— Archiv für den Tag „arm” —

— Dienstag, 11. August 2009 —

Sozialausgaben — einer von drei Euro [ Keine Kommentare ]

Die Wirtschaftskrise kostet den Staat Geld. Wer mit solch einem Satz an die Öffentlichkeit tritt, hat erst einmal keine große Chance, Menschen damit mehr als ein Gähnen zu entlocken. Die Wirtschaftskrise kostet den Staat Geld? Ach wirklich? Und was gibt’s Neues? Interessanter ist es da schon, wenn etwa der bundesdeutsche Arbeitsminister etwas dazu sagt, wie sich die Sozialausgaben in Deutschland aufgrund der Wirtschaftskrise entwickeln. Dass der Trend da nach oben geht, ist wohl auch nichts wirklich Überraschendes.

Steigende Sozialausgaben

Aber schauen wir uns konkrete Zahlen an: Laut Arbeitsminister Olaf Scholz werden 2009 voraussichtlich 32% des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Sozialleistungen ausgegeben (siehe: Märkische Allgemeine Zeitung). Klären wir kurz den Begriff Bruttoinlandsprodukt: Er bezeichnet den Wert aller im Inland hergestellten Produkte innerhalb eines Jahres. Wenn also 32% dieses Bruttoinlandsproduktes für Sozialausgaben verwendet werden, bedeutet das in konkreten Zahlen: Einer von drei Euro wird investiert, insgesamt 754 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2008 waren es noch 720 Milliarden Euro und 29% des BIP. Gründe für den Anstieg der Sozialausgaben waren laut Scholz Anstiege beim Kurzarbeitergeld, beim Arbeitslosengeld I und II. Einen Ausblick auf 2010 gab Scholz auch: Dann könnten es 32,4% des BIP sein, die für Soziales ausgegeben werden.

Die Finanzkrise ist unten angekommen

Was bedeutet das? Es bedeutet, dass die Finanzkrise längst bei den kleinen Leuten angekommen ist. So etwas untermauert auch die Zahlen, die von steigender Armut in Deutschland sprechen. Die Durchschnittszahlen derjenigen, die in den unterschiedlichen deutschen Bundesländern als arm gelten, sind sehr unterschiedlich: Sie reichen von 10 Prozent in Baden-Württemberg bis zu 24,3% in Mecklenburg-Vorpommern. Das ergibt sich aus dem Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbandes. Nach wie vor gilt: Armut in Deutschland ist nicht vergleichbar mit Armut in insgesamt ärmeren Teilen der Welt. Aber a) sie belastet und b) raubt nicht allein finanzielle Möglichkeiten. (Armut ist mehr, als wenig Geld zu haben; Quelle: DW-World)

Die Hart IV-Sätze sind zu hoch?

Kehren wir zurück zu den Sozialausgaben. Nach statistischen Angaben der OECD betrug der Anteil der Sozialausgaben am Bruttoinlandsprodukt zwischen 1980 und 2005 zwischen 22,3% (1990) und 27,3% (2003) [Quelle: Statista.com]. Nun wird also voraussichtlich die 30-Prozent-Marke geknackt. Und ich kann sie schon wieder hören, die Stimmen: Die Sozialausgaben sind zu hoch! Ja stimmt, die Stimmen haben Recht! Und ich kann die anderen Stimmen hören: Die Hartz IV-Regelsätze sind zu hoch, die müssen runter. Und nein, diese Stimmen haben nicht Recht. Wir Hartz IV-ler können nichts dafür, dass wir mehr werden. Sollen wir ausbaden, was wir nicht verursacht haben? Nein: Wirklich nicht!

— Freitag, 7. August 2009 —

Generation 50+ als Rentner mit Hartz IV-Bezug deklariert [ Keine Kommentare ]

Die wirtschaftliche Lage in Deutschland unterliegt seit Jahren einer erschreckenden Entwicklung. Immer mehr Haushalte leben am Existenzminimum, ein Überleben ohne die Tafeln scheint zeitweise kaum mehr möglich zu sein. Am schwersten scheinen es aber die Menschen der Generation 50+ zu haben. Für den ersten Arbeitsmarkt sind sie in den meisten Branchen zu alt und die Chancen auf ein Arbeitsverhältnis schwinden weiter. Nun wird die Generation 50+ immer öfter als Rentner mit Hartz IV-Bezug deklariert.

Nur 700 Euro Rente

Wer vom Wohlstand im Alter träumt, scheint immer häufiger enttäuscht zu werden. Während etwa 51 Prozent der deutschen Rentner noch monatlich 700 Euro bleiben, muss der Großteil der Generation 50+ mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Hartz IV-Satz auskommen. Obwohl sie über Jahrzehnte hinweg gearbeitet haben und die Sozialversicherungsbeiträge zahlen mussten, gehören sie nun zu den Menschen, die den Weg zu den Tafeln auf sich nehmen müssen.

Nicht selten sind die Renten geringer als die staatlichen Sozialhilfen für diese Generation. Die Grundsicherung der Bundesrepublik Deutschland beträgt nach den Konkretisierungen der Gesetze 650 Euro. Rentner, die nur eine monatliche Leistung von 600 Euro von der staatlichen Rentenversicherung erhalten, sind alles andere als die Ausnahme.

