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— Dienstag, 22. Mai 2012 —

MAE und die “qualifikationsnahen” Tätigkeiten [ Ein Kommentar ]

Führen wir uns kurz vor Augen, zu welchem ZWECK MAE-Maßnahmen, sogenannte 1-Euro-Jobs eigentlich eingeführt wurden.

angebliche “Zwecke” der 1-€ Jobs

Sie sollen…… dem Arbeitssuchenden durch eine Tätigkeit, die verwandt mit seiner ursprünglichen Qualifikation ist, Praxisnähe vermitteln, so dass dieser durch die praktische Tätigkeit die Attraktivität für einen künftigen Arbeitgeber erhöht. … keine reguläre Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt verdrängen, sondern ergänzend sein, sprich Tätigkeiten, wofür regulär niemand beschäftigt (eingestellt) werden würde…. dem Arbeitssuchenden helfen, sein Selbstwertgefühl aufzubauen und eine Stabilität im Leben geben…. dem Arbeitsuchenden einen geregelten Tagesablauf vermitteln.

anfängliche Vorstellungen der Tätigkeit täuschen

Wie sieht die Realität aus?
Ich berichte kurz von einem Fall, bei dem ich persönlich betroffen war, vom Hörensagen könnte ich noch ganz andere Dinge berichten. Als gelernter und arbeitssuchender Erzieher bat mir meine Arbeitsvermittlerin an, ich solle in einem Kindergarten in meinem Umfeld als MAE-Kraft eingesetzt werden. Die Ausschreibung hörte sich super an, ich sollte dort den Kindern vorlesen, den dortigen Erzieher Innen bei Tätigkeiten zur Hand gehen und diese unterstützen, bei Tagesausflügen als zusätzliche Begleitung unterstützend wirken, mit den Kindern drinnen und draußen spielen und dergleichen. Also keine erzieherische Tätigkeit in dem Sinne übernehmen (Elterngespräche, Beobachtungen, aktive Gruppenleitung etc.), sondern tatsächlich unterstützende Tätigkeiten, aber eben praxisnah, d. h. die Arbeit in der Gruppe mit den Kindern. Das klang vielversprechend, mit diesen Erfahrungen ließe sich dann tatsächlich innerhalb von Bewerbungen etwas anfangen.

Das “übliche Bild” eines Arbeitssuchenden

Die MAE-Maßnahme (Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsenschädigung) wurde mir ausgedruckt und ich wurde aufgefordert, mich binnen 3 Tagen dort zu melden, selbstverständlich mit Rechtsbelehrung, dass bei Ablehnung und dergleichen natürlich Sanktionen auf mich warten.
Denn wie wir alle aus der BILD wissen, reagieren Arbeitssuchende nur auf Drohungen mit Leistungsentzug und sind ansonsten unwillig und faul… Das übliche *gähn*.

Die Enttäuschung folgt zu gleich

Trotzdem rief ich mit hoher Motivation in diesem Kindergarten an, ich wollte diese Tätigkeit unbedingt wahrnehmen, da sie meinem Profil sehr entgegen kam. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuße! Am Telefon wurde ich erst einmal sehr barsch und unfreundlich angesprochen. Als ich erzählte, dass ich eine Ausschreibung des Jobcenters vorliegen habe als sogenannter “Erzieherhelfer” meinte die Leitung der Einrichtung, ich würde mit Kindern absolut nichts zu tun haben.

