— Archiv für Oktober 2009 —

— Sonntag, 25. Oktober 2009 —

Sozialer Tigerentenclub trifft sich bei Anne Will [ Keine Kommentare ]

Es ging im Late Night Talk mit Anne Will am gestrigen Sonntag eher um die Frage nach Steuersenkungen, denen sich der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aussetzte. Aber irgendwann wurde doch noch die soziale Ader auf den Tisch gepackt und Anne Will sprach an, wie Westerwelle (FDP) sich in seiner Euphorie kaum zu bremsen vermag, dass die Erhöhung des Schonvermögens auf 750 Euro pro Lebensjahr hochgesetzt wurde. Für Hartz IV Empfänger eine Nachricht, die von ihnen zur Kenntnis genommen wurde, aber der große Jubel blieb aus. Klar. Trifft die wenigsten der ALG II Empfänger. Es tangiert kaum jemanden! Aber Westerwelle kann immerhin behaupten, er habe etwas für die Armen der Bundesrepublik getan.

Realistische Menschen schätzen das anders ein

Unter den Gästen von Anne Will befand sich auch Marion von zur Gathen, eine Vertreterin des Paritätischen Gesamtverbands. Während sich der Verband in einer Pressemitteilung  noch vorsichtiger äußerte, sprach von zur Gathen gestern klarere Worte: „Etwa zwei bis drei Prozent der Anträge auf Hartz IV werden abgelehnt. Das dürfte auch die Größenordnung derer sein, die von der Anhebung des Schonvermögens profitieren.“ Der Plan, das Schonvermögen hochzusetzen, stand schon einmal. Unter Rot-Grün sollte es auch auf 750 Euro angehoben werden, allerdings ist die Entscheidung unter anderem durch Stimmen aus Hessen und Baden-Württemberg nicht zustande gekommen, wo die FDP fleißig mitgemischt hat. Darauf verweist Jürgen Trittin (Die Grüne) spitzfindig, als der Jungliberale Vogel meint, es sei nur gerecht, wenn Menschen, die Geld angespart haben, diese Ersparnisse nicht in Hartz IV verlieren.

— Samstag, 24. Oktober 2009 —

Bundesweite Demo gegen Hartz IV [ Keine Kommentare ]

„Weg mit Hartz IV“ lautete das Motto der am 24. Oktober 2009 stattfindenden Demonstration gegen Hartz IV – die sechste dieser Art, bundesweit ausgerichtet. Rund 2.000 Menschen fanden in Berlin dafür zusammen. Ein Video des RBB zeigt Ausschnitte der Demonstration: http://www.youtube.com/watch?v=nJKpmusD3W8

Mit an die ehemalige DDR erinnernden Schlagrufen „Wir sind das Volk! Hartz IV muss weg!“ stimmte man sich auf die Demo ein – fraglich, ob diese Sprüche ein zweites Mal helfen. Trotzdem schwingt die Ausweglosigkeit der Hartz IV Empfänger mit in diesem Beitrag. Am konkreten Beispiel, Herr Graupner aus Berlins „Problembezirk“ Neukölln, wird interviewt, der erklärt, dass er im kommenden März, wenn sein Ein-Euro-Job ausläuft, nichts haben wird – obwohl er sein Leben lang gearbeitet hat. Schade: Das Wort „gegen“ fällt am häufigsten. Gegen Hartz IV, gegen die Rente mit 67, gegen Bürgergeld. Alternativvorschläge?

Fehlanzeige. Dennoch wird gekämpft. Wie erfolgreich Arbeitslosengeld Zwei Empfänger sich gegen die neue Regierung durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Die Moderation der Nachrichten stellt einen spannenden Fakt zur Diskussion: Ist es als positiv zu erachten, dass Betroffene und Nicht-Betroffene nicht mehr an den Ursprung von Hartz IV denken, die rote Regierung, sondern sich nun an Schwarz-Gelb wenden?

— Freitag, 23. Oktober 2009 —

Wird Hartz IV nun doch abgeschafft?! [ Keine Kommentare ]

Nun ist es soweit: Die Verhandlungen zwischen der CDU und der FDP sind in vollem Gange. Einer der diesbezüglichen Hauptpunkte ist dabei das Thema "Hartz IV"…. Guido Westerwelle beispielsweise ist bestrebt, einige zum Teil gravierende Veränderungen in Angriff zu nehmen. Und zwar schon sehr bald. Und Herrmann Otto Solms (FDP) äußerte sich gegenüber der "Welt", dass sogar geplant sei, ein so genanntes Bürgergeld zu etablieren, welches nicht nur weitaus "leistungsfreundlicher", sondern darüber hinaus auch "arbeitsplatzschaffend" sein soll.

