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— Dienstag, 31. Januar 2012 —

Psychoterror mit Rehabilitationsmaßnahmen [ Ein Kommentar ]

Mein Bruder Jürgen ist 47 Jahre alt und wohnt im Kreis Köln. Schon lange ist er arbeitslos und hat aufgrund seiner Erkrankung sogar einen Behindertenausweis über 50 Prozent. Trotzdem nervt ihn sein Sachbearbeiter regelmäßig mit neuen Rehamaßnamen.

Die Vorgeschicht von Jürgen

Jürgen leidet seit über zwanzig Jahren an Depressionen und Panikattacken. Diese wurden vermutlich durch seinen ehemaligen Arbeitsplatz als Betriebsschlosser in einem großen Chemiekonzern verursacht. Er musste ständig mit giftigen Substanzen arbeiten und dies meist in engen Kesseln oder direkt in den Maschinen. Die Enge und die Gefährlichkeit haben wohl zu seinen Problemen erheblich beigetragen. Er war in den vielen Jahren seiner Arbeitslosigkeit immer wieder in Rehakliniken. Die Besserung durch diese Maßnahmen war, wenn überhaupt, nur von kurzer Dauer. Wäre nicht Hartz IV irgendwann eingeführt worden, wäre er vermutlich ein Sozialhilfefall. Dies wäre für ihn allerdings weit besser, da er ja nicht arbeitsfähig ist.

Seltsame Rehamaßnahmen für die Statistik

Leider arbeiten die meisten Rehakliniken mit den Arbeitsämtern zusammen und teilen den Patienten schon direkt bei der Eingangsuntersuchung mit, dass sie nach Ablauf der sechs Wochen wieder arbeitsfähig sind. So geht das mit meinem Bruder also schon seit vielen Jahren. Widersetzt er sich einer Behandlung, werden die Leistungen direkt gestrichen. Die erheblichen Kosten, die diese Maßnahmen immer wieder verursachen, sind dem Jobcenter wohl egal. Die letzte Reha hat den Rententräger 27.000 Euro gekostet. Die Leistungen bestanden aus miesen Essen und unterbezahlten und überlasteten Therapeuten. Aber Hauptsache, der Arbeitslose wird mal wieder in die Pflicht genommen und verschwindet kurzfristig aus der Statistik. Mehr zählt einfach nicht. Die letzte Reha ist übrigens gerade mal 13 Monate her und es soll schon wieder eine neue Maßnahme beantragt werden. Ein absoluter Irrsinn.

— Dienstag, 24. Januar 2012 —

Kompetenz kann man hier lange suchen [ Keine Kommentare ]

Ich kann nur jedem Menschen wünschen, dass er niemals in die Situation gerät, einen Antrag für ALG 2 stellen zu müssen. Wer sich in diesen Teufelskreis begibt, der ist auf jeden Fall schlecht dran. Dabei ist aber nicht nur die finanzielle Situation gemeint. In der Regel wird man durch das für einen zuständige Jobcenter betreut, was allerdings nicht wirklich der Fall ist. Eigentlich ist man vollkommen auf sich gestellt und das wird einem dann bewusst, wenn man wirklich einmal im Jobcenter nach Hilfe fragt.

Es gibt auch Menschen in dieser Behörde

Auf dem Weg zurück in das Berufsleben gibt es eine Menge Formen der Förderung, die man in Anspruch nehmen kann. Doch wenn man sich im Jobcenter danach erkundigt, dann wissen die dort Bediensteten in der Regel recht wenig darüber. Hat man wirklich einmal Glück und gerät an einer Person, die sich doch auskennt, dann ist diese beim nächsten Besuch garantiert nicht mehr für einen zuständig. Genau das ist mir des Öfteren passiert.

Hurra, es gibt noch Licht am Horizont

Wenn man einen fähigen Betreuer im Jobcenter hat, dann dauert es gewiss nicht lange und dieser muss entweder seinen Stuhl räumen oder aber er wird in eine andere Abteilung versetzt. Der nächste Sachbearbeiter ist dann von der Sorte, die nicht das Wohl des Bedürftigen im Sinne hat, sondern nur das Wohl der Behörde. Allerdings gibt es auch manchmal an anderen Stellen gute Leute, die Beschwerden bearbeiten müssen und die Jobcenter beaufsichtigen. Gerät man an eine solche Person, dann kann man wirklich davon ausgehen, dass man Hilfe bekommt.

— Mittwoch, 18. Januar 2012 —

Der Bildungsgutschein – Am teuersten war die Druckerschwärze [ Keine Kommentare ]

In Lübeck existierte bis zur Einführung des Bildungsgutschein ein Bildungsfonds, aus dem alle bedürftigen Familien einmal im Jahr Zuschüsse für Mittagessen, Vereine und Schulausflüge beantragen konnten. Das System ist jahrelang gereift und verlief für uns als betroffen Familie anstandslos. Wir bekamen am Ende eines jeden Jahres auf Antrag einen kleinen Teil für das Mittagessen in den Kitas zurück und waren auch zu einem Teil von Leistungen an der Schule befreit.

Neues Gesetz weniger Vorteile für die Kinder

Nun kam es zur hoch angepriesenen Einführung des Bildungsgutschein. Unsere Regierung rühmte sich, mit der auch so tollen und teuren Förderung von bedürftigen Kindern um sie nicht ins soziale Aus zu katapultieren. Als sogenannten Arbeitnehmern mit zusätzlichen Hartz4 Anspruch, durften wir nun auch einen Antrag pro Kind für den heiß erwarteten Bildungsgutschein stellen. Mit tausend Erwartungen im Bauch, nun endlich das Kind zum heiß ersehnten Musikunterricht anmelden zu können und dem anderen Kind den Tanzkurs zugutekommen zu lassen, füllten wir mithilfe des Kindergartens den Antrag aus. Es dauerte auch nur fast zwei Monate, bis wir einen Bescheid erhielten, und zwar in fünffacher Form. Für jeden kleinen Betrag gab es vier neue Seiten Berechnung und keiner verstand, was nun für was war. Anbei noch ein lustiges postkartengroßes Kärtchen, mit einem Betrag für 6 Monate, auf den sich Vereine und Co. verewigen sollten, wenn sie ihr Geld für die erbrachten Leistungen haben wollten.

Das Ende der kindgerechten Förderung

Nun mehr fast ein Jahr später hat es der Kindergarten endlich geschafft in zusätzlichen Arbeitsstunden alle offenen Zahlungen, die doppelt geleistet wurden, an die Eltern zurück zuführen. Ja und auf Nachfragen bei der ARGE wer den die kleinen Kärtchen unterstützt und die Kinder unterrichtet, wurde man darauf hingewiesen das Selbst zu recherchieren. Am Ende tut es keiner nur ein zwei kleine Vereine, den der bürokratische Aufwand nicht zu hoch ist, um ihr Geld zu bekommen. Bye bye Musikunterricht und Tanzkurs. Ich würde sagen Förderungsziel nicht erreicht. Und die ARGE spart kräftig an den schwächsten der Gesellschaft an den Kindern.

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