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— Sonntag, 9. Oktober 2011 —

Wenn das Schicksal zuschlägt [ Keine Kommentare ]

Ein sehr lieber Freund von mir wurde mit 48 Jahren arbeitslos, nachdem er viele Jahre in einer wirklich hohen Position gearbeitet hatte. Der Frust war groß. Das erste Jahr verging mit vielen Bewerbungsschreiben, die alle mit einer Absage beantwortet wurden. Zu alt, total überqualifiziert und viele fadenscheinige Ausreden wurden vom Postboten gebracht.

Kann es noch schlimmer werden?

Ja, es wurde immer schlechter für unseren Freund. Beim Amt wurde er von oben herab behandelt, denn er ging auch zu den Treffen mit seinem Arbeitsvermittler ordentlich gekleidet und äußerst gepflegt. Sein Auftreten war angenehm, aber er zeigte auch genau, dass er mal mitten im Berufsleben gestanden hatte und zwar in der oberen Etage. Der Arbeitsvermittler meinte dann zu ihm, er solle mal aus seiner Selbstherrlichkeit auf die Erde zurückkehren.

Wenn das Leben schrumpft und total zerbricht.

Zuerst musste er sich seine Lebensversicherung auszahlen lassen, dann musste das Haus verkauft werden, obwohl es noch lange nicht abgezahlt war und nicht viel Geld übrig blieb. Das Geld von seinem Sparbuch wurde zum Leben gebraucht. Alles, was einmal zum Leben der Familie dazu gehörte, war plötzlich nicht mehr vorhanden. Es viel ihm immer schwerer, sein Leben weiter zu führen, aber er gab nicht auf.

Kann es Neid sein?

Irgendwann bekam er ein Schreiben, er solle sich sofort im Amt melden. Eine junge, total schnippische Dame fuhr ihn an, dass es unverschämt sei, dass er immer noch auf so großem Fuß leben würde. Er fuhr nämlich einen Mercedes, zwar schon recht betagt, aber immerhin einen Mercedes. Er sollte den Wagen sofort verkaufen. Endlich hat er sich gegen die Willkür des Amtes gewehrt und ist zu dem Vorgesetzten der Dame gegangen. Ihm schilderte er, dass seine Frau schwer erkrankt ist und er das Auto unbedingt benötigt, um sie zu ihren Artzterminen zu fahren, denn sie hatten nur noch eine Wohnung, die sehr weit ab jeglicher Zivilisation lag, aber auch preiswert und warm.

Es gibt noch nette Menschen

Dieser liebenswerte Vorgesetzte hat ihm geholfen, er konnte das Auto behalten und hatte in Zukunft Ruhe vor dem unangenehmen Arbeitsvermittler.

Nach zwölf Jahren hat er sich mit schweren Depressionen frühzeitig pensionieren lassen. Er lebt, aber jetzt im Alter ist nur eine kleine Rente übrig geblieben. Unser Freund und seine Frau leben bescheiden und können kaum noch Kontakte halten, denn das Geld reicht nur zu einem bescheidenen Leben.

Ein Leben, das einmal gut gestartet war, ist am Ende auf dem Tiefpunkt angelangt.

— Samstag, 8. Oktober 2011 —

Dann arbeiten Sie eben nicht! [ Keine Kommentare ]

Über das gute alte Arbeitsamt, kann man scheinbar nur noch den Kopf schütteln. Eine gute Freundin von mir hat stets und ständig nur Ärger mit denen!

Zur Vorgeschichte ist folgendes zu sagen

Sie hat bereits mehrere Male im Ausland gearbeitet und dementsprechend auch alleine dort gewohnt. Zudem hatte sie auch Arbeit innerhalb von Deutschland und hat auch hier bereits längere Zeit alleine in einer normalen Mietwohnung gelebt. Als der Arbeitsvertrag auslief, ist sie dann zurück zu ihrem Vater und den anderen Geschwistern ins Haus gezogen. Sie war immer sehr unzufrieden mit ihrer Arbeitslosigkeit. Das einzige, was sie nicht mehr wollte, war ins Ausland gehen. Hier hatte sie nicht allzu gute Erfahrungen gesammelt. Ansonsten aber war sie stets sehr bemüht (mehr als alle anderen Personen, die ich kenne), eine neue Arbeitsstelle zu finden. Und die fand sie auch! Sogar gleich eine unbefristete Stelle!

