— Archiv für April 2009 —

— Donnerstag, 30. April 2009 —

Antrag auf Bedürftigkeit stellen [ Keine Kommentare ]

Arbeitsamt Hab ich heute im Netz gefunden. Wie lange dauert es wohl noch, bis wir dahin kommen? Man kann auch sagen "Zuckerbrot und Peitsche."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mütter streiten um Baby, Arbeitslosengeld II wird zugesprochen [ Keine Kommentare ]

Das Sozialgericht Dresden hat einer portugiesischen Mutter, die die sich mit einer anderen Frau um die Mutterschaft eines Babys streitet, Arbeitslosengeld II zugesprochen. Dies ergibt sich aus einem Beschluss vom 19. März 2009.

Quelle:

Sozialgericht Dresden; Beschluss vom 19.03.2009, [Aktenzeichen: S 38 AS 915/09 ER]

gefunden bei:

http://www.kostenlose-urteile.de/newsview7687.htm

— Mittwoch, 29. April 2009 —

Nicht lächeln! [ Keine Kommentare ]

 

Eine fast genauso erlebte Satire von mir ;-)

Ich begegnete Frau M. auf dem Flur.
 „Immer noch keinen Job?“, fragte sie. Ich verneinte.
 „Wird schon!“, verachtete sie mich und kniff mir aufmunternd in den Po. 
Ich machte ein zerknirschtes Gesicht. Frau M. nickte zufrieden.
 Für Frau M. existieren zwei Gruppen von Arbeitslosen: Die „Blöden“ und die „Faulen“. Gott sei Dank gehöre ich für sie zu den „Blöden“, aber… wie lange noch? Grundsätzlich kommen alle Arbeitslose in diese Kategorie, weil nur Minderbemittelte keinen der lukrativen Jobs als Computergenie, Fußballstar oder Topmanager ergattern können. Die bedauernswerten Blöden haben sich ihrer Blödheit bewusst zu sein und dauerhaft ein trauriges Gesicht zu tragen.

Sonne vertreibt Trübsal: leider!

Im Winter fiel mir das nicht schwer. Ich litt an meiner Arbeitslosigkeit, das Wetter trübte meine Stimmung, Erkältungen quälten meinen Körper und mein Leiden spiegelte sich in meinem Gesicht. Schatten unter den Augen, eingefallene Wangen, ein nervöses Zucken der Mundwinkel. Aber leider, leider wird es langsam wärmer draußen, die Sonne scheint und… letzte Woche habe ich mich beim Lächeln ertappt. Ich schaute in den Spiegel und spürte, wie das Lächeln kam, versuchte, es krampfhaft zu unterdrücken und… Umsonst! Ich lächelte. Und schämte mich dafür.

Aus Doofen werden Faule

Leute, die trotz Arbeitslosigkeit lächeln, gehören zu den Faulen. Während anständige Menschen arbeiten, tingeln sie durch die Fußgängerzonen der Stadt und… lächeln. Sie lächeln ein unverschämtes „Mir geht es gar nicht so schlecht“ Lächeln. „Zum Kotzen, so etwas“, sagt Frau M. „Diese Leute müssten wimmernd am Boden kriechen. Einen Job, bitte, bitte, einen Job. Ich zahle auch dafür!“

Arbeitslose müssen leiden!

Letzten Sonntag habe ich mir ein Eis gegönnt, drüben im Eiscafe. Als ich plötzlich Frau M. kommen sah, duckte ich mich blitzschnell zwischen die Tische. Sie sah mich nicht. Gott sei Dank.
 „Arbeitslos, aber Eis essen!“ So etwas hätte sie mir nie verziehen. „Arbeitslos, aber atmen. Unverschämte Kerle. Arbeitslos, aber f…cken, ferkeln, Fagott spielen… so weit ist es gekommen!“
 Jeder Arbeitslose, der nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit nicht mindestens einen versuchten Selbstmord aus Verzweiflung und eine Karriere als Alkoholiker vorzuweisen hat, hat es mit seiner Jobsuche niemals ernst gemeint. Verkommenes Subjekt!

Wie man richtig Trübsal bläst!

Um Frau M. zu beruhigen, trage ich seit einigen Wochen ein Schild auf der Stirn. „Ich finde keine Arbeit. Ich bin schlecht und mir geht es schlecht!“ Eine Weile gab sie sich damit zufrieden. Aber in letzter Zeit schaute sie mich manchmal argwöhnisch an. Ich schlage mir jetzt jeden Morgen mit dem Hammer auf den Fuß, um ein wirklich leidvolles Gesicht zu bekommen. Sie misstraut mir trotzdem.
„Wer Arbeit sucht, der findet Arbeit“, sagte sie letzte Woche zum Beispiel und erklärte mir, was sie damit meinte: „Gerade in der heutigen Zeit, in der Geld nicht mehr locker sitzt, braucht man Leute, die auch nach tausend zugeschlagenen Türen nicht aufgeben und ihren Mitmenschen Versicherungen, Zeitungen, Heizkissen und Eisbeinwärmer verkaufen. Oder… man kann als Hilfspolizist arbeiten und das Gesindel aus den U-Bahnstationen treiben, diese faulen Säcke, die mit ihrem Aussehen die Städte beschmutzen, die koksen, dealen, Kinder stehlen und ihre Frühstücksflocken nie aufessen und die im Grunde auch Hilfspolizisten werden sollten und könnten, wenn sie nur wollten. Arbeit gibt es genug!“

