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— Mittwoch, 26. Oktober 2011 —

Hartz 4-Sachbearbeiter wissen nicht, was die Computer machen [ Ein Kommentar ]

Ich war seit Jahren erfolgreich selbstständig. Eines Tages jedoch saß ich wegen eines Treppenhausbrandes und Insolvenz des Vermieters auf der Straße. Es musste also schnellstens eine neue Wohnung her und bis dahin eine vorübergehende Unterkunft finanziert werden. Während dieser Zeit konnte ich nicht arbeiten. Die finanzielle Flaute war vorprogrammiert.

Wieder auf die Beine kommen

Eigentlich war es keine große Sache: Formalitäten erledigt und die Einkommensverhältnisse durch Kontoauszüge und die letzten Einnahmen-Überschuss-Rechnungen des Steuerberaters nachgewiesen. Mir wurde übergangsweise Hartz 4 bewilligt. Ich erhielt monatlich den Differenzbetrag, der mir zum Lebensunterhalt fehlte. So hatte ich das notwendige Polster, um wieder zu arbeiten. Nach kurzer Zeit ging es wieder aufwärts und ich musste immer weniger Unterstützung in Anspruch nehmen.

Änderungsbescheide, die niemand verstand

Nach etwa drei Monaten ging es los. Ich erhielt wöchentlich Änderungsbescheide. Einmal sollte ich etwas zurückzahlen, ein anderes Mal sollte ich eine Nachzahlung erhalten. Irgendwann kam tatsächlich eine Überweisung, stattdessen blieben aber die regulären Zahlungen aus. Der Betrag von 1.300,– Euro erschien mir dennoch zu hoch. Ich erkundigte mich daher bei der zuständigen Sachbearbeiterin, was es damit auf sich habe. Sie saß ratlos vor den ganzen Änderungsbescheiden und erklärte mir, dass die Computer dies selbst veranlassen würden, sie könne mir da nicht helfen.

Es hat alles seine Richtigkeit. Oder doch nicht?

Die Dame erkundigte sich bei einem Kollegen und kam mit der Information zurück, dass alles seine Richtigkeit habe. Monate später, längst stand ich finanziell wieder auf eigenen Beinen, erhielt ich wiederum Post. Die letzten zwei Monate der Bewilligung wurden rückwirkend abgelehnt. Zudem wurde eine Rückzahlung in einer Höhe gefordert, die bis heute niemand versteht: 2.400,– Euro. Nun entscheiden die Gerichte darüber, was die zuständigen Computer so anstellen.

— Dienstag, 25. Oktober 2011 —

Das Arbeitsamt kann manchmal anstrengend sein, gerade wenn man überhaupt kein Arbeitslosengeld beantragen möchte [ 2 Kommentare ]

Mein Versuch bestand grundsätzlich darin, mich, nachdem ich das Studium beendete freiberuflich zu melden. Geboren in Leipzig, mit einem Abschluss für Violoncello wollte ich mich als freiberuflicher Künstler in die Welt stürzen, wobei ich in keinster Weise auf den Existenzgründerzuschuss der sächsischen Aufbaubank verzichten wollte. In diesem Zusammenhang ergaben sich jedoch zahlreiche Komplikationen, welche mit der ARGE zusammenhängen. Die größte Aufgabe bestand darin, dass ich beweisen musste, dass ich mit meiner freiberuflichen Tätigkeit genügend Geld verdiene, als dass sich Arbeitslosengeld 2 beziehen müsste, was jedoch schwieriger war, als sich zunächst dachte.

Der Fleiß ist der Preis

In meinem Eifer suchte ich zahlreiche Zettel zusammen, holte alte Rechnungen raus und wies eine übersichtliche Struktur vor, welche beweisen kann, dass sich genügend Geld verdiene. Die Beweislage war absolut eindeutig, was jedoch wenig nutzte, da ich stetig neue Unterlagen benötigte, damit ich endlich eine einfache Unterschrift bekam. Nachdem ich dann eine persönliche Rentabilitätsvorschau speziell für das Arbeitsamt anfertigen musste um zu beweisen, dass sich in den nächsten fünf Jahren kein Arbeitslosengeld benötige, wurde mir nach ungefähr drei Wochen Rennerei und Entbehrungen die Unterschrift genehmigt, dass ich nicht auf Arbeitslosengeld 2 angewiesen bin.

Stetiger Tropfen höhlt den Stein

In diesem Zusammenhang kann ich jeden Existenzgründer nur dringendst empfehlen, niemals zu unterschätzen, wie wichtig es ist, von Anfang an alle Unterlagen in Bezug auf die eigenen Einnahmen so auszulegen, dass sich eine zukunftsorientierte sinnvolle Darstellung ermöglicht. Des Endes wurde mir dieser Unterschrift gewährleistet und ich bekam die Möglichkeit in die Existenzgründung einzutauchen, wobei die Entbehrungen verhältnismäßig groß waren.

— Samstag, 15. Oktober 2011 —

Vom ALG-2 Schalter zur ALG-1 Domina [ Keine Kommentare ]

Vor ein paar Jahren befand ich mich mit 32 Jahren in einer Selbstfindungsphase und hatte keinen Bock mehr auf meinen Job. Ich hatte eine gut bezahlte, aber sehr langweilige Arbeit mit knappen 2000 Euro netto. Da mich mein Chef nicht rausschmeißen wollte, habe ich aus “Gesundheitlichen Gründen” selber gekündigt. Dabei ging es mir wohl mehr um die Gesundheit meiner Kollegen als um meine eigene …

Zum ersten Mal im Leben arbeitslos!

Da stand ich nun vor dem Frankfurter Arbeitsamt und wollte mich arbeitslos melden. Die Frau am Empfang war sehr nett zu mir, aber irgendwie haben wir uns wohl missverstanden und auf einmal stand ich in der Reihe der ALG-2 Empfänger. Ich fühlte mich ehrlich gesagt total unwohl und hatte das Gefühl, am Tiefpunkt meines Lebens angekommen zu sein. Endlich an der Reihe, versuchte mich der sehr genervte Sachbearbeiter erst mal zur Sau zu machen. Dann stelle er fest, dass ich gar nicht in die ALG-2 Abteilung gehöre und er wurde stinkfreundlich. Tolle Klassifizierung von Menschen dachte ich. Bin ich als ALG-1 Empfänger jetzt mehr wert als ein ALG-2 Empfänger?

Die ALG-Domina aus dem ersten Stock

Also ging es für mich nach oben in das 1.OG. Dort erwartete mich der Schrecken auf zwei Beinen. Bin ich hier in der ALG-0190 Abteilung gelandet? Die dominante Dame wollte mir zunächst eine Sperre geben, weil ich selber gekündigt habe, durch mein ärztliches Attest konnte sie das jedoch schnell vergessen. Ich wurde Freiberufler und bekam meine knapp 16.400 Euro Überbrückungsgeld.

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