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— Montag, 18. Mai 2009 —

Staatlich verordnete Schulden oder Abwrackprämie [ Keine Kommentare ]

Man stelle sich ein Geburtstagfest vor: Jemand würde kommen und dem Geburtstagskind ein schönes Geschenk machen. Hinterher stellt ich dann heraus, dass das Geschenk vielleicht gar nicht so schön ist und man bekommt nach dem Fest eventuell sogar noch eine Rechnung präsentiert: Und auf dieser Rechnung ständen dann neben dem Preis für das Geschenk noch diverse andere Kosten drauf, die man zu zahlen hätte. Das wäre ganz schön schlecht irgendwie.

Eine gemeine Verführung?

Wenn man sich einmal die Abwrackprämie anschaut, dann kann man sich schon irgendwie wie ein Geburtstagskind fühlen. Da geht der Staat hin und schenkt einem mal eben Geld, wenn man sein altes Auto abwrackt und sich ein neues kauft. Toll! Das empfinden einige gar als so toll, dass sie sich ein neues Auto leisten, obwohl sie es vielleicht gar nicht können. Und dann kommen die ersten Raten fürs Auto und plötzlich merkt man: Das Geschenk war vielleicht doch nur eine saure Gurke? Das Wirtschaftsmagazin PlusMinus hat einen netten Beitrag dazu veröffentlicht und unter anderem darauf hingewiesen, dass manch einer Autos verschrotten lässt, deren Wert die 2.500€ Prämie deutlich übersteigt. Scheinbare Geschenke können Menschen also auch dazu verführen, ganz schön viel Blödsinn anzustellen. Und irgendwie ist das Geschenk „Abwrackprämie“ ja auch gar keins, oder?

Die Kosten trägt der Steuerzahler

Eine andere, ebenso nette Veröffentlichung kam vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Die Abwrackprämie soll ja die Wirtschaft ankurbeln und Leute dazu bringen, sich einen Neuwagen zu leisten (auch, wenn die das vielleicht gar nicht können?). Nun scheint es aber so zu sein, dass der wesentliche Entscheidungsgrund für Autokäufe in den letzten Monaten eventuell nur in etwa 25 Prozent aller Fälle bei der Abwrackprämie gelegen hat. Das bedeutet: Drei von vier Autokäufern hätten sich sowieso einen Neuwagen gekauft, auch ohne Abwrackprämie. Und das wiederum bedeutet: Die Abwrackprämie hätte nur in einem von vier Fällen tatsächlich ihre Funktion als Anreiz erfüllt. Gezahlt wird sie dennoch in vier von vier Fällen. Eine staatliche Ausgabe von 10.000€ für vier Abwrackprämien ergäbe also 7.500€ sinnloser Ausgabe bei 2.500€ möglicherweise sinnvoller Ausgabe. Zahlen müssen die Steuerzahler. Also alle! Vielleicht sollte man bei der ganzen Sache auch noch berücksichtigen, dass sich die Nutznießer der Abwrackprämie vielleicht für einen Neuwagen entscheiden, aber damit gegen einen Gebrauchtwagen, gegen neue Möbel oder den Urlaub? Dann hat man da plötzlich eine Prämie, die zwar die Autoindustrie begünstigt, aber die Möbel- und Tourismusindustrie und die Gebrauchtwagenhändler eher schädigt. Volkswirtschaftlich könnte das möglicherweise suboptimal sein, um es vorsichtig auszudrücken. Das eine Gewerbe lacht, viele andere weinen!

— Donnerstag, 14. Mai 2009 —

Ein Auto ist 25 mal wert als ein Kinde [ Keine Kommentare ]

Bei den Jungvögeln im Nest ist das so: Wer am lautesten piepst, wird am besten gefüttert. Wäre die Autoindustrie ein Jungvogel, so wäre sie einer, der besonders laut piepsen könnte. „Piep, piep, wir haben Hunger“ oder „Piep, piep, wir brauchen Kunden!“ oder aber „Piep, piep, uns fehlt Geld!“ Vogelmama Staat kommt, hört das kleine, niedliche Vögelein piepsen und füttert: beispielsweise indirekt mit einer Abwrackprämie: „2.500€“ für einen abgewrackten, mindestens neun Jahre alten Wagen. Deutschland stürmt die Autohäuser, übergibt teils noch recht funktionstüchtige Autos der Schrottpresse und fährt fortan mit einem Neuwagen durch die Gegend. Die Autoindustrie freut sich, wenngleich der eine oder andere Kunde irgendwann merken könnte, dass die Raten für den Neuwagen doch etwas zu sehr das Portmonee belasten.

