— Archiv für den Tag „Angst” —

— Dienstag, 21. August 2012 —

Hartz 4 und seine Nebenwirkungen [ 12 Kommentare ]

Auch mich hat es in diese Mühle verschlagen vor einigen Jahren. Meine Erfahrungen (sowie die meines Umfelds) decken sich mit den hier geschilderten dergestalt, dass ich da nicht ins Detail gehen muss, die anderen Beiträge sind repräsentativ genug.
Was hier nicht zur Sprache kommt (aber wesentlich ist), das sind die Vorteile von Hartz 4. Ich bin der Ansicht, dass diese Einrichtung keine nebulöse Zeitgeisterscheinung ist, sondern logischen Strukturen folgt und ihren Zweck erfüllt.

Hartz 4 hat u. a. die folgenden Effekte:
ANGST
Angst haben die, deren Beschäftigung nicht gesichert ist, denn H4 ist offensichtlich „der Abgrund“. Angst haben die, die schon drin sind in H4, dafür sorgen die umfangreichen Drohungen (jedes Anschreiben beginnt, oder begann zu meiner Zeit 2006/7, mit der Drohung des Existenzentzugs im ersten Satz als Standard; unbeherrschbare Sanktionen tun ein Übriges, die Liste ist lang und bekannt).
Das ist schon ein ordentlicher Teil der Bevölkerung, dessen Energie da in Angst steckt. Womit sie gebunden ist. Die Regierbarkeit steigt, die Rückfragen dünnen aus.
REDUZIERTE KAPAZITÄTEN
folgen daraus, physisch und psychisch für den Einzelnen beider Gruppen, gesellschaftlich durch die
ENTZWEIUNG
und das Klima „jeder gegen jeden“ (selbst H4-Empfänger haben oft noch Verachtung übrig für andere H4-Empfänger).
Weiters gibt es rasant sich
VERSCHLECHTERNDE ARBEITSBEDINGUNGEN,
Lohnniveaus, Arbeitnehmerrechte; es stehen immer mehr Menschen zu praktisch allen Bedingungen für alles bereit in einer Welt, die realistisch immer weniger geleistete physische Arbeit benötigt. Das ist ein
SELBSTBEDIENUNGSLADEN FÜR DIE INDUSTRIE
und leistet der Produktion und Erbringung von
ÜBERFLÜSSIGEN PRODUKTEN UND DESTRUKTIVEN DIENSTLEISTUNGEN
wie Wegwerf-/Raubbauprodukten und Callcentern (hier geht es auch ins Kriminelle) Vorschub.
Nebenher steigt übrigens der
MEDIKAMENTENBEDARF
enorm an; wo es vielen schlecht geht, da kann man viel verschreiben. Aber nicht nur die Pillendreher freuen sich, sondern über kurz oder lang auch unsere parallel entstandene
BERUFSARMEE,
die für die künftigen Rohstoffkriege personell mittelfristig so aufgestellt sein dürfte, dass sie da mal Anfragen bedienen kann. Wen kann die Armee nach dem Arbeitsamt noch schrecken? In H4 findet immerhin eine umfangreiche
GEWÖHNUNG AN UNERTRÄGLICHE BEDINGUNGEN
statt ganz nach dem Froschgleichnis:
ENTRECHTUNG,
ÄCHTUNG,
ENTMÜNDIGUNG,
ZWANG ZU SINNLOSEN/SCHÄDLICHEN TÄTIGKEITEN,
SIPPENHAFT,
MACHTLOSIGKEIT
kennt der Harzler bald recht gut. Er lernt, sie als eine Mischung aus Gesetzeslage und eigener Schuld zu begreifen, so dass er statistisch verzweifelt, bevor er zu anderen Schlüssen kommt.

An solchen Effekten müssen Diktatoren lange schnitzen. Und dann stellen sie fest, dass sie sich unbeliebt gemacht haben, und werden per Revolution aus dem Land gespült. Da muss ich doch neidlos anerkennen, wie subtil man hier ans Ziel gekommen ist.

— Freitag, 27. Juli 2012 —

Nach der Umschulung werden Sie ja eh wieder arbeitslos [ 4 Kommentare ]

Ich veröffentliche hier der Einfachheit halber nur die mail, die Ich an die Regionaldirektur NRW schickte:

Sehr geehrte Beschwerdestelle, sehr geehrter Teamleiter Team XXX, sehr geehrte Frau D.

Nach meinem letzten Besuch bei meiner Sachbearbeiterin Frau D. sehe Ich mich gezwungen, auf diesem Wege eine neue Sachbearbeiterin zu beantragen.

Ich bat Frau D., mir keinen 1-Euro.Job, und auch keine Zeitarbeit zu vermitteln, da diese Beschäftigungen nicht zukunftsträchtig und weiterführend sind. Frau D. Sagte daraufhin, das eine Ausbildung/Umschulung im Bereich Gebäudereinigung / Fensterreinigung bei meinem Qualifikationen angeraten und machbar sei. Im selben Zug allerdings sagte Sie, das Ich nach dieser Ausbildung / Umschulung „ja eh wieder arbeitslos“ würde, und es von daher überflüssig sei.

Ich war ehrlich gesagt sprachlos über eine solche Aussage. Frau D. übersah wohl, das Ich mit einer solchen Ausbildung eine Qualifikation erwerben würde, die Ich jetzt nicht habe. Auch ist mir nicht klar, wie Frau D. Soweit vorgreifen kann, um zu wissen, das Ich danach „ja eh wieder arbeitslos“ würde.

