— Archiv für Mai 2009 —
— Donnerstag, 14. Mai 2009 —
Bei den Jungvögeln im Nest ist das so: Wer am lautesten piepst, wird am besten gefüttert. Wäre die Autoindustrie ein Jungvogel, so wäre sie einer, der besonders laut piepsen könnte. „Piep, piep, wir haben Hunger“ oder „Piep, piep, wir brauchen Kunden!“ oder aber „Piep, piep, uns fehlt Geld!“ Vogelmama Staat kommt, hört das kleine, niedliche Vögelein piepsen und füttert: beispielsweise indirekt mit einer Abwrackprämie: „2.500€“ für einen abgewrackten, mindestens neun Jahre alten Wagen. Deutschland stürmt die Autohäuser, übergibt teils noch recht funktionstüchtige Autos der Schrottpresse und fährt fortan mit einem Neuwagen durch die Gegend. Die Autoindustrie freut sich, wenngleich der eine oder andere Kunde irgendwann merken könnte, dass die Raten für den Neuwagen doch etwas zu sehr das Portmonee belasten.
Alte Autos und die Zukunft des Landes
Gebrauchtwagenhändler piepsen weniger laut; sie haben, so die Berliner Morgenpost am 12. Mai, zumindest in Berlin Umsatzeinbußen zu verzeichnen. Eltern piepsen noch leiser! Etwa 100€ Kindergeld gibt es für einen Sprössling. Kinder sind die Zukunft des Landes, heißt es. Trägt man den Gedanken einmal weiter, so ist die Zukunft des Landes also 25-mal weniger wert als ein altes Auto. „Eltern, lernt piepsen!“ kann man da nur empfehlen. Mag ja sein, dass an der Autoindustrie in Deutschland Tausende von Jobs hängen, sodass Rettungsmaßnahmen geboten sind. Aber irgendwie stimmen für mich die Verhältnisse nicht. Sollte Deutschlands Wohlergehen tatsächlich derart vom Wohlergehen der Autoindustrie abhängen, sollte man Deutschlands Wirtschaft vielleicht langsam, aber sicher umbauen?
121.752€
Die Hamburger Morgenpost hat jüngst Ergebnisse einer Studie der Fachzeitschrift „Guter Rat“ veröffentlicht. Insgesamt müssen Eltern für jedes ihrer Kinder durchschnittlich 121.752€ investieren, bis die Kinder jeweils 18 Jahre alt sind. Sie müssten also etwa 49 Altautos abwracken lassen, das Geld für die Kindererziehung einsetzen dürfen, um das Geld auf diese Weise aufzubringen. Nicht missverstehen: Ich sehe Kinder hier nicht als reinen Kostenfaktor. Kinder sind etwas Herrliches. Es ist klasse, Kinder zu haben. Aber irgendwie sehe ich den Beitrag von Eltern für die Volkswirtschaft etwas vernachlässigt: Wir stecken weit über 100.000€ in Windeln, Strampler, später in größere Wohnungen, Klassenfahrten, Nachhilfelehrer, Taschengeld… und ganz viele Dinge mehr! Wir müssen Schulbücher kaufen, weil die schon lange eher selten von der Schule gestellt werden. Es ist kein Geld da. Die Autoindustrie piepst und plötzlich IST Geld da! Ich kann es nur wiederholen: Leute, lernt piepsen!
— Dienstag, 12. Mai 2009 —
Meine ersten Erfahrungen mit der Arbeitsagentur liegen mittlerweile schon etwas zurück. Ich war damals Beamtenanwärter, ich hatte eine Berufsausbildung in der Steuerverwaltung als Vorbereitung auf den gehobenen Dienst gemacht. Wie das Leben so spielt: erst kurz nachdem ich meine Prüfung erfolgreich abgelegt hatte, wurde mir (wie auch vielen anderen) mitgeteilt, dass ich nicht übernommen werden würde. Nun war ich quasi von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Mir wurde dann geraten, mich unverzüglich arbeitssuchend zu melden. Das hab ich dann auch getan.