Niedriglohn-Beschäftigten droht die Altersarmut

Erschreckend sind die Einschätzungen der Experten. So rechnen zahlreiche Stiftungen damit, dass die Zahl der Betroffenen, die unter Altersarmut leiden, in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird. Nicht zuletzt muss dies auf die Niedriglohn-Situation der Bundesrepublik zurückgeführt werden. Derzeit beläuft sich die Zahl dieser Arbeitnehmer auf 6,5 Millionen. Wenn diese das Renteneintrittsalter erreichen, erhalten sie eine Rente, die deutlich unter dem Niveau der Sozialhilfe liegt. Aus diesem Grund wird die Forderung nach Mindestlöhnen immer lauter. Eine wirkliche Weiterentwicklung bei den Verhandlungen kann jedoch nicht erkannt werden.

Erhält ein Arbeitnehmer einen Stundenlohn von nur 4,86 Euro muss er nach 45 Arbeitsjahren mit einer Rente von 365 Euro auskommen. Die deutsche Regierung erkennt den Handlungsbedarf nicht oder möchte sich diesen nicht eingestehen, so die Experten.

Die Auswirkungen zeigen sich schon heute

Wer jedoch glaubt, dass es sich hierbei um Probleme der Zukunft handelt, täuscht sich deutlich. Schon jetzt lassen sich die Auswirkungen erkennen. Es sind immer mehr Rentner, die zum Beispiel den Weg zu den Dresdner Tafeln suchen. Die Betreiber der deutschen Tafeln wissen, dass es vor allem den zahlreichen Rentnern, nicht zuletzt aber auch der Generation 50+ schwer fällt, die Leistungen der sozialen Einrichtungen in Anspruch zu nehmen. Viele Haushalte kommen ohne die Lebensmittel der Tafeln nicht aus.

Quellen: http://www.mdr.de/umschau/6503588.html

— Samstag, 27. Juni 2009 —

Armut in Deutschland — schlimmer, als man so denkt [ Keine Kommentare ]

Immer wieder höre ich Menschen davon reden, dass es eigentlich doch gar keine Armut in Deutschland gibt. Letztlich verhungert hier niemand, haben die meisten Menschen ein Dach über dem Kopf. Es gibt Initiativen wie die Tafeln, die Hilfe bieten. Weltweit hungerte im Jahr 2008 nach Angaben der Welthungerhilfe jeder siebte Mensch. In Deutschland ist es wohl nicht jeder Siebte, der hungert. Also sollen sich die Armen in Deutschland nicht so anstellen, es geht ihnen schließlich gut? Jein. Einerseits ist es ab und an vielleicht wirklich ganz gut, sich vor Augen zu führen, dass Armut in Deutschland dann vielleicht meistens doch noch erträglicher ist als in einer ganzen Reihe anderer Länder. Andererseits frage ich mich bei solchen Argumenten (euch geht’s doch gut!) immer wieder, was das soll? Da werden dann Arme in Deutschland mit Armen in Afrika verglichen und den Armen in Deutschland wird gesagt, dass eigentlich doch alles ganz in Ordnung für sie sei. Und bei denjenigen, die täglich zwei Schüsseln Reis fürs Essen haben, wird vielleicht auf die verwiesen, die nur eine Schüssel pro Tag besitzen. Die wiederum sollen ruhig sein, weil manch einer nicht einmal eine Schüssel Reis pro Tag sein eigen nennt. Man kann fast unendlich so weitermachen und Arme mit noch Ärmeren vergleichen und damit ruhig stellen. Euch geht’s doch gut!

Arm sein, arm bleiben?

„Es ist etwas faul in dieser Gesellschaft", sagte der Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Hessen, Günter Woltering, in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau. Er empfand es als unglaublich schlimm, „dass es noch Armut gibt in Gegenden, wo Reichtum aus allen Knopflöchern quillt“. Und Bianca Heinz, die einen Verein für die Versorgung armer Kinder in Hessen organisiert, sah sich anfangs „überwältigt von der Armut in den Familien“. Nein, Dutzende Verhungernder gibt es in Deutschland (Gott sei Dank) tatsächlich nicht. Aber vielleicht eine ganze Reihe von Menschen, die aufgrund von viel zu wenig Geld nur sehr eingeschränkt an der Gesellschaft in Deutschland teilhaben können? Und vielleicht eine Reihe von jungen Menschen, die aufgrund von Armut auch nur bedingt die Chance haben, sich aus ihrer Situation zu befreien? Laut Armutsbericht geht die Schere zwischen Arm und Reich in Deutschland immer weiter auseinander. Gut beschrieben ist das etwa in einem Spiegel-Artikel vom Mai 2009. Vielleicht ist aber nicht Armut die größte Schande fürs Land? Vielleicht ist es die schlechte Chance, sich durch eigene Anstrengung aus der Armut zu befreien? Sollte nicht zumindest das in einem relativ reichen Land wie Deutschland gegeben sein? Sind nur so Fragen, die ich hier stelle!