— Archiv für den Tag „Anträge” —

— Freitag, 14. Oktober 2011 —

Mal schauen ob Sie wiederkommen… [ Keine Kommentare ]

Seit mein Mann aus gesundheitlichen Gründen seinen Job aufgeben musste, erfuhren wir, was das heißt, Hartz4 Empfänger zu sein. Angefangen hat es schon bei der Antragstellung. Im Arbeitsamt angekommen, wandte er sich an seine Sachbearbeiterin. Diese überreichte ihm die Antragsformulare mit Worten: „ Mal schauen ob Sie wiederkommen. Die Anträge, samt den Forderungen und Auflagen seien schon so gestrickt, dass die meisten aufgeben, sie müssen schließlich schauen, dass viele die Anträge schon gar nicht einreichen.“

Nun ja, das Antragsformular, welches das gesamte Leben eines Menschen zum Vorschein brachte, einschließlich sämtlicher Ersparnissen, die nachweislich aufgebraucht werden mussten – bevor der Antrag überhaupt gestellt werden kann, enthielt auch zusätzliche Voraussetzungen, die zu erfüllen galten.

Zum einen, was mich persönlich hart traf, musste, neben den Kontoauszügen und Sparverträgen meines Mannes und das über Jahre rückwirkend, auch mein finanzielles Dasein – unabhängig davon ob ich Antrag stelle oder nicht, offenlegen. Auch die Sparbücher unserer Kinder mussten dran glauben. Zudem mussten wir uns verpflichten, auch ich, über jegliche Änderungen in unserem Leben die Agentur für Arbeit unverzüglich in Kenntnis zu setzen. Ob es nun ein Ausflug, welches sich über mehrere Tage erstreckt, Krankheit oder Urlaub ist – wobei Urlaub von der Agentur für Arbeit genehmigt werden muss, sonst drohen Sanktionen.

Also gegen gewisse Anforderungen und Forderungen habe ich nichts, doch bei der Agentur für Arbeit, könnte sich ein Gefühl „Menschen zweiter Klasse“ entwickeln. Da glaube ich, dass es im Gefängnis lockerer zugeht, was Auflagen angeht.

Nun ja, das Ende vom Lied war, dass wir den Antrag nicht abgegeben haben, denn ein bisschen Anspruch auf Entscheidungsfreiheit haben wir doch.

— Freitag, 1. Mai 2009 —

Der alltägliche Wahnsinn mit den Formularen [ Keine Kommentare ]

Wie jede Behörde hat auch die ARGE eine Vorliebe für Formulare und Bescheide jeglicher Art. Es gibt Formulare in allen Farben, Formen und Variationen. Die meisten sind, wie zum Beispiel ein Formular des Finanzamtes, völlig verwirrend und unverständlich.

Die verzwackte Mitwirkungspflicht

Ausfüllen muss man diese Formulare aber immer, denn das fällt unter die so genannte „Mitwirkungspflicht“. Damit sich ein Hartz IV Empfänger nicht völlig nutzlos vorkommt, hat er die Pflicht, an seinem eigenen Schicksal aktiv mitzuwirken. Wenn alle Formulare nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt und unterschrieben sind, werden sie bei der ARGE eingereicht und dann geht es los. Beinahe täglich schickt die ARGE Korrekturwünsche und neue Bescheide, immer wieder landen neue Formulare mit neuen Forderungen im Briefkasten, irgendetwas ist immer falsch ausgefüllt.

Wenn dem ALG II-Empfänger irgendwann dann (verständlicherweise) der Kragen platzt und er sich die Frechheit erlaubt bei der ARGE anzurufen, wird ihm gesagt, dass der betreffende Mitarbeiter Herr X den Fall gar nicht mehr bearbeitet, sondern dies jetzt Herr Y mache und der sei gerade nicht im Hause. Kurz: Die linke Hand weiß nicht was die rechte gerade tut.

Bei fehlender Mitwirkung – Kürzung der Leistungen

Am nächsten Tag kommt wieder ein neuer Bescheid, diesmal von Frau Z. Wer nicht prompt reagiert, der wird auf seine „Mitwirkungspflicht“ hingewiesen und ihm wird eine Kürzung der Leistungen in Aussicht gestellt. Auch dem Geduldigsten und Ruhigsten geht bei diesem ewigen hin und her nach einer gewissen Zeit mal der Hut hoch und er marschiert mit viel Wut im Bauch zu seiner ARGE, um endlich mal für Klarheit zu sorgen. Von den zumeist unprofessionellen, inkompetenten und oft auch sehr frechen Sachbearbeitern und besonders Sachbearbeiterinnen, bekommt der hilflose Hartz IV Empfänger nur einen einzigen Rat: „Legen Sie doch Widerspruch ein.“ Diese werden in der Regel als „unbegründet“ zurückgewiesen. Laut zynischer Aussage der ARGE bleibt ja immer noch: „der Gang zum Sozialgericht“.

Auch hier gilt der Spruch: "Recht haben und recht bekommen sind zweierlei."