— Archiv für den Tag „Bürokratie” —

— Mittwoch, 11. Januar 2012 —

Paradox ist, im Jobcenter Hilfe zu erwarten [ Ein Kommentar ]

Es gibt Dinge, die glaubt man nicht, wenn man sie nicht selbst erlebt hat. Das Lustige daran ist, dass andere Menschen einem diese Dinge ebenfalls nicht abnehmen. Doch leider ist es so, dass einem solche Dinge ganz schnell widerfahren können, wenn man sich mit den „Spitzenkräften“ der Jobcenter abgeben muss. Wenn man die Vorgehensweise dieser Arbeitsvermittler einmal näher betrachtet, dann fragt man sich allen Ernstes, warum diese Leute überhaupt bezahlt werden. Deren Aufgabe besteht doch eigentlich darin, dass sie den Arbeitslosen Stellen vermitteln, damit diese wieder aus der Statistik verschwinden. Ich habe leider eine andere Erfahrung machen müssen.

Wahnsinn, der Methode hat

Gleich bei meinem ersten Besuch beim Arbeitsvermittler habe ich eine Vereinbarung unterschreiben müssen. Darin wurde als wesentlichster Punkt festgehalten, dass ich mich um alles kümmern muss, damit ich wieder eine Arbeitsstelle bekomme. Sollte ich dies nicht tun, dann würden mir meine Leistungen gekürzt, die ohnehin schon recht dürftig sind. Also ich finde das ein starkes Stück. Wenn ich nicht die Arbeit des Vermittlers erledige, dann bekomme ich keine Leistung. Versuchen Sie das mal auf Arbeit umzusetzen. Sie sagen einem Kollegen, dass er Ihren Job erledigen soll, andernfalls bekommt er kein Gehalt.

Es lebe die deutsche Bürokratie

Da wird in unserem Staat immer davon gesprochen, dass keiner allein gelassen wird und man immer Hilfe erwarten kann. Wer sich auf diese Aussage verlässt, der ist verlassen. Nicht nur, dass man schon die Aufgaben der Arbeitsvermittler übernimmt, zu allem Überfluss suchen die Bediensteten im Jobcenter nach jeder Gelegenheit, um die Leistungen einzustellen. Wenn ich wieder mal arbeitslos werden sollte, dann werde ich mich für einen solchen Posten bewerben.

— Donnerstag, 22. Dezember 2011 —

Nur 24 Stunden arbeitslos und einen ganzen Tag Bürokratie [ Keine Kommentare ]

Nach 11 Jahren Selbstständigkeit, sah ich mich gezwungen, mein Unternehmen aufzugeben und beruflich neu umzusatteln. Hierfür beantragte ich eine Förderung des Landes Thüringen. Um Anspruch auf die Förderung zu haben, musste ich mich für 24 Stunden arbeitslos melden, damit ich eine Unterschrift bekomme, dass mir vom Arbeitsamt oder der Arge, kein Geld zu steht.

Spießrutenlauf in der Arge

Ich fuhr also auf die Arge in Erfurt und gleich bei meiner Anmeldung, machte ich Bekanntschaft mit grenzenloser Bürokratie und Unverständnis, sowie einem rüden Umgangston der Mitarbeiter. Da meine Geduld nach 2 Stunden Wartezeit aufgebraucht war, wies ich die Mitarbeiterin auf ihren Umgangston hin und erntete noch einen barschen Umgangston, in dem sie mir mitteilte, ich solle “die Füße stillhalten, schließlich will ich ja was haben”. Eine Unterschrift, entgegnete ich darauf hin, sowie die Zimmernummer des Amtsleiters.
Nach einigen missbilligenden Blicken, bekam ich die Zimmernummer und wollte beim Amtsleiter eine Dienstaufsichtsbeschwerde einreichen. Nur war dieser, rein zufällig, nicht im Hause wie man mir mitteilte.

Ein schwerer Weg zum Erfolg

Also beließ ich es dabei und widmete mich weiterhin der Suche, einen Mitarbeiter zu finden, der mir die notwendige Unterschrift gibt.
Zuhören ist nicht die Stärke der Mitarbeiter der Arge in Erfurt, wie ich schnell bemerkte.
Der achte Mitarbeiter, bei dem ich ankam, wusste endlich dass ich kein Geld wollte, sondern nur eine Unterschrift benötige und dann umgehend die Arge verlasse. Schnell bekam ich die Unterschrift und der Mitarbeiter fragte mich, warum ich nicht gleich zu ihm geschickt wurde. Der Empfang weiß es.

— Freitag, 14. Januar 2011 —

Einsatz vor Ort – eine gute Sache! [ Keine Kommentare ]

Immer wieder "drohen" die Herren Politiker mit Reformen. So natürlich auch im Hinblick auf die gegenwärtige Hartz-IV-Situation in diesem, unserem Lande. Wie gut, wenn im Zuge dessen auch ein wenig Flexibilität und kundenorientiertes Handeln unter Beweis gestellt werden können.

Hartz-IV-Empfänger sind auch nur Menschen

Auch wenn es nicht (immer) so aussieht, aber es gibt offenbar sehr wohl auch Sachbearbeiter in den Jobcentern, denen durchaus bewusst ist, dass sich hinter jedem Hartz-IV-Antrag auch ein menschliches Schicksal verbirgt. Nur allzu häufig werden aber seitens der Leistungsbezieher Termine nicht wahrgenommen oder sonstige "Regelverstöße" begangen. Die Folge: Leistungskürzungen bis hin zur vollständigen Leistungsverweigerung durch die Arbeitsagenturen. Und die Klagen vor den Arbeitsgerichten häufen sich. Wen wundert's? Bemerkenswert ist dabei allerdings, dass nahezu jede zweite Klage erfolgreich verläuft – zugunsten der Hartz-IV-Empfänger! Da stellt sich doch die Frage nach dem "Warum".

Sinnvoller Einsatz vor Ort

Fakt ist – und das ist das Tragische an der Gesamtsituation – dass viele Hartz-IV-Empfänger schlichtweg resigniert haben. Zu viele negative Erlebnisse mit den Behörden oder im sozialen Umfeld. Zu viele Absagen, zu viel Frust. Was bleibt, ist oft der allmähliche "Rückzug" aus dem Leben. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch die Schreiben der Jobcenter einfach nicht mehr beantwortet werden, sondern vielleicht sogar achtlos im Müll landen. Wie unlängst in den Medien berichtet wurde, werden deshalb in einigen deutschen Städten mittlerweile mobile Jobcenter-Betreuer eingesetzt, die langzeitarbeitslosen Leistungsempfängern insbesondere bei bürokratischen Angelegenheiten "unter die Arme greifen". Auf diese Weise kann man Schwierigkeiten und Probleme in direkter Zusammenarbeit mit den Betroffenen vor Ort lösen. Davon profitieren einerseits die Langzeitarbeitslosen selbst. Zudem könnte so die "Klageflut" nach und nach reduziert werden. Andererseits kann ein bisschen mehr Kontrolle de facto nicht schaden. Denn schließlich gibt es durchaus auch das eine oder andere "schwarze Schaf" unter den Hartz-IV-Empfängern….