— Archiv für Mai 2009 —
— Mittwoch, 6. Mai 2009 —
Vielleicht übertreibe ich ja ein bisschen, wenn ich das behaupte, aber bei manchen Hartz IV – Empfängern habe ich wirklich das Gefühl, sie versuchen es erst gar nicht, sich Arbeit zu suchen. Ich pauschalisiere das hier nicht, aber wenn man manches in den Medien liest und sieht, dann kommt einem schon die Galle hoch: Natürlich muss der Staat einen schützen, der in die Arbeitslosigkeit gerutscht ist, aber er sollte a) schonungslos gegen die vorgehen, die Stütze kassieren und sich dabei etwa wie jener Peter K. vor einiger Zeit ein sehr gutes Leben auf Teneriffa machen. Und er sollte b) auch diejenigen mehr als nur etwas ermuntern, sich einen Job zu suchen, die das sehr halbherzig machen. Ich selbst kenne Menschen, die absichtlich Fehler in Bewerbungen einbauen, um NICHT vermittelt zu werden. Über so etwas ärgere mich! Und da sage ich auch ganz ehrlich: Ich bin dagegen, dass auch mein Geld investiert wird, damit solche Menschen sich eine nette Zeit machen, während Leute wie ich arbeiten gehen. Mir macht mein Job auch nicht immer Spaß.
Zu hohe Ansprüche?
Ich behaupte nicht, dass es keine Menschen gibt, die trotz Bemühens keinerlei Arbeit finden, weil sie es beispielsweise einfach wegen fortgeschrittenen Alters schwer haben, Personalchefs von ihren Qualitäten zu überzeugen. Dass Ältere nicht unbedingt schlechtere Arbeitnehmer sind, ist leider noch nicht überall in Deutschland angekommen. Bei jüngeren Menschen, die längere Zeit mit Hartz IV leben, denke ich manchmal dagegen schon: Wer wirklich Arbeit sucht, der findet auch welche! Einige sortieren erst einmal alle möglichen Jobs aus, die zu schwierig oder zu schlecht bezahlt sind oder zu schlechte Arbeitszeiten bieten: Hier muss man zu schwere Dinge tragen, dort ist die Arbeit zu monoton. Es ist mitunter erstaunlich, welche fadenscheinigen Gründe für Menschen ohne Arbeit gegen eine Arbeit sprechen. Da vermisse ich die Eigeninitiative, den festen Wunsch, etwas an der eigenen Situation zu ändern: Das Leben ist kein Wunschkonzert, gerade in schwierigen Lebenslagen nicht.
Selbst dazu beitragen, dass es aufwärts geht
Erst einmal irgendeine Arbeit anzunehmen, um wieder Fuß zu fassen, bedeutet ja nicht, dass man ewig an dieser Arbeitsstelle kleben muss. Man kann sich weiter bewerben, kann versuchen, etwas Besseres zu bekommen. Aber es gibt dann schon einmal einen Startpunkt, von dem aus sich besser agieren lässt, als würde man Ewigkeiten nichts Anderes tun als Hartz IV in Anspruch zu nehmen. Wer flexibel ist, sich nicht zu sehr an Traumvorstellungen bildet, hat auch in heutiger Zeit noch Chancen auf Arbeit. Aber wenn man es nicht einmal versucht, diese Chance zu ergreifen, kann man die Sache natürlich vergessen. Auf Kosten aller anderen! Nur meine Meinung.
Hartz IV Empfänger haben es in vielerlei Hinsicht schwer. Sie werden in fast allen Bereichen des Lebens auf ein Minimum reduziert und müssen Demütigungen, Bevormundung und Beleidigungen wegzustecken. In ihrem Leben geht es um nackte Zahlen, Bedarfsgemeinschaften und vor allem um Faulheit.
Jeder Hartz IV Empfänger ist grundsätzlich zu faul zum Arbeiten
Wäre er nicht so faul, würde er jetzt arbeiten und nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen, eine sehr einfache Logik. Nach Ansicht der Mitarbeiter der ARGE sind Hartz IV Empfänger nicht nur faul, sie sind auch dumm. Dumme Menschen haben keine Ahnung von Gesetzen und deshalb kann man sie auch bei jeder Gelegenheit bedrohen. Eine Drohung klingt ungefähr so: „Wenn Sie hier falsche Angaben machen, dann kommt jemand zu Ihnen nach Hause und stellt Ihnen die Bude auf den Kopf. Dann werden wir ja sehen, ob Sie wirklich so bedürftig sind, wie Sie hier angeben!“
Weiterführende Schulen? Nein, danke!