Überhaupt ist ein grundlegender Wechsel auf sozialpolitischer Ebene nicht mehr ganz auszuschließen. So wird zusätzlich in Erwägung gezogen, sämtliche soziale Leistungen, welche durch Steuergelder subventioniert sind, miteinander zu kombinieren. Das bedeutet im Klartext, dass sowohl die Sozialhilfe, die Altersgrundsicherung, das Wohngeld, der Kinderzuschlag, als auch die Leistungen für Wohngeld und Heizung zusammengelegt werden sollen. Ziel des Ganzen sei es, den Leistungsempfängern auf diese Weise die Möglichkeit zu geben, jeweils am Monatsende ein höheres Nettoeinkommen in der Tasche bzw. in der Haushaltskasse zu haben.

Noch sträubt sich allerdings die CDU ein wenig gegen die Pläne der FDP; allen voran Ronald Pofalla, denn seiner Ansicht nach sollen sämtliche unterstützende Maßnahmen für bedürftige Bürger "bedarfsabhängig gestaltet" sein. Des Weiteren will die neue Regierung – in dieser Hinsicht sind sich die beiden Parteien allerdings offenbar einig – so genannte "Hinzuverdienstmöglichkeiten" schaffen, um den ALG-II-Beziehern dadurch einen gewissen, zusätzlichen Anreiz zu geben, (endlich) wieder auf Arbeitssuche zu gehen….

 

 

— Donnerstag, 22. Oktober 2009 —

Mittagessen für weniger als 3 EUR [ Keine Kommentare ]

guenther jauch stern tvAls ich gestern Günther Jauchs Sendung stern TV "Hartz-Haft, aber lecker – Gut kochen trotz Hartz IV" stellte ich mir ernsthaft die Frage, wie man mit einem täglichen Budget von 4,40 EUR alle Mahlzeiten zubereiten und einkaufen soll? Bisher musste ich mir darüber noch keine Gedanken machen. Doch Martina Streibel musste sich Gedanken machen, denn sie bezog / bezieht Hartz IV und wurde ganz schnell mit dem Thema Sparen beim Einkaufen konfrontiert. Dieses Thema wurde schon sehr oft diskuttiert, sich für die paar Kröten gesund und ausgewogen zu ernähren, geht das überhaupt? Hier ein Beispiel, warum Kochen nicht teuer sein muss. Ich kann mich noch genau erinnern, als vor nicht allzulanger Zeit ein Dozent einer deutschen Hochschule oder Universität die Budgetrechnung eines Hartz 4 Empfängers aufmachte und veröffentlichte. Ein risiges Geschrei entbrannte, das könne man doch mit den Leute nicht machen. Heute ist das normal, da zeigt man ihnen wie man günstig kochen kann, wir unterhalten uns über Sparkochkunst und Supermarktfeilscherei. Soll nun jeder Hartz 4 Empfänger ein Kochbuch schreiben?

Geschicktes Einkaufen

Martina StreibelDas Dilemma zwischen schnell kochen, schnell fertigwerden, Bequemlichkeit, vielleicht auch gar nicht richtig kochen können (so wie ich) auf der einen Seite und täglich gesund, frisch zubereitete Mahlzeiten und gleichzeitig leckeres Essen kochen auf der anderen Seite. Das ist wohl das Schwerste an der ganzen Angelegenheit. Es kann mit Sicherheit kein Arbeitsloser behaupten, man könne für 4,40 Euro oder wie es Frau Streibel in ihrem Kochbuch vormacht, sogar für weniger als drei Euro frisches Essen täglich zubereiten. Sehr oft ist es wirklich eine Frage der Faulheit. Die Zeit kein keine Ausrede sein, denn davon sollte jeder Arbeitslose in Deutschland eigentlich genügend haben, wenn er nicht gerade bei einer Umschulung oder Weiterbildung von der Arbeitsagentur eingesetzt wird. Geschicktes einkaufen, sparen beim Einkaufen ist es selbstverständlich die Voraussetzung für derartig günstigeren Gerichte. In dieser Voraussetzung liegt oft auch der Kritikpunkt beim Restauranttester Rach.

Selber kochen oder doch Nudeln?

Mir geht es als nicht kochen könnender ähnlich, die Faulheit und Bequemlichkeit siegt und bevor man zum einkaufen fährt, sich durch einen großen Supermarkt quält hat man schnell eine Pizza bestellt oder ein Baguette aus der Kühltruhe warm gemacht. Oder man geht doch schneller mal zum Döner oder holt für die Kinder einen Bürger. Vielleicht auch Dosenessen oder die bei den Kleinen so beliebten Nudeln mit roter Soße.