Lösungen, die nicht funktionieren

Erst dachte ich „Recht hat sie, die gute Frau“ und begann, mich zur Strafe selbst zu geißeln. Dann aber dachte ich nochmals nach. So einfach war die Sache nicht. Wenn nämlich das ganze Gesindel Hilfspolizei würde, dann gäbe es eines Tages nur noch Hilfspolizisten, aber kein koksendes, dealendes, Kinder stehlendes und Frühstücksflocken verschmähendes Gesindel mehr, was zu Entlassungen im Sicherheitsdienst und steigender Arbeitslosigkeit führen würde. Die entlassenen Leute müsste man dann wieder als Gesindel einstellen, um weiteren Entlassungen vorzubeugen. Sowas kostet! Ich bewunderte meinen Scharfsinn und beschloss, mir die Daumenschraube wieder abzunehmen.  Mittlerweile fällt es mir immer schwerer, mich vor Frau M. zu verteidigen. Letztens habe ich geweint, um sie davon zu überzeugen, dass ich mich nicht dauerhaft in meiner Arbeitslosigkeit einrichten möchte. Ich habe laut geklagt, geschrien, meinen Kopf gegen die Wand geschlagen, aber sie glaubte mir nicht wirklich und… sie wird es vielleicht nie wieder tun, denn… Kruzifix! Ich muss schon wieder lächeln!!!
 

— Montag, 27. April 2009 —

Was mich so richtig ärgert und traurig macht! [ Keine Kommentare ]

Ich erinnere mich noch gut an jene „Wetten dass“ – Sendung, in der Thomas Gottschalk Bierdosen als Hartz IV – Stelzen bezeichnet hat. Als Hartz IV – Empfänger sitzt man dann da, hört sich das an und wird irgendwie ganz klein. Wieder einmal gehört man jener Gruppe an, die alles selbst Schuld ist, die nicht arbeiten möchte, die in der sozialen Hängematte liegt und säuft, während die Anderen brav arbeiten gehen. Thomas Gottschalk hat sich entschuldigt, klar, aber was einmal gesagt wurde, kann sich nicht einfach in Luft auflösen. Es bleibt und Leuten wie mir tut es verdammt weh. Das Ganze ist ja kein Einzelfall: Wenn der Junge-Union-Vorsitzende Mißfelder eine Hartz IV – Erhöhung als Anschub für die Alkohol- und Tabakindustrie bezeichnet, wird mir schlecht. Was glaubt er denn? Mir macht es keinen Spaß, von staatlicher Hilfe zu leben. Mir macht es auch keinen Spaß, kaum etwas zum Unterhalt meiner Familie beizutragen. Und es macht mir keinen Spaß, meinen Kindern immer wieder Wünsche abzuschlagen, weil sie unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Nein, wir leben nicht auf hohem Fuß, aber obwohl wir sparen, wo wir können, habe ich Angst vor jedem Gang zum Briefkasten: Welche Rechnung erwartet mich wohl dieses Mal? Welche Mahnung oder zweite Mahnung aus Verbindlichkeiten, die in Zeiten entstanden sind, als es uns besser ging?

Ich kann es nicht mehr hören!

Wenn ich all den Mist höre, der über Hartz IV – Empfänger verzapft wird, denke ich: Leute, ihr habt doch gar keine Ahnung! Es gab mal Zeiten, da war alles die Gesellschaft schuld, was immer dem Einzelnen geschah. Das war sicherlich übertrieben. Heute scheint es mir genau umgekehrt zu sein, so, als würde alle Schuld auf den Einzelnen übertragen. Du hast keine Arbeit, lebst von Hartz IV? Du bemühst dich nicht genug, du bist faul und hast keine Lust zu arbeiten. Das TV pickt sich spektakuläre Fälle heraus, in denen das tatsächlich zutrifft und ganz viele Leute denken: Genauso ist es, genauso sind alle Hartz IV – Empfänger. Ich bin nicht so, bin nicht faul, schreibe Bewerbungen, bemühe mich und dennoch habe ich bei meinem Arbeitsberater stets das Gefühl, bei einem Verhör zu sein, so als stünde ich an der Anklagebank. Ich arbeite derzeit neben Hartz IV als Kurierfahrer, Chance auf eine mögliche Umwandlung in eine Vollzeitstelle = 0. Mit jeder Absage auf eine Bewerbung bekomme ich mehr das Gefühl, wertlos zu sein. Freunde in ähnlicher Situation versuchen mich zu ermuntern, mich von dem Gedanken abzubringen, aber sie schaffen es nicht. Und dann kommen irgendwelche Medienleute, Politiker und hauen mit dem Hammer nochmals drauf. Man muss schon sehr stark sein, um all das zu ertragen. Manchmal scheint es das zu übersteigen, was ICH ertragen kann.