Verkehrsanbindung Dorf <=> Arbeitsamt

Ich muss hinzufügen, dass sie in einem kleinen Dorf lebte und die Verkehrsanbindungen zu ihrer Arbeitsstelle, wirklich schlecht und praktisch kaum vorhanden waren. Es fährt zwar einige Male ein Bus, aber nie zu den richtigen Zeiten. Einen Führerschein besaß sie nicht. Also wollte sie beim Amt vorsprechen. Ihr Ziel war eine kleine Wohnung. Tja, was soll ich sagen: Das Arbeitsamt stellte sich quer! Angefangen bei Kommentaren, wie “Sie sind unter 25 Jahren”, worauf sie konterte “Ja, aber nur noch bis Dezember (3 Monate) und zudem habe ich einen unbefristeten Arbeitsvertrag in Aussicht und anders ist es mir nicht möglich, zur Arbeitsstelle zu gelangen!” Die Dame vom Amt diskutierte weiter mit ihr und wollte keine Zustimmung zur eigenen Wohnung geben. Als meine Freundin dann meinte, dass sie dann die Arbeit aber nicht annehmen könne, verabschiedete sie die Dame mit den Worten: “Dann gehen sie eben nicht arbeiten!”

Ich kann da nur noch mit dem Kopf schütteln.

Erst macht das Amt Druck und dann wollen die netten Leute ihr Steine in den Weg legen! Meine Freundin ist aber nicht Ohne und so hat sie sich so lange durchgeboxt, bis ihr die Wohnung genehmigt wurde und sie nun problemlos jeden Tag pünktlich an ihrem Arbeitsplatz erscheinen konnte.

— Mittwoch, 5. Oktober 2011 —

Alle Jahre wieder zum Bewerbungstraining [ Keine Kommentare ]

Es gibt Ereignisse, die Jahr um Jahr wiederkommen und uns ein Lächeln auf die Lippen zaubern können: Ostern, Weihnachten, Geburtstage. Bei uns flattert jedoch jedes Jahr das Schreiben vom Arbeitsamt ins Haus. Und das bringt weniger Freude, als vielmehr Unverständnis und Entnervtheit mit sich.

Schon seit 1991 betreibt meine Familie ein kleines Speiseeisgeschäft in einer idyllischen Thüringer Kleinstadt. Spätestens, wenn man zum Eis essen auch gern zum nahegelegenen See fahren kann, wenn man auf Geschmack weniger Rücksicht nimmt, wird die Eisproduktion über den Winter still gelegt.

Das ist dann der Zeitpunkt, wo meine Mutter als Saisonarbeiterin dem Arbeitsamt "Guten Tag." zu sagen hat. "Wir möchten mit ihnen über Ihre berufliche Perspektive reden." – der Satz hat sich schon ins Gedächtnis eingebrannt. Berufliche Zukunft? Welche berufliche Zukunft denn? Ab März geht das Geschäft wieder los, die Eiskugeln werden wieder gerollt und die heißen Tage somit perfekt abgekühlt.

Warum also an eine berufliche Zukunft denken und darüber reden, wenn diese schon unter Dach und Fach ist? Natürlich müssen die lieben Sachbearbeiter des Arbeitsamtes all das erfragen, besprechen, diskutieren. Doch seit 20 Jahren kann meine Mutter nicht vielmehr zu den Leuten sagen, als: "Ich bin ohnehin nur ein viertel Jahr arbeitslos. Eine langfristige, berufliche Zukunft ist somit von ihnen gar nicht nötig zu planen." Erheiternd ist es natürlich, wenn gegen Ende Februar ein Schreiben ins Haus flattert: "Wir möchten mit ihnen Bewerbungen schreiben. Bitte vereinbaren sie einen Termin." Das ist dann der Punkt, wo meine Mama entnervt den Telefonhörer in die Hand nimmt: "Ich kann leider keinen Termin vereinbaren, ich arbeite ab nächster Woche wieder. So wie jedes Jahr." Und so ist es, alle Jahre wieder !

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