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— Donnerstag, 3. November 2011 —

Wie eine Sachbearbeiterin Ihre Sprache verliert [ Keine Kommentare ]

Ich sitze im Landkreis Verden und warte, bis der Informationsraum frei wird. Eigentlich habe ich ja nur etwas abzugeben und könnte dies auch in den internen Briefkasten werfen – doch damit habe ich bereits mehrfach die Erfahrung gemacht, dass meine Post angeblich nicht angekommen sei. Nein, lieber warte ich die paar Minuten.

Die ganze Zeit schon sitzt ein südländisch aussehender Mann neben mir und schaut ständig auf seine Uhr. Ich lächle ihm beruhigend zu und frage, wann er denn einen Termin habe. Weil er offensichtlich nur wenig Deutsch versteht deute ich auf meine Armbanduhr und auf eine der Türen – dann geht ihm ein Licht auf und er antwortet: „Neun Uhr hier, jetzt schon Neun Uhr vierzig – Frau noch nicht da.“ Auch er zeigte auf eine der Türen.

Wird seine Geduld belohnt?

Nach weiteren zehn Minuten geht die Türe eines Büros auf und heraus kommt eine streng wirkende Frau und ruft einen Namen in den Flur. „Ja … das ich!“ rief der Mann zurück und stand auf. „Herr T. ich brauche noch die Unterlagen …. von Ihnen“ und zählte einige Kürzel der betroffenen Formulare auf, „haben Sie die jetzt dabei?“ Er schaute mich hilfesuchend an und ich stand auf und ging hinüber. „Gehören Sie zu Herrn T.?, fragte Sie mich. „Nein, aber ich glaube er versteht Sie nicht, wenn Sie so schnell sprechen.“ „Dann setzen Sie sich wieder, ich komme auch ohne Sie klar!“, fauchte sie mich an.

„Sie nicht verstehen Deutsch? Dann Sie kommen morgen wieder, bringen Dolmetscher mit. Ich können nicht mit Ihnen arbeiten, wenn nicht Deutsch verstehen Sie!“ und zu einer vorbeigehenden Kollegin gewandt: „Ist der blöd oder was? Der versteht kein einziges Wort und will hier Ansprüche geltend machen!“

Mir blieb die Spucke weg vor so viel Menschenfeindlichkeit und ich war froh, dass der Informationsraum gerade frei wurde.

— Mittwoch, 2. November 2011 —

Ist man ein Aussätziger, wenn man Hartz 4 beantragen muss? [ Keine Kommentare ]

Diese Frage stellt sich jeder, der in der heutigen Zeit, aus welchen Gründen auch immer, Hartz 4 beantragen muss. Das beste Beispiel liefert gerade mein Bruder. Er ist 25 Jahre alt und hat gerade Anfang Oktober sein Studium abgeschlossen. In seinem Leben ging bisher alles seinen geregelten Gang, er hatte während des Studiums sein Auskommen in Form von Kindergeld, Halbwaisenrente, Schülerbafög sowie eines unterstützenden Kredites von der Bank für Studentenkredite.

Warum sind die Anträge für Hartz 4 so kompliziert?

Er kam einigermaßen gut aus mit seinem Geld. Doch seit Anfang Oktober ist alles anders, denn weil er ja “nur” studiert hat, geht sein Anspruch auf Arbeitslosengeld 1 gegen null. Deshalb ging er zur Arge, um Hartz 4 zu beantragen. Er kam vom der Arge zu mir, damit ich ihm helfe, sich durch die Flut von Anträgen zu arbeiten. Ich hab schon viel erlebt, aber was da von meinem Bruder verlangt wird, schlägt dem Fass den Boden aus.

Er brachte mir einen dicken Ordner voller Anträge mit, die in ihrer Fragestellung nicht komplizierter hätten sein können. Am meisten amüsiert hat uns der Vordruck, auf dem mein Bruder aufgefordert wird, der Arge zu erklären, warum er nun Hartz 4 beantragt. Ich finde diese Form der Anträge grenzt schon fast an Entmündigung durch die Arge, denn mal ganz ehrlich, wenn man die Hilfe des Staates durch eigenständige Arbeit oder durch vorhandenes Vermögen nicht bräuchte, ginge man dann freiwillig dort hin, um sich dann bei der Beantwortung der Anträge wie ein Aussätziger zu fühlen?

— Montag, 24. Oktober 2011 —

Kundenfragen unerwünscht – Frau aus Japan hat Sonntags Termin bei ARGE [ Ein Kommentar ]

Eine Frau, aufgewachsen in Japan, arbeitete 1 Jahr für ein großes Unternehmen in Deutschland. Zum Ende Juli 2010 endete die Beschäftigung und die Dame meldete sich arbeitslos. Anfang Januar 2010 bekam sie einen Brief, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld I Ende Januar endet.

Sonntagstermin bei der Arbeitsagentur

Sie setzte sich sofort mit der zuständigen Arbeitsagentur in Offenbach in Verbindung, um zu erfahren, was sie nun tun muss und welche Konsequenzen das für ihre Krankenversicherung hat. Zunächst einmal kam keine Reaktion. Auf nochmalige Nachfrage bekam sie ein Schreiben mit einem Termin – an einem Sonntag. Da Sie wusste, dass das unmöglich richtig sein konnte, rief sie sofort dort an und bekam nun einen neuen Termin – am 9. Februar.

Verzweifeltes Weinen führt zur Drohung mit der Polizei

Am 9. Februar kam die Dame zu dem angesetzten Termin, nachdem ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld I schon längst beendet war. Dort bekam sie dann ihre Informationen. Man sagte, dass sie nicht mehr Krankenversichert sei und man im Übrigen für sie auch nicht mehr zuständig sei, da sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld I habe. Völlig verzweifelt brach die Dame nun in Tränen aus und wollte wissen, warum man ihr das nicht vorher gesagt hat und was sie nun tun müsse, um weiter krankenversichert zu sein. Diese Fragen waren nun eindeutig zuviel für den Sachbearbeiter. Angesichts der Tränen und der in der Frage enthaltenen Kritik beschloss er, die Frau aus dem Zimmer zu weisen und drohte mit der Polizei, wenn sie keine Ruhe geben würde.

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