Liebe Arbeitsuchende
Wir möchten Ihre Erlebnisse, Geschichte und Schikanen vom Jobcenter, Ihrem Fallmanager oder Ihrem Sachbearbeiter veröffentlichen. Schreiben Sie das, was schon lange hätte geschrieben werden müssen.

— Dienstag, 8. November 2011 —
Erst lange warten, um abserviert zu werden
Sobald man weiß, dass der Arbeitsvertrag endet, soll man sich bei der Agentur für Arbeit melden. Einfacher gesagt, als getan, denn die Öffnungszeiten sind nicht geradebesucherfreundlich gehalten. Nachdem ich erfahren hatte, dass mein Arbeitsvertrag, der in einer Woche auslief, nicht verlängert wurde, rief ich bei der Agentur an. Besonders hilfreich ist es ja, dass man eine Hotline anruft, man erstmal einige Zeit warten muss, um sich sagen zu lassen, dass ein solches Anliegen nur persönlich möglich ist. Die Agentur für Arbeit in Detmold hatte allerdings Öffnungszeiten, die sich nicht mit meinen Arbeitszeiten kombinieren ließen. Ich sagte der Dame am Telefon also, dass ich mich erst, nachdem mein Vertrag ausgelaufen wäre, melden könnte.
Mein Besuch beim Arbeitsamt im Größraumbüro
Gesagt getan. Die darauf folgende Woche fuhr ich montags nach Detmold, um Arbeitslosengeld zu beantragen. Ich musste einige Dokumente ausfüllen, bis ich zum Mitarbeiter durfte. Ein Großraumbüro, wo quasi jeder mitbekam, dass ich nun arbeitslos war. Ein leicht gestresster Herr fragte mich direkt am Anfang, warum ich erst jetzt den Antrag stellen würde, denn dies wäre zu spät. Die Gesetze würden etwas anderes verlangen und mir würden nun Kürzungen drohen. Ich bekam ein paar Unterlagen mit nach Hause, die ich komplett ausgefüllt in den nächsten Tagen dort abliefern musste, damit alles in die Wege geleitet werden konnte.
Bis man Geld bekommt, vergeht einige Zeit
Nachdem das Arbeitsamt alle Unterlagen bekommen hatte, wurde mir ein Termin zur weiteren Besprechung zugeordnet. Dort musste ich mich dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Ich musste bereit sein, jede Arbeitsstelle anzunehmen, denn nur so bekam ich mein Geld. Natürlich unterschrieb ich brav alle geforderten Dokumente, denn nachdem ich schon 2 Wochen ohne Geld auskommen musste, wurde es Zeit.
Nach insgesamt 4 Wochen und 3 Terminen bekam ich mein erstes Geld überwiesen, jedoch mit der angedrohten Kürzung.
— Montag, 7. November 2011 —
Seit mehreren Jahren belastet mich bereits meine Arbeitslosigkeit. Damals arbeitete ich als kaufmännischer Assistent in einer großen Firma, doch bedingt durch einige Schicksalsschläge, sowie verstärktem Mobbing auf der Arbeit, konnte ich eines Tages einfach nicht mehr arbeiten. Eine Panikattacke jagte die nächste. Allein der Gedanke, mich unter Menschen zu begeben, schnitt mir schier die Kehle zu. Ich verbrachte längere Zeit in Kliniken und sah einen Psychologen nach dem anderen – leider ohne nennenswerten Erfolg. Ich bin weiterhin höchst depressiv und leide an einer verstärkt ausgeprägten Soziophobie.