Jeder kann kochen? Will auch jeder kochen können?

hartz 4 kochbuchWie aber die Hartz IV Köche bei Günther Jauch zeigen, geht es auch anders. Man darf allerdings nicht vergessen, dass diese Leute sehr oft und gern kochen, allein durch die Tatsache begründet, dass sie das Kochbuch geschrieben haben und deswegen kochen mussten. Es ist sozusagen das Hobby derjenigen. Wo wir bereits beim Punkt und der Quintessenz in diesem Thema angelangt sind. Die bei Stern TV präsentierten Hartz 4 Köche haben aus ihrem Hobby einen Beruf gemacht, ein Buch geschrieben, in welchem sie ihr Hobby, das Kochen, beschreiben. Das Thema der Sendung diente daher nur dem Ziel, Harz und ihrer Empfängern auf diesem Wege mitzuteilen, dass sie aus ihrem Leben, ihrem Hobby und einer guten Geschäftsidee aus dem Schlamassel Harz vier herauskommen können. Niemand ist in Deutschland verdammt, diese Stütze bis zum weiteren Ende seines Lebens in Anspruch nehmen zu müssen. Die Sendungen zeigte, dass man mit wenigen Mitteln doch großen Erfolg haben kann. Es sollte nicht vermittelt werden, dass jeder immer frisch und selber und täglich kochen muss. Ich gehe von mir aus: Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich jeden Tag selber kochen müsste.

Übrigens

Martina Streibel hat sogar einen Weblog, wo sie Rezepte veröffentlicht, man müsste also noch nicht einmal das Buch für gerade einmal 8,80 € plus zwei Euro Versandkosten zahlen. Wobei das wirklich für ein Kochbuch dieser Kategorie günstig ist. Auch die beiden anderen Hobbyköche Uwe Glinka und Kurt Meier haben eine Internetseite http://www.diesparratgeber.de/ Ihr kann man ihre Geschichte und Informationen, Tipps und Tricks zum Sparen nachlesen.

Mein Tipp:

Es kann nicht jeder ein Kochbuch schreiben, es kann aber jeder zu seiner Situation etwas dazuverdienen und vielleicht auch mit seinem Hobby aus der Hartz 4 Falle raus kommen. Die Voraussetzung ist erst mal, man muss dabei Spaß haben. Geld verdienen muss Spaß machen, also die Arbeit und damit das Geld verdienen.

— Dienstag, 20. Oktober 2009 —

Alles beim Alten? Unveränderte Zahlen im Hinblick auf “Hartz IV” [ Ein Kommentar ]

Statistischen Erhebungen zufolge hat sich in bezug auf die allgemeine Situation am Arbeitsmarkt sowie auch im Zusammenhang mit den Hartz-IV-Zahlen nur sehr wenig getan. Und das, obwohl die Wirtschaftskrise noch immer in einer nahezu unveränderten Art und Weise auf uns hereinbricht. In erster Linie trifft es natürlich – wieder einmal – den "kleinen Mann auf der Straße". Im Zusammenhang mit der Arbeitslosenquote konnte man allerdings nurmehr ein leichtes Minus von rund 0,3 Prozent feststellen. Das bedeutet dementsprechend im Klartext, dass sich das zu erwartende Drama, so wie es ja von zahlreichen, deutschen Politikern bereits seit langem prophezeit wurde, noch immer nicht eingestellt hat. 

Mögliche Ursachen hierfür sind übrigens nicht nur der typische Anstieg der Arbeitslosenzahlen nach dem Ende der großen Ferien – ja, auch dieser Aspekt wird in den Statistiken der Agenturen für Arbeit vermerkt und zum Teil auch für die "Beschönigung" der Zahlen verwendet – sondern wohl auch der vermehrte Einsatz von Kurzarbeit. Alles in allem heißt das für uns, dass sich im vergangenen Monat mehr als 10.500 Jobsuchende bei der Bundesagentur für Arbeit registriert haben. Bleibt also nur zu hoffen, dass sie schnellstmöglich den "Absprung" schaffen und nicht früher oder später auch in die "Hartz-IV-Falle" tappen. Aber obwohl in absehbarer Zeit ein weiterer Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu erwarten sein dürfte, ist seitens des Arbeits- und Sozialministeriums eine Entschärfung der aktuellen Hartz-IV-Regelungen geplant.

Der Vorschlag: Hartz-IV-Empfänger sollen künftig mit einer Erhöhung des so genannten "Schonvermögens" rechnen. Das heißt also, dass sich der entsprechende Betrag von bislang 16.250 Euro auf nunmehr 45.500 Euro erhöhen soll.

In diesem Zusammenhang sei allerdings noch gesagt, dass Expertenmeinungen zufolge schon im bevorstehenden Herbst eine Vielzahl derer, die jetzt noch Kurzarbeit ausüben, ihre Kündigung erhalten werden…..

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Kommentare
  • Nihilus: "fünfwöchigen Haftzeit" ---> tja, da sollte man gleich ausziehen und die M&ou...
  • Busti: Das wäre ja noch schöner, wenn man seine Strafe abgesessen hat kommt man uas dem Knast und...
  • Torsten: Kohle für´s Sitzen im Bau, wäre ja noch schöner. Dann platzen die Gefän...