Kein Verständnis
Immerhin unterstützte mich ein anderer Leidensgenosse beim Ausfüllen der Meldung, so dass wenigstens das relativ schnell von statten ging. Daraufhin begab ich mich zum Informationsschalter um diese abzugeben. Folgendes Gespräch ergab sich dabei:
ARGE-Mitarbeiter: „Bitte nehmen Sie im Wartezimmer Platz. Sie werden etwas später aufgerufen, damit Ihre Daten aufgenommen werden können.“
Ich: „Ich habe als Beamter keinen Anspruch auf den Bezug von Arbeitslosengeld. Ist dieses Gespräch dann überhaupt erforderlich? Ich möchte lediglich dafür sorgen, dass die Ausfallzeiten in der Rentenversicherung anerkannt werden.“
ARGE-Mitarbeiter: „Sie benötigen das Gespräch trotzdem, bitte warten Sie dort drüben!“
Nur zwei Stunden warten
Nach gut zwei Stunden bin ich dann endlich dran gekommen. Die nette Dame begann auch gleich mit ihrer Befragung. Als erstes dachte ich, dass mir gleich die Hutschnur platzen müsste, als sie mich fragte, was denn eigentlich ein gehobener Dienst sei. Nachdem wir das geklärt hatten, sagte sie mir, dass ich erst einmal Arbeitslosengeld beantragen sollte. Jetzt erklärte ich ihr nochmal in aller Ausführlichkeit, dass ich als Beamter niemals in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatte und dass insofern einfach auch kein Grund dafür bestünde, einen solchen Antrag zu stellen. Schließlich ist der Groschen dann wohl doch noch gefallen, denn plötzlich rief sie aus: „Dann wäre diese Datenaufnahme ja überhaupt nicht nötig gewesen!“
Naja, wenn’s mal wieder länger dauert…
— Sonntag, 10. Mai 2009 —
Da gibt es Menschen, die zeigen andere Menschen einfach einmal so an. Sie tun das nicht, weil sie gerade sehen, dass diese anderen Menschen eine Straftat verüben. Sie tun das, weil sie glauben, dieser Mensch könnte irgendwie etwas getan haben oder tun, was nicht rechtens ist und das glauben sie ohne konkreten Anhaltspunkt. Einfach nur, weil diese Leute beispielsweise Hartz IV – Empfänger sind und sich aus ihrer Sicht einen faulen Lenz machen. Gegen solche Ansichten und solch ein Verhalten kann man zwar vorgehen, aber solche Leute wird es wohl immer wieder geben. Das noch weitaus größere Problem ergibt sich allerdings für mich, wenn Behörden anfangen zu bespitzeln. Mitunter werden dann irgendwelche Protokolle mit Inhalten erstellt, die mit der Sachlage rund um Hartz IV gar nichts zu tun haben.
Der gläserne Hartz IV – Empfänger?
Ein Beispiel gefällig? Am 16. April 2008 betitelte das T-Online Wirtschaftsportal einen Artikel mit der Überschrift „Arbeitsagentur bespitzelt Arbeitslose“. Darin wird über Protokolle von Außendienstmitarbeitern der ARGE berichtet. In denen hielten die Mitarbeiter beispielsweise fest, dass der Besuchte weder verschwitzt noch abgehetzt wirkte. Oder es wurde berichtet, dass der Hartz IV-Empfänger Weihnachtskugeln im Schrank habe. Interessant! Wer Weihnachtskugeln im Schrank hat, betrügt den Staat! Oder wie? Oder was? Was ist daran wichtig, dass jemand Weihnachtskugeln im Schrank hat? Da kommt man sich als Hartz IV- Empfänger dann tatsächlich irgendwie wie ein Schwerverbrecher vor. Wenn Zweifel daran bestehen, dass man berechtigterweise Leistungen vom Staat bezieht, dann dürfen sie kommen, die Außendienstmitarbeiter der ARGE. Aber ich frage mich, wie fundiert diese Zweifel sein müssen. Reicht es, wenn Frau X einmal wieder bei der ARGE anruft, weil ihre Nachbarn, die Familie Y, Hartz IV beziehen und die alle wie Betrüger aussehen (aus Sicht von Frau X)? Reicht das bereits aus, damit so ein Außendienstmitarbeiter kommt und einem die schmutzige Wäsche durchwühlt? Einem in die Schränke schaut? Hartz IV = „null Privatsphäre“, selbst bei kleinstem Verdacht auf Leistungsmissbrauch? In Oldenburg standen jüngst (April 2009) 50 Arbeitslose vor der Tür eines Außendienstmitarbeiters der ARGE, der gerade in Rente gegangen war. Sie wollten sich einmal für die netten Besuche revanchieren. Das hat die Junge Welt berichtet! Die Sache mit dem Besuch empfand ich irgendwie als gut!