Drohende Leistungskürzung trotz korrekter Abgabe der Bewerbungen
In den letzten Jahren wurden mir bereits einige 1 € – Jobs vermittelt, die ich auch danken annahm. Leider waren jedoch Behandlung und Arbeitsbedingungen so schlecht, dass ich es bedingt durch meine psychische Erkrankung nie lange durchhielt. Die für mich zuständige Sachbearbeiterin kennt meine Vergangenheit und auch meine Probleme, die ich in Bezug auf Menschen habe. Zu Beginn war sie auch noch sehr verständnisvoll gewesen, doch von Sitzung zu Sitzung wurde sie gefühlskälter und genervter. Die Bewerbungen, die ich laut EGV jeden Monat abgeben muss, liegen meiner Sachbearbeiterin immer pünktlich vor. Dennoch behauptete sie schon des Öfteren, die Schreiben seien bei ihr nie eingegangen und versuchte daraufhin, mir meine Leistungen zu sperren. Seitdem gebe ich meine Unterlagen immer nur noch mit Quittung ab.
Eine Sachbearbeiterin mit fehlendem Taktgefühl
Bei meinem letzten Vorladungsgespräch setze sie dem ganzen schließlich die Krone auf. Statt mit mir meinen weiteren Weg zu planen, fragte sie schnippisch, wieso denn eigentlich keiner der 1€-Agenturen mich haben wolle und wieso jeder einen Job bekomme – außer mir. Sie resümierte schließlich, dass dies wohl nur mit meiner geringen Leistungsbereitschaft, die ich an den Tag legen würde, zusammen hängen könne. Im Nachhinein hätte sie meine Einwände, ich könne aufgrund meiner psychischen Erkrankung nicht arbeiten, vielleicht doch lieber ignorieren sollen. Stattdessen schnauzte sie jedoch in meine Richtung, ich solle mich gefälligst einmal nicht so anstellen und das elende Selbstmitleid lassen. Noch am gleichen Tag beantragte ich eine neue Sachbearbeiterin, meine psychischen Symptome haben sich leider dennoch verstärkt.
Soviel Taktlosigkeit hätte ich von einer Frau, die ja im Grunde in einem sozialen Bereich arbeitet, wirklich nicht erwartet.
— Freitag, 4. November 2011 —
Da ich durch die Verlagsschließung in das Team Chance 50 plus gewechselt wurde, geriet ich natürlich sofort in das Maßnahmen- Karussell. Ein Coaching wurde vereinbart. Was ist der Sinn dieses Coachings? Das habe ich bisher noch nicht begriffen, auch nach 5 Sitzungen nicht!!
Die Sozialpädagogin ist nicht unsympathisch, doch wohin diese Gesprächsrunde führen soll, weiß die Dame dies schon? Man befand meinen Lebenslauf als zu lang, Bewerbungsanschreiben sollte ich ebenfalls mitbringen. All dies tat ich bisher, nur darüber wurde noch nie gesprochen.
Coachinggespräch
Am liebsten hält sich die Sozialpädagogin mit der Frage auf, wie es mir geht. Beim letzten Mal erzählte ich ihr von meiner noch ganz jungen Tätigkeit bei textbroker.de. Ich war sehr euphorisch, merkte ich doch, dass ich mit meinem Drang zu schreiben, was erreichen kann. Mein Traum, daraus eine Bezahlung zu erreichen, die mir ein Monatseinkommen sichert. Ich erzählte dies munter und fröhlich. Daraufhin bemerkte die Dame:
„Passen Sie auf, dass Sie nicht über die Grenze von 165 € kommen, soviel dürfen Sie dazuverdienen ohne Abzug!“
Ich starrte die Sozialpädagogin völlig perplex an. Obwohl dies nicht mein normaler Sprachstil ist, platzte es aus mir heraus. „Das ist mir völlig scheißegal, ich will aus Hartz IV ausbrechen. Wenn ich dann harte Monate überstehen muss, dann ist es eben so.“ Darauf schaltete Sie sofort um und fragte: „Was sind Ihre Zielvorgaben für Oktober und November?“ Ich antwortete: „Na im Oktober denke ich 200 €, im November vielleicht bis 300 €.“ In welche Schublade passe ich nun?
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