Alte Autos und die Zukunft des Landes

Gebrauchtwagenhändler piepsen weniger laut; sie haben, so die Berliner Morgenpost am 12. Mai, zumindest in Berlin Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Eltern piepsen noch leiser! Etwa 100€ Kindergeld gibt es für einen Sprössling. Kinder sind die Zukunft des Landes, heißt es. Trägt man den Gedanken einmal weiter, so ist die Zukunft des Landes also 25-mal weniger wert als ein altes Auto. „Eltern, lernt piepsen!“ kann man da nur empfehlen. Mag ja sein, dass an der Autoindustrie in Deutschland Tausende von Jobs hängen, sodass Rettungsmaßnahmen geboten sind. Aber irgendwie stimmen für mich die Verhältnisse nicht. Sollte Deutschlands Wohlergehen tatsächlich derart vom Wohlergehen der Autoindustrie abhängen, sollte man Deutschlands Wirtschaft vielleicht langsam, aber sicher umbauen?

121.752€

Die Hamburger Morgenpost hat jüngst Ergebnisse einer Studie der Fachzeitschrift „Guter Rat“ veröffentlicht. Insgesamt müssen Eltern für jedes ihrer Kinder durchschnittlich 121.752€ investieren, bis die Kinder jeweils 18 Jahre alt sind. Sie müssten also etwa 49 Altautos abwracken lassen, das Geld für die Kindererziehung einsetzen dürfen, um das Geld auf diese Weise aufzubringen. Nicht missverstehen: Ich sehe Kinder hier nicht als reinen Kostenfaktor. Kinder sind etwas Herrliches. Es ist klasse, Kinder zu haben. Aber irgendwie sehe ich den Beitrag von Eltern für die Volkswirtschaft etwas vernachlässigt: Wir stecken weit über 100.000€ in Windeln, Strampler, später in größere Wohnungen, Klassenfahrten, Nachhilfelehrer, Taschengeld… und ganz viele Dinge mehr! Wir müssen Schulbücher kaufen, weil die schon lange eher selten von der Schule gestellt werden. Es ist kein Geld da. Die Autoindustrie piepst und plötzlich IST Geld da! Ich kann es nur wiederholen: Leute, lernt piepsen!

— Sonntag, 10. Mai 2009 —

Sind Hartz IV – Empfänger eigentlich Schwerverbrecher? [ Ein Kommentar ]

Da gibt es Menschen, die zeigen andere Menschen einfach einmal so an. Sie tun das nicht, weil sie gerade sehen, dass diese anderen Menschen eine Straftat verüben. Sie tun das, weil sie glauben, dieser Mensch könnte irgendwie etwas getan haben oder tun, was nicht rechtens ist und das glauben sie ohne konkreten Anhaltspunkt. Einfach nur, weil diese Leute beispielsweise Hartz IV – Empfänger sind und sich aus ihrer Sicht einen faulen Lenz machen. Gegen solche Ansichten und solch ein Verhalten kann man zwar vorgehen, aber solche Leute wird es wohl immer wieder geben. Das noch weitaus größere Problem ergibt sich allerdings für mich, wenn Behörden anfangen zu bespitzeln. Mitunter werden dann irgendwelche Protokolle mit Inhalten erstellt, die mit der Sachlage rund um Hartz IV gar nichts zu tun haben.

Der gläserne Hartz IV – Empfänger?

Ein Beispiel gefällig? Am 16. April 2008 betitelte das T-Online Wirtschaftsportal einen Artikel mit der Überschrift „Arbeitsagentur bespitzelt Arbeitslose“. Darin wird über Protokolle von Außendienstmitarbeitern der ARGE berichtet. In denen hielten die Mitarbeiter beispielsweise fest, dass der Besuchte weder verschwitzt noch abgehetzt wirkte. Oder es wurde berichtet, dass der Hartz IV-Empfänger Weihnachtskugeln im Schrank habe. Interessant! Wer Weihnachtskugeln im Schrank hat, betrügt den Staat! Oder wie? Oder was? Was ist daran wichtig, dass jemand Weihnachtskugeln im Schrank hat? Da kommt man sich als Hartz IV- Empfänger dann tatsächlich irgendwie wie ein Schwerverbrecher vor. Wenn Zweifel daran bestehen, dass man berechtigterweise Leistungen vom Staat bezieht, dann dürfen sie kommen, die Außendienstmitarbeiter der ARGE. Aber ich frage mich, wie fundiert diese Zweifel sein müssen. Reicht es, wenn Frau X einmal wieder bei der ARGE anruft, weil ihre Nachbarn, die Familie Y, Hartz IV beziehen und die alle wie Betrüger aussehen (aus Sicht von Frau X)? Reicht das bereits aus, damit so ein Außendienstmitarbeiter kommt und einem die schmutzige Wäsche durchwühlt? Einem in die Schränke schaut? Hartz IV = „null Privatsphäre“, selbst bei kleinstem Verdacht auf Leistungsmissbrauch? In Oldenburg standen jüngst (April 2009) 50 Arbeitslose vor der Tür eines Außendienstmitarbeiters der ARGE, der gerade in Rente gegangen war. Sie wollten sich einmal für die netten Besuche revanchieren. Das hat die Junge Welt berichtet! Die Sache mit dem Besuch empfand ich irgendwie als gut!

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