Besonders schlimm wird die Situation für Hartz IV-Empfänger, die Kinder haben, denn Kinder gehören zu einer Bedarfsgemeinschaft und kosten somit vor allem Geld. Steht ein Kind beispielsweise kurz vor dem Abschluss der Hauptschule, dann steht für die Mitarbeiter der ARGE schon mal fest: das Kind geht in die Lehre, um die Haushaltskasse der Familie aufzufüllen. Der Einwand, das Kind habe aber eine Empfehlung für eine höhere Schule, wird vom Tisch gewischt. Nichts da, der Nachwuchs von Hartz IV-Empfängern gehört nicht aufs Gymnasium, der hat gefälligst arbeiten zu gehen.
Eltern die sich nicht einschüchtern lassen und darauf bestehen, dass ihr Kind das Abitur machen soll, müssen Zeugnisse vorlegen und jedes „ausreichend“ darin wird genüsslich kommentiert. Die Eltern, die kämpfen können und ihr Kind doch auf eine höhere Schule schicken, müssen nicht nur jede Drohung der Sachbearbeiter wegstecken können („Sie werden schon sehen, was Sie davon haben“), sondern auch viel Rückgrat beweisen.
Wie jede Behörde hat auch die ARGE eine Vorliebe für Formulare und Bescheide jeglicher Art. Es gibt Formulare in allen Farben, Formen und Variationen. Die meisten sind, wie zum Beispiel ein Formular des Finanzamtes, völlig verwirrend und unverständlich.
Die verzwackte Mitwirkungspflicht
Ausfüllen muss man diese Formulare aber immer, denn das fällt unter die so genannte „Mitwirkungspflicht“. Damit sich ein Hartz IV Empfänger nicht völlig nutzlos vorkommt, hat er die Pflicht, an seinem eigenen Schicksal aktiv mitzuwirken. Wenn alle Formulare nach bestem Wissen und Gewissen ausgefüllt und unterschrieben sind, werden sie bei der ARGE eingereicht und dann geht es los. Beinahe täglich schickt die ARGE Korrekturwünsche und neue Bescheide, immer wieder landen neue Formulare mit neuen Forderungen im Briefkasten, irgendetwas ist immer falsch ausgefüllt.
Wenn dem ALG II-Empfänger irgendwann dann (verständlicherweise) der Kragen platzt und er sich die Frechheit erlaubt bei der ARGE anzurufen, wird ihm gesagt, dass der betreffende Mitarbeiter Herr X den Fall gar nicht mehr bearbeitet, sondern dies jetzt Herr Y mache und der sei gerade nicht im Hause. Kurz: Die linke Hand weiß nicht was die rechte gerade tut.
Bei fehlender Mitwirkung – Kürzung der Leistungen
Am nächsten Tag kommt wieder ein neuer Bescheid, diesmal von Frau Z. Wer nicht prompt reagiert, der wird auf seine „Mitwirkungspflicht“ hingewiesen und ihm wird eine Kürzung der Leistungen in Aussicht gestellt. Auch dem Geduldigsten und Ruhigsten geht bei diesem ewigen hin und her nach einer gewissen Zeit mal der Hut hoch und er marschiert mit viel Wut im Bauch zu seiner ARGE, um endlich mal für Klarheit zu sorgen. Von den zumeist unprofessionellen, inkompetenten und oft auch sehr frechen Sachbearbeitern und besonders Sachbearbeiterinnen, bekommt der hilflose Hartz IV Empfänger nur einen einzigen Rat: „Legen Sie doch Widerspruch ein.“ Diese werden in der Regel als „unbegründet“ zurückgewiesen. Laut zynischer Aussage der ARGE bleibt ja immer noch: „der Gang zum Sozialgericht“.
Auch hier gilt der Spruch: "Recht haben und recht bekommen sind zweierlei."