbeitende, die ihren Lebensunterhalt trotz Vollzeitarbeit nicht allein durch ihr Arbeitsentgelt bestreiten können. Solche Personen gehören zum Kreis derer, die in der Bundesrepublik Deutschland Arbeitslosengeld II beantragen können. Nach Informationen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) stellen sie aber den kleineren Teil derjenigen, die trotz bestehenden Arbeitsverhältnisses durch Hartz IV unterstützt werden.

Ein paar Zahlen vom IAB

Laut IAB erhalten 1,35 Millionen Menschen in Deutschland Arbeitslosengeld II, obwohl sie einer Voll- oder Teilzeitarbeit nachgehen. Sie werden vom Institut auch als Aufstocker bezeichnet. 50% dieser Aufstocker würden – so das IABs in seiner Pressemitteilung vom 26.01.2009 – weniger als 15 Stunden arbeiten, während nur etwa 20% mehr als 35 Stunden wöchentlich tätig sind. Kinderreichtum spielt scheinbar eher eine kleine Rolle, da nur 25% aller arbeitenden Hartz IV – Empfänger einem Haushalt mit mindestens zwei Kindern unter 25 Jahren angehören. Der Durchschnittsverdienst von Aufstockern liegt im Westen Deutschlands bei 7€ pro Stunde und im Osten bei 6€ Stundenlohn. Obwohl die so genannten "Working Poor" den geringeren Anteil an der Zahl der arbeitenden Hartz IV – Empfänger stellen, ist diese Gruppe nicht zu vernachlässigen: Etwa 5% der Vollzeitbeschäftigten in Deutschland werden ihr laut einer IAB-Mitteilung vom 15.01.2009 zugerechnet. Die Grenze zur Armutsgefährdung überschreiten all diejenigen, deren Nettoeinkommen unterhalb von 60% des Durchschnittseinkommens liegt. Konkrete Zahlen nannte das IAB für 2006: Demnach galt damals ein Nettoverdienst von 837€ monatlich bei Alleinstehenden als Armutsgrenze, für ein Paar mit zwei Kindern lag die Grenze insgesamt bei 1.758€ netto.

Diskussion um Mindestlöhne

Die ansteigende Zahl der so genannten Aufstocker sei auch darauf zurückzuführen, dass Unternehmen verstärkt Niedrigverdiener einstellen, da deren Einkommen ja durch den Staat aufgestockt werde und das Unternehmen weniger belaste. So formulierte es sinngemäß Wilhelm Adamy, DGB-Experte (Deutscher Gewerkschaftsbund) für den Arbeitsmarkt, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung Ende 2008.  Zitiert wird im Artikel eine weitere Studie des IAB, nach der jeder fünfte Betrieb bestätigte, dass arbeitslose Bewerber mittlerweile schlechtere Arbeits- und Lohnbedingungen akzeptieren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht anhand dieser Tendenzen seine Forderung nach Mindestlöhnen in verschiedenen Branchen gestärkt.

Einkommensrechner

In welcher Höhe Arbeitnehmer eventuell Anspruch auf Arbeitslosengeld II haben, lässt sich beispielsweise mit Hilfe eines Onlinerechners herausfinden, den das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf einer Internetseite anbietet. Vom Einkommen des Antragstellers werden etwa Freibeträge abgezogen, auch Unterhaltszahlungen werden angerechnet, sodass sich das anzurechnende Einkommen verringert.

Weiterführende Links

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zum Thema "Working Poor"

Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zum Thema Aufstocker