— Archiv für den Tag „Arge” —
— Mittwoch, 19. Oktober 2011 —
Mit meinem ALG 2 Sachbearbeiter habe ich es gut getroffen. Ein sehr netter Mensch, verständnisvoll und ganz das Gegenteil aller anderen Sachbearbeiter, neudeutsch Fallmanager, die ich bisher hatte. Mein Sachbearbeiter immer sehr bemüht, mir das Leben nicht unnötig schwer zu machen. Dennoch kam er auf die aberwitzige Idee, ich könnte eine Weiterbildung machen. Wobei es hier weniger um „weiter“ von Weiterkommen und um „Bildung“ ging, eher um „wir packen dich jetzt mal da rein, dann bist du aus der offiziellen Statistik raus“.
Im Nachhinein glaube ich, dass man selbst meinen Fallmanager eingelullt hatte, was diese Maßnahme betrifft. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich landete in Hanau in der Jobfactory.
Keine Jobs am Fließband
Die Jobfactory ist nicht wirklich eine Weiterbildungsmaßnahme oder ich definiere diesen Begriff anders. Ja zugegeben, es gibt Menschen, die wissen nicht einmal, wie ein PC eingeschaltet wird. Für diese Menschen war die Maßnahme sicherlich ein kleiner Fortschritt (allerdings keiner zu einer Beschäftigung). Alle anderen haben sich gefragt, was sie da überhaupt tun.
Achtung, die Jobangebote gehen uns aus
Denn nach 8 Stunden Bewerbung schreiben täglich gehen irgendwann auch mal die Jobangebote aus. Ab und an gab es mal ein Seminar, was auch das Highlight war. Ansonsten jeden Morgen Besprechungen, welche Bewerbungen man am Vortag geschrieben hatte und wo man sich noch bewerben will.
Die Rettung in Form meines Fallmanagers
Gott sei Dank habe ich einen tollen Fallmanager, der hat mich da wieder raus gehauen, denn Weiterbildung ist was anderes. Das hat auch mein Fallmanager eingesehen. Leider hängt ihm die Arge schon wieder im Nacken, mich in eine Maßnahme zu stecken.
— Sonntag, 16. Oktober 2011 —
Zur Vorgeschichte: Ich bin eine 54 jährige Krankenschwester und bekam aus gesundheitlichen Gründen für 1 ½ Jahre eine Berufsunfähigkeitsrente. Der Antrag auf Verlängerung wurde von der Deutschen Rentenanstalt abgewiesen mit der Begründung, meine gesundheitlichen Beeinträchtigungen wären kein Grund für eine Rente und ich sei wieder voll einsatzfähig. Zu meiner Statur sei zu sagen, dass ich sehr klein und zierlich bin. Folglich ist nachzuvollziehen, dass nach 30 Jahren im Beruf mein Rücken und meine Gelenke extreme Abnutzungserscheinungen aufweisen und ich unter starken Schmerzen leide. Dies bestätigt mir jeder Orthopäde.
Ohne Rente muss ich demnach Arbeitslosengeld beantragen.
Also fahre ich nach Mainz zum Arbeitsamt um einen entsprechenden Antrag zu stellen.
Dort muss ich jedoch feststellen, dass die Mitarbeiter der ARGE zwar sehr nett aber an Flexibilität kaum zu unterbieten sind. Dass ich in meinem Beruf körperlich nicht mehr belastbar bin interessiert niemanden. Die Rentenanstalt schreibt dass ich als Pflegebegutachtungskraft immer noch arbeiten kann, also muss ich, egal was.
Ich bitte um ein erneutes medizinisches Gutachten durch das Arbeitsamt. Wird abgelehnt. Ich bitte um diverse Weiterbildungsmöglichkeiten, Umschulung usw. Wird abgelehnt. Dies sei Sache des Rententrägers. Das eine Amt schiebt es auf das Andere.
Da ich auch einschlägige Büroerfahrung habe, bitte ich um Vermittlung in diese Richtung. Wird ebenfalls abgelehnt. Begründung: Ich sei nicht qualifiziert.
Ich möchte ja arbeiten, aber in diesem Beruf kann ich es nicht mehr. Doch vom Amt gibt es keinerlei Hilfestellungen oder Verständnis für meine Situation. Im Gegenteil, ich bekomme eine Vollzeitstelle auf einer Intensivstation angeboten.
Einmal Krankenschwester, immer Krankenschwester.
— Mittwoch, 12. Oktober 2011 —
Den Anspruch auf ALG II hatte die Dame schon Anfang Januar schriftlich von der ARGE in Groß-Gerau bestätigt bekommen, auch die Höhe des Satzes innerhalb ihrer Bedarfsgemeinschaft stand schon fest, jetzt musste einfach nur das Geld entsprechend überwiesen werden. Ausdrücklich machte sie ihre Beraterin in der ARGE Groß-Gerau darauf aufmerksam, dass es ein wenig länger dauern könnte. Auf ihre Frage hin, was in diesem Fall “ein wenig länger” in zeitlich messbaren Ausdrücken bedeuten würde, sagte diese, “spätestens Mitte Februar dürfte der Kuchen gebacken sein”. Nun, die dachte die Dame bei sich, worin der Kuchen auch immer besteht, bis Mitte Februar ist ein Wort, das wird irgendwie schon gehen.
Statt Geld eine Maßnahme
In der Zwischenzeit wurde die Dame auch schnell in eine Qualifizierungs- und Aktivierungsmaßnahme gesandt, damit sie auch recht schnell ihre Bewerbungsunterlagen aktualisieren konnte. Vielleicht könne sie so, darauf wies die Beraterin abschließend hin, schneller wieder in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden. Sie begann mit der Teilnahme an der Maßnahme und lernte dabei manches Neues und wiederum hörte sie vieles Bekanntes, schließlich war es bereits die dritte Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahme in ihrer aktiven Zeit als Arbeit Suchende.
Auszahlung mit Verspätung
Mit dem Vermieter und anderen Menschen, die auf ihre regelmäßigen Zahlungen anfang des Monats angewiesen waren, hatte sie die neue angeblich einmalige Situation abgesprochen: mit der Zusage der Beraterin im Rücken, versprach sie allen, “spätestens Mitte Februar dürfte der Kuchen gebacken sein”.
Am Ende wurde es wohl ein Rekord: der am längsten gebackene Kuchen, denn sie erhielt ihre erste ALGII Leistung nicht Mitte Februar, wie in Aussicht gestellt, auch nicht Ende Februar und auch nicht Mitte März, sondern erst Ende März. In dieser Zeit hatte sie zig Male telefoniert und vorgesprochen, über 500,- EUR bei Bekannten ausgeliehen, um einfach zu überleben und sich Lebensmittel kaufen zu können. In dieser Zeit schwor sie sich, dass sie auf diesen “Kuchen” in Zukunft verzíchten wollte. Das wollte sie nie mehr mitmachen! – Alle Umstände führten dazu, dass Sie bereits im Mai eine Teilzeitbeschäftigung fand, die im August zu einer Vollzeit-Übernahme schließlich führte. Sie und die ARGE gehen seitdem getrennte Wege!
Pages:
1
2
3
4
5
6
7
8
...10
11
12
»