— Sonntag, 16. Januar 2011 —
Alles steht zum jetzigen Zeitpunkt noch in der Schwebe. Die Hoffnung bedürftiger Hartz-IV-Empfänger auf ein besseres Leben wird sich aber trotz der geplanten Gesetzesänderungen wohl nicht wirklich erfüllen. Zwar war in den vergangenen Tagen, Wochen und Monaten immer wieder die Rede davon, die Hartz-IV-Regelsätze zu erhöhen. Aber in diesem Zusammenhang ist gerade einmal ein Zuschlag von fünf Euro im Gespräch. Also so gut wie nichts; wieder nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Und handfeste, diesbezügliche Ergebnisse werden ohnehin erst für Anfang Februar erwartet.
Was bleibt, ist die Hoffnung
Was also bleibt einem angesichts dieser ungewissen Situation übrig, als auch weiterhin das – winzige – Fünkchen Hoffnung auf ein besseres Leben zu pflegen? Denn schließlich meint es Fortuna mit Langzeitarbeitslosen, Hartz-IV-Empfängern und Obdachlosen durchaus auch mal gut. Mit Bernd Wagner zum Beispiel, einem bis dato unbekannten Schriftsteller aus Berlin. Erst kürzlich "stürmte" er mit seinem Ratgeber "Berlin für Arme" die Bestseller-Listen. Es handelt sich dabei um eine gut gemachte Sparfibel, die zahlreiche Tipps und Kniffe für all' jene beinhaltet, die mit geringen, finanziellen Mitteln in Berlin (über-)leben und trotz etwaiger Geldsorgen ein möglichst angenehmes Dasein führen wollen.
Ein Obdachloser wird zum Star
Ein weiteres "Extrembeispiel" dafür, dass selbst Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, das große Los ziehen können, ist Ted Williams. Mehr als zehn Jahre lang zog er als Obdachloser durch die Straßen von Ohio. Bis er am 3. Januar auf der Straße einem Journalisten begegnete, der sein Leben von heute auf morgen verändert. Ein einfaches Pappschild, mit dem er für seine außergewöhnliche Stimmung warb, erweckte die Aufmerksamkeit des Reporters. Dieser veröffentlichte kurzerhand dessen Video bei Youtube. Mit dem Resultat, dass es bis heute mehr als 13 Millionen Mal aufgerufen und Ted Williams über Nacht zur bekannten Persönlichkeit wurde. Mit minimalem Einsatz Maximales erreichen – alles ist möglich!
— Samstag, 27. Juni 2009 —
Immer wieder höre ich Menschen davon reden, dass es eigentlich doch gar keine Armut in Deutschland gibt. Letztlich verhungert hier niemand, haben die meisten Menschen ein Dach über dem Kopf. Es gibt Initiativen wie die Tafeln, die Hilfe bieten. Weltweit hungerte im Jahr 2008 nach Angaben der Welthungerhilfe jeder siebte Mensch. In Deutschland ist es wohl nicht jeder Siebte, der hungert. Also sollen sich die Armen in Deutschland nicht so anstellen, es geht ihnen schließlich gut? Jein. Einerseits ist es ab und an vielleicht wirklich ganz gut, sich vor Augen zu führen, dass Armut in Deutschland dann vielleicht meistens doch noch erträglicher ist als in einer ganzen Reihe anderer Länder. Andererseits frage ich mich bei solchen Argumenten (euch geht’s doch gut!) immer wieder, was das soll? Da werden dann Arme in Deutschland mit Armen in Afrika verglichen und den Armen in Deutschland wird gesagt, dass eigentlich doch alles ganz in Ordnung für sie sei. Und bei denjenigen, die täglich zwei Schüsseln Reis fürs Essen haben, wird vielleicht auf die verwiesen, die nur eine Schüssel pro Tag besitzen. Die wiederum sollen ruhig sein, weil manch einer nicht einmal eine Schüssel Reis pro Tag sein eigen nennt. Man kann fast unendlich so weitermachen und Arme mit noch Ärmeren vergleichen und damit ruhig stellen. Euch geht’s doch gut!
Arm sein, arm bleiben?
„Es ist etwas faul in dieser Gesellschaft", sagte der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Hessen, Günter Woltering, in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Er empfand es als unglaublich schlimm, „dass es noch Armut gibt in Gegenden, wo Reichtum aus allen Knopflöchern quillt“. Und Bianca Heinz, die einen Verein für die Versorgung armer Kinder in Hessen organisiert, sah sich anfangs „überwältigt von der Armut in den Familien“. Nein, Dutzende Verhungernder gibt es in Deutschland (Gott sei Dank) tatsächlich nicht. Aber vielleicht eine ganze Reihe von Menschen, die aufgrund von viel zu wenig Geld nur sehr eingeschränkt an der Gesellschaft in Deutschland teilhaben können? Und vielleicht eine Reihe von jungen Menschen, die aufgrund von Armut auch nur bedingt die Chance haben, sich aus ihrer Situation zu befreien? Laut Armutsbericht geht die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinander. Gut beschrieben ist das etwa in einem Spiegel-Artikel vom Mai 2009. Vielleicht ist aber nicht Armut die größte Schande fürs Land? Vielleicht ist es die schlechte Chance, sich durch eigene Anstrengung aus der Armut zu befreien? Sollte nicht zumindest das in einem relativ reichen Land wie Deutschland gegeben sein? Sind nur so Fragen, die ich hier stelle!