— Archiv für August 2009 —
— Montag, 10. August 2009 —
„Hartz IV“- Empfänger, die nach der allgemeinen Schulpflicht ein Gymnasium besuchen und dafür auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel angewiesen sind, haben neben ihrem monatlichen Regelbetrag in Höhe von 281,- € Anspruch auf ein zinsloses Darlehn für den Kauf einer Monatsfahrkarte. Dies entschied das Sozialgericht Marburg.
Quelle: Sozialgericht Marburg; Beschluss vom 14.07.2009 [Aktenzeichen: S 9 SO 60/09 ER]
gefunden bei: http://www.kostenlose-urteile.de/newsview8193.htm
— Freitag, 7. August 2009 —
Die wirtschaftliche Lage in Deutschland unterliegt seit Jahren einer erschreckenden Entwicklung. Immer mehr Haushalte leben am Existenzminimum, ein Überleben ohne die Tafeln scheint zeitweise kaum mehr möglich zu sein. Am schwersten scheinen es aber die Menschen der Generation 50+ zu haben. Für den ersten Arbeitsmarkt sind sie in den meisten Branchen zu alt und die Chancen auf ein Arbeitsverhältnis schwinden weiter. Nun wird die Generation 50+ immer öfter als Rentner mit Hartz IV-Bezug deklariert.
Nur 700 Euro Rente
Wer vom Wohlstand im Alter träumt, scheint immer häufiger enttäuscht zu werden. Während etwa 51 Prozent der deutschen Rentner noch monatlich 700 Euro bleiben, muss der Großteil der Generation 50+ mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Hartz IV-Satz auskommen. Obwohl sie über Jahrzehnte hinweg gearbeitet haben und die Sozialversicherungsbeiträge zahlen mussten, gehören sie nun zu den Menschen, die den Weg zu den Tafeln auf sich nehmen müssen.
Nicht selten sind die Renten geringer als die staatlichen Sozialhilfen für diese Generation. Die Grundsicherung der Bundesrepublik Deutschland beträgt nach den Konkretisierungen der Gesetze 650 Euro. Rentner, die nur eine monatliche Leistung von 600 Euro von der staatlichen Rentenversicherung erhalten, sind alles andere als die Ausnahme.
Niedriglohn-Beschäftigten droht die Altersarmut
Erschreckend sind die Einschätzungen der Experten. So rechnen zahlreiche Stiftungen damit, dass die Zahl der Betroffenen, die unter Altersarmut leiden, in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird. Nicht zuletzt muss dies auf die Niedriglohn-Situation der Bundesrepublik zurückgeführt werden. Derzeit beläuft sich die Zahl dieser Arbeitnehmer auf 6,5 Millionen. Wenn diese das Renteneintrittsalter erreichen, erhalten sie eine Rente, die deutlich unter dem Niveau der Sozialhilfe liegt. Aus diesem Grund wird die Forderung nach Mindestlöhnen immer lauter. Eine wirkliche Weiterentwicklung bei den Verhandlungen kann jedoch nicht erkannt werden.
Erhält ein Arbeitnehmer einen Stundenlohn von nur 4,86 Euro muss er nach 45 Arbeitsjahren mit einer Rente von 365 Euro auskommen. Die deutsche Regierung erkennt den Handlungsbedarf nicht oder möchte sich diesen nicht eingestehen, so die Experten.
Die Auswirkungen zeigen sich schon heute
Wer jedoch glaubt, dass es sich hierbei um Probleme der Zukunft handelt, täuscht sich deutlich. Schon jetzt lassen sich die Auswirkungen erkennen. Es sind immer mehr Rentner, die zum Beispiel den Weg zu den Dresdner Tafeln suchen. Die Betreiber der deutschen Tafeln wissen, dass es vor allem den zahlreichen Rentnern, nicht zuletzt aber auch der Generation 50+ schwer fällt, die Leistungen der sozialen Einrichtungen in Anspruch zu nehmen. Viele Haushalte kommen ohne die Lebensmittel der Tafeln nicht aus.