Des weiteren teilte Ich Frau D. Bei unserm ersten Gespräch mit, das Ich zur Zeit überlege, eine stationäre Entgiftung vom THC-Konsum in K. zu machen. Daraufhin eröffnete mir Frau D., das Sie „das Gewäsch von einem Junkie wie mir“ schon zu oft gehört hätte, und das Sie das „ganz schön nerven würde“.

Ich verbitte mir die Bezeichnung „Junkie“ auf das Schärfste, Ich empfinde dies als Beleidigung. Auch kann Ich auf die persönliche Meinung einer Sachbearbeiterin ganz gut verzichten.

Ausserdem erfuhr Ich zufällig bei einem meiner letzten Beratungstermine, den Ich bei einer Vertretung der Frau D. wahr nahm, das diese (Frau D.) auf meine Aussage hin, das Ich abends gerne mal 2-3 Stunden vorm PC verbringe, für alle anderen Mitarbeiter des Amtes sichtbar, eine Eintragung im PC vornahm : “Herr XY. ist internetsüchtig!

Zu diesem Vorfall wüsste Ich gerne 2 Dinge:

  1. Was ist eine Internetsucht?
  2. Wieso erhält Frau D. nicht das Gehalt eines Mediziners, wenn Sie Diagnosen stellen kann?

Auch dieser Vorfall zerstört die Vertrauensbasis zu Frau D. Ich bat dann, die Vertretung, dies wieder zu löschen. Scheinbar kann Ich nichts erzählen, ohne Angst haben zu müssen, das etwas ganz anderes ankommt und dokumentiert wird.

Zu guter Letzt teilte Ich Frau D. bei einem vorherigen Termin mit, das Ich beabsichtige, mir einen Gewerbeschein zu besorgen, um damit Fenster putzen gehen zu können. Eigentlich wollte Ich weitere Auskünfte zum Gewerbeschein, und evtl. zu berücksichtigende Informationen. Stattdessen lachte mich Frau D. eine volle Minute lang schallend aus. Sie eröffnete mir dann, wie sinnfrei dies wäre, und das Ich absolut Null Chancen hätte.

Motivation von Kunden sieht anders aus, meiner persönlichen Meinung nach. Dieses Gespräch hat mich demotiviert.

Frau D. scheint nicht daran interessiert zu sein, mich weiterhin zu qualifizieren, sondern möchte mich anscheinend zum „Alteisen“ rechnen, und mich fix in eine prekäre Arbeitsgelegenheit vermitteln.

Ich erhielt in der Zeit, in der mich Frau D: „betreut“ keinerlei sinnvolle, weiterführende Angebote. Einzig die (dritte) Aufforderung, mich bei „XXXXX“ zu bewerben, einer Leiharbeitsfirma, die mich als allererstes am Telefon frug, ob Ich einen Vermittlungsgutschein habe…

Ein Interesse seitens des Amtes, mich in eine tragfähige Stelle zu vermitteln, ist für mich nicht erkennbar.

In meinen Augen ist die Vertrauensbasis zu Frau D. nichtexistent.

Ich habe mittlerweile Schlafstörungen und Verfolgungsängste, sobald Ich einen Termin bei Frau D. bekomme, da Ich Angst habe, wieder nicht für voll genommen, oder wieder ausgelacht zu werden. Mein Arzt riet mir, eine Phobie gegenüber dem Jobcenter geltend zu machen. Aus diesen Gründen bitte Ich darum, eine neue Sachbearbeiterin zugeteilt zu bekommen.

Mit freundlichen Grüßen

Herr XY

— Mittwoch, 25. April 2012 —

Pappkartons falten statt Büroarbeit [ Ein Kommentar ]

So vorab meine Geschichte/n die ich aus O.  schildere sind ein paar Jahre her trotzdem rege ich mich immer noch drüber auf.

Aus Angst- Unterzeichnung eines Arbeitsvertrages

Ich bewarb mich bei einer Zeitarbeitsfirma als Bürohilfe dieses war mir so auch vom Jobcenter vorgeschlagen worden. Gut eine Woche später bekamm ich an einem Freitag Nachmittag einen Anruf ob ich sofort zum Vorstellungsgespräch kommen könnte. Gesagt getahn! Ich bei der Zeitarbeitsfirma angekommen ist auf einmal nur noch von Produktionshilfe für einen Hungerlohn die Rede. Es war unter 7,50 Euro die Stunde! Ich sollte am Montag sofort anfangen. Aus Angst vor dem Jobcenter unterschrieb ich den Vertrag obwohl ich mir vorher klar war diese Arbeit packe ich nie und nimmer da ich durch eine Krankheit nicht der schnellste bin!

Keine geforderten Leistungen erbracht- zurück zur Zeitarbeitsfirma!

Ich fange im Kundenbetrieb an zu arbeiten werde von hü nach hot geschickt und merkte recht schnell ja ich kann nicht das was man  gerne von mir hätte an Arbeitsleistung. Man verdonnert mich zum Pappkartonfalten im Akkord!  Der nächste Tag ich fang wieder an mit Pappkartonfalten bis mich irgendein Abteilungsleiter holt und mich samt Stundenzettel wieder zur Zeitarbeitsfirma schickt.

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