Statt spielen mit den Kindern, steht putzen auf der Tagesordnung

Meine primäre Tätigkeiten wären das Reinigen der Flure, Küche und Toiletten und das Fegen von Laub und Aufpicken von Schmutz in der Gartenanlage. Es käme auch in Betracht, dass ich innerhalb der Einrichtung die Tische säubere und den ErzieherInnen zur Hand gehe, was das Vorbereiten und Aufräumen von Bastelmaterial usw. beträfe. Aber mit Kindern hätte ich in keinster Weise zu tun. Auch auf den Hinweis, dass ich als gelernter Erzieher berechtigtes Interesse an einer Tätigkeit habe, die meiner Ausbildung entspricht, wollte die Leitung der Einrichtung nicht von ihrer Aufassung abweichen, schließlich habe man kein festes Reinigungspersonal in der Einrichtung, dies würden seit geraumer Zeit MAE-Kräfte übernehmen. Auch der Hinweis, dass diese Tätigkeit nicht der Ausschreibung, die beim Jobcenter abgegeben wurde entspricht, wurde ignoriert.

jegliche Beschwerden werden ignoriert

Für mich war daher klar, dass ich in DIESER Einrichtung definitiv nicht anfangen werde, zumal diese Tätigkeiten mit meinem gelernten und angestrebten Beruf absolut nichts zu tun haben. Selbstverständlich ging diesbezüglich eine schriftliche Beschwerde an das Jobcenter. Was daraus wurde, kann ich nicht beurteilen. Ich vermute mal, die landete in der Rundablage. Als Alternative habe ich bei der Einrichtung vorgesprochen, in der ich mein letztes Praktikum während der Ausbildung absolvierte und man versichterte mir schriftlich, dass man mich als MAE-Kraft auf jeden Fall übernehmen würde und ich im Prinzip von den Tätigkeiten auch das machen würde, was ich während des Praktikums machte, also im Großen und Ganzen das, was in der MAE vom Jobcenter ausgeschrieben war. In dem Falle wäre der Maßnahmeträger der gemeinnützige Verein gewesen, welcher an diese Grundschule angegliedert war und seit Jahren MAE-Kräfte beschäftigte – die Übernahme von mir als MAE-Kraft war gewährleistet. (Pikantes Detail: Die Einrichtung wollte mich nach meinem letzten Praktikum innerhalb der Ausbildung als Erzieher fest einstellen, bekam die Stelle jedoch nicht genehmigt.)

Keine Genehmigung für MAE-Stelle in Wunscheinrichtung- könnte ja sinnvoll sein

Mit gutem Gefühl vereinbarte ich dann einen Termin mit meiner Sachbearbeiterin und legte ihr das konkrete Angebot vor. Antwort sinngemäß: ”Wo kommen wir da hin, wenn sich Arbeitslose nun ihre MAE-Stellen und Träger selbst aussuchen würden? Entweder Sie nehmen die Stelle, die ich Ihnen vorgeschlagen habe, oder sie werden entsprechend der Rechtsfolgebelehrung nach sanktioniert.” Sämtliche Diskussionen wurden entsprechend von ihr abgeschmettert, es spielte einfach keine Rolle für sie.

Lieber krankgeschrieben als für einen Hungerlohn putzen gehen

Danach ließ ich mich erst einmal krankschreiben, weil ich nicht einsah, als Billig-Putzkraft in einer Kita zu arbeiten, während ich in meiner selbst gesuchten MAE-Stelle tatsächlich wertvolle praktische Erfahrungen hätte sammeln können, die in meinem Lebenslauf auch gut gepasst hätten. Am Ende der Krankschreibung meldete ich dem Jobcenter, dass ich eine selbständige Tätigkeit anstrebe, was ich dann ein halbes Jahr später auch tat.

3 Jahre lang Ausbildung für gar nichts und 3 Jahre Klageweg währen sinnlos

Ich arbeite bis heute nicht als Erzieher, sämtliche Bewerbungsbemühungen blieben erfolglos. Die Qualifikation ist inzwischen wohl auch “verfallen” und nichts mehr wert. 3 Jahre Ausbildung für die Tonne, vielen Dank liebes Jobcenter! Andererseits ist mir auch klar, dass wenn ich die MAE an der Grundschule genehmigt bekommen hätte (die Grundschule war übrigens entsetzt über das Vorgehen des Jobcenters, konnte aber selbst auch nicht erreichen, dass ich doch noch dort anfangen konnte), es keine Gewährleistung für eine Festanstellung gegeben hätte. Sicherlich hätte man ggf. in den Widerspruch gehen können, per Dienstaufsichtsbeschwerde oder am Ende gar mit einer Klage vor dem Sozialgericht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hätte ich sogar Recht bekommen. Was nützt dies jedoch, wenn der Klageweg 1,5 bis 3 Jahre bis zu einer Entscheidung dauert? Nichts!… und ich bin bei Weitem kein Einzelfall, sondern eher der Standard.