Quellen: http://www.mdr.de/umschau/6503588.html
— Donnerstag, 6. August 2009 —

Quelle: Karrikatur, NEL, aus TLZ
Solidarität ist ein mächtiges Instrument. Sie hat einst aus Arbeitsvieh Gesprächspartner gemacht, die um Lohn streiten konnten und Lohnerhöhungen durchsetzten. Sie kann all denjenigen eine Stimme geben, die ohne Solidarität keine hätten. Manchmal hilft Solidarität vielleicht auch kleinen an Leukämie erkrankten Kindern. Ein zwölfjähriger Junge aus Aldenhoven muss wegen einer sich deutlich verschlechternden Leukämieerkrankung auf die Krebsstation ins Klinikum in Aachen. Der tägliche Besuch seiner Mutter ist in solch einer Phase für ihn ganz besonders wichtig, denn der Junge braucht jetzt immens Kraft. Allerdings besitzt die Familie mit insgesamt acht Kindern kein Auto, lebt derzeit von Hartz IV und kann sich die regelmäßigen Fahrten zum Klinikum nicht leisten. Unterstützung vom Amt gibt es für die Besuche keine. Wer einmal durchs Internet surft, hat deshalb derzeit große Chancen auf einen Hilfeaufruf von "Helfen statt Reden Eschweiler" und der "Deutschen Leukämie- und Lymphomhilfe" zu treffen. Hilfe soll gefunden werden, um die Besuche der Mutter bei ihrem kranken Kind zu ermöglichen. Diese Hilfe kann, muss aber nicht in Form von Geldspenden erfolgen. Ebenso möglich wäre es, so "Helfen statt Reden Eschweiler", dass jemand die Mutter im Auto mitnimmt oder der Familie einen Leihwagen zur Verfügung stellt.
Ein Hoch auf die Solidarität
Solch solidarischen Hilfeaktionen finde ich stets aufs Neue bemerkenswert; sie können, wollen und dürfen staatliche Leistungen nicht ersetzen. Und sie sollten von staatlichen Stellen auch nicht als Argument ins Feld geführt werden, dass er selbst (der Staat) ja eigentlich gar nicht so dringend gebraucht wird und seine Leistungen ruhig herunterfahren könnte. Bemerkenswert an solchen Aktionen finde ich, dass manchmal auch sehr unbürokratisch Hilfe gesucht und oftmals auch gefunden wird: auch im Internet. In Anlehnung an Wikipedia entstand wohl der Name Helpedia, der eines Internetportals für gesellschaftliches Engagement in Deutschland. Man mag das als Tropfen auf den heißen Stein empfinden, was hier geschieht. Man mag die Aktionen als etwas sehen, was den Kern dessen nicht berührt, warum die Schere zwischen Arm und Reich größer wird. Andererseits lassen sich durch solche Initiativen Lösungen für aktuelle Probleme finden. Und das ist manchmal besser als Theorien über Ursachen, warum diese Gesellschaft irgendwann auseinander fallen könnte. Einem an Leukämie erkrankten Kind würde Letzteres in jedem Fall weniger helfen als Ersteres. Spontane Hilfe kann hier dazu führen, dass die Überschrift „Krankes Hartz IV – Kind bleibt alleine!“ ihre Gültigkeit verliert. Unsere Gesellschaft mag derzeit eventuell etwas zuviel an Egoismus bieten. Dass es keine komplett egoistische Gesellschaft ist, beweisen für mich die vorab genannten Hilfsaktionen.
— Dienstag, 4. August 2009 —
Am 10. Juli 2009 (ein Freitag) kam mein Sohn nach fünf Jahren Selbständigkeit als Tischler aus Spanien zurück nach Deutschland, zurück zu Mama. Die Wirtschaftskrise, die in Spanien besonders heftig zu spüren war, hatte ihn voll erwischt. Die Ersparnisse hatte er in Spanien aufgebraucht.
Gleich am 13. Juli 2009 (ein Montag) ging er hier in Bremen zur BAGIS (anderswo nennt es sich ARGE, Bremen ist in allem eine Extrawurst!) um einen Antrag auf Hartz IV zu stellen. Dort wurde ihm gesagt, dass er am 28. Juli wieder kommen soll um dann den ausgefüllten Antrag abzugeben. Schon das ist eine Frechheit. Wovon sollte er bis dahin leben? Gut, dass es Mama gab. Die hat zwar auch nur ein monatliches Einkommen von 920 Euro, wovon 420 Euro an Miete abgehen, aber vom Rest mussten nun zwei Personen leben.
Der 28. Juli war da. Hoffnungsfroh ging mein Sohn mit seinen Unterlagen und dem Antrag zum Amt. Dort wurde der Antrag angenommen, Geld gab es noch immer nicht. Er solle am nächsten Tag wieder kommen. Was er auch artig tat. Wieder wurde er weggeschickt mit der Begründung, man müsse ja wenigstens mal kurz so einen Antrag überfliegen, was bis dato nicht geschehen war.
Was soll ich sagen, die Freude ist groß, heute ist der 4. August und er hat endlich das Geld für Juli und August erhalten.
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