Leute, ihr habt echt keine Ahnung!

— Samstag, 25. April 2009 —

Auf die Farbe kommt es an [ Keine Kommentare ]

Zu den Merkwürdigkeiten der Arbeitsagentur gehören die zuweilen hilflosen Aktivitäten, wenn es darum geht, Menschen wieder in Lohn und Brot zu bringen. Eine dieser skurrilen Aktivitäten ist das so genannte „Bewerbungstraining“. Wer meint, man könne nur für einen Marathonlauf trainieren, der irrt sich, auch der Arbeitsagentur wird trainiert. Das sieht dann folgendermaßen aus: Ein Handvoll Empfänger von ALG I oder ALG II, die auf dem umfangreichen und vor Angeboten nur so strotzenden freien Arbeitsmarkt irgendwie durch den Rost gefallen sind, werden „eingeladen“ (wer nicht erscheint, wird mit Sperrfristen bestraft), um dort in gemütlicher Runde Bewerbungen zu trainieren. Die Trainer dieser Aktionen waren vielleicht in ihrem früheren Leben Postangestellte oder Mitarbeiter des Finanzamtes, also Menschen mit einem denkbar schlechten Ruf, was Service und Dienstleistung angeht.

Für die Trainer ist die Sache klar: Wenn man keine Arbeit hat, dann liegt das nicht am Alter oder an der fehlenden Qualifikation, nein, Schuld an der Arbeitslosigkeit ist immer die falsche Bewerbung. Eine richtige Bewerbung ist das Nonplusultra. Wer das nicht beherrscht, wird es nie zu etwas bringen. Diese Weisheit wird während des Trainings gebetsmühlenartig wiederholt und hat zur Folge, dass man irgendwann felsenfest davon überzeugt ist, dass es mit einer Arbeit ja gar nicht klappen konnte, weil man immer wieder die falsche Bewerbung geschrieben hat. Und man kommt zu der grauenhaften Erkenntnis, wie schrecklich blöd man doch war und schämt sich ein bisschen. Keiner ist zu alt oder zu unter- oder überqualifiziert oder hat die falsche Staatsbürgerschaft um einen Job zu bekommen, es liegt einzig und allein an der falschen Bewerbung.

Das fängt schon mit den Mappen an. Die eingeschüchterten Arbeitssuchenden (es gibt keine Arbeitslosen) sind erschüttert, dass ihre ansehnlichen und oft teuer erworbenen Bewerbungsmappen so gar keine Gnade vor den Augen der Trainer finden („Für 1,99 auf dem Grabbeltisch geschossen, oder was?“). Abschätzig werden die Mappen mit spitzen Fingern hochgehoben und wieder fallengelassen als würden sie brennen.

So geht das nicht, da stimmt ja gar nichts. Weder der ordentlich getippt tabellarische Lebenslauf noch die Zeugniskopien. („Das sieht alles billig aus.“) Von den grauenhaften Fotos mal ganz zu schweigen. Wo steht da in den Bewerbungen was von ehrenamtlichen Tätigkeiten? Denn die kommen bei potentiellen Arbeitsgebern immer sehr gut an. Wer nicht mal Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr ist, hat so gut wie keine Chancen, sagt der Trainer und schüttelt traurig und ein wenig resigniert den Kopf. Die gelegentliche Betreuung der Nachbarskinder wird zu einer „Ehrenamtlichen Tätigkeit mit Kindern auf sozialer Ebene“, denn das macht sich gut im Anschreiben.

Fotos, so werden Arbeitslose am Existenzabgrund belehrt, Fotos sind das A und O einer guten Bewerbung, die dürfen auf gar keinen Fall am Automaten geschossen werden, da muss man schon investieren und ein professionelles Fotostudio aufsuchen, koste es, was es wolle. Meistens Geld, etwas an dem es Arbeitslosen in der Regel mangelt.

Wehe demjenigen, der mehr als zwei Fremdsprachen in seiner Qualifikation erwähnt, der fällt für die Arbeitssuche völlig durch den Rost. Das ist einfach zu intellektuell! Wie wirkt das denn, wenn man sich als Regalauffüller im Supermarkt für 3,50 Euro in der Stunde bewirbt? Solche Sachen sollten bei einer Bewerbung möglichst nicht zur Sprache kommen.

In den nächsten Wochen gehen alle brav einmal in der Woche zum Bewerbungstraining und optimieren ihre Mappen mit Feuereifer. Aber leider nie hundertprozentig. Immer wenn man glaubt, ja, so sieht sie aus, die perfekte Mappe, dann stimmt aus der Sicht des Coachs wieder irgendwas nicht. Man fragt sich verzweifelt, woran es denn diesmal fehlt. An der Farbe, sagt der Trainer, man hätte lieber eine blaue Mappe nehmen sollen, denn Blau mögen die Arbeitgeber besonders gern.

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