— Dienstag, 17. April 2012 —

3 “Hexen” vom Jobcenter wollen den Prozess [ Ein Kommentar ]

… da war dann vor einigen Jahren die Sachbearbeiterin, die mir erzählte, dass ich Unterlagen, die den gesamten Monat X betrafen, bereits am Dritten des besagten Monats erbringen können. Konkret ging es um Einnahmen aus einer selbständigen Tätigkeit (also keine fest kalkulierbaren Werte). Als ich die Sachbearbeiterin darauf hinwies, dass mir Zeitreisen leider noch nicht möglich wären und ich aus diesem Grunde die geforderten Unterlagen erst zum Monatsanfang des darauffolgenden Monats erbringen könne, warf diese mich aus ihrem Büro aufgrund meiner ungeziemen Frevelei mit der Bemerkung, dass sie dieses schnippische Verhalten nicht erdulde.

Die Maßnahme könnte nur mit einer Zeitreise durch geführt werden

Die Beschwerde folgte prompt bei der Teamleiterin, welche sich dann EXAKT der selbigen Auffassung anschloss, wie die Sachbearbeiterin zuvor, ich solle die Unterlagen des gesamten laufenden Monats bereits am Anfang des Selbigen vorlegen, das wäre mir selbstverständlich möglich. Aus diesem Grunde wurde mir die Leistung versagt.Erst als ich die Geschäftsleitung des besagten Jobcenters einschaltete, mussten Sachbearbeiterin und Teamleiterin bekennen, dass sie irgendwie nicht Herrinnen ihrer Sinne waren und ich bekam, was mir ohnehin zustand.

Rachegelüste, wie sich Mitarbeiter als wahre Biester entpuppen 

Dem jedoch nicht genug.  Die Rache folgte auf dem Fuße. Besagte Teamleiterin wollte das nicht auf sich sitzen lassen und konterte mit einer schriftlichen “Aufforderung zur Senkung der Kosten der Unterkunft” (aka “Sieh zu, dass Du eine billigere Bleibe bekommst”), die ihrer Meinung nach nicht angemessen sei, weil die Wohnung zu groß wäre. Die Miete lag damals gut 70 Euro UNTERHALB des zulässigen Höchstsatzes, die Quadratmeteranzahl spielt hierbei keine Rolle (Berlin).

Der Prozess

Es gab dann ein Tribunal mit einer Anhörung - 3 Mitarbeiterinnen des Jobcenters gegen mich – wo ich dazu Stellung nehmen sollte. Den Termin hätte ich mir letztlich sparen können, denn man verblieb bei der Ansicht, die Wohnung wäre “nicht angemessen“. Erst als ich dann den Ombudsrat einer großen Tageszeitung einschaltete und um Hilfe bat, erhielt ich kurz danach ein Schreiben mit einer offiziellen Entschuldigung der Geschäftsleitung sowie den Anruf der Tageszeitung, dass der Fall nun geklärt wäre. Hätte ich dies nicht getan, wäre vermutlich das Unrecht so geschehen wie angekündigt. Das ist aber nur eine eher milde Erfahrung mit den Mitarbeitern des Jobcenters.Ich könnte wohl ein eigenes Buch publizieren mit Erfahrungswerten und Aussagen diverser Jobcenter-Sachbearbeiter, schließlich habe ich auch schon einige Rechtsstreitigkeiten (auch gerichtlich